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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Historische Jubiläen müssen nicht staubtrocken sein: Wernborn feiert 825. Geburtstag - und beweist dabei, wie lebendig es ist.

Es gilt einem Dorf zum Geburtstag zu gratulieren: Das malerische Wernborn, einen Spaziergang weit vor den Toren von Usingen gelegen, feiert die 825-jährige Wiederkehr seiner Ersterwähnung. Das ganze Dorf ist zum Jubiläum gerüstet, das mit einem ganzen Reigen von Veranstaltungen das ganze Jahr über gefeiert werden soll: Ein Festkommers im Februar, ein „Tag der offenen Höfe“, allerhand Kulturveranstaltungen – und als besonders origineller Höhepunkt: ein Musical, in dem die Wernborner die Geschichte ihres Dorfes Revue passieren lassen.

Und damit das Jubiläum auch über die Feiern hinaus wirkt, werden im Februar gleich zwei Bücher erscheinen: ein historisch angelegtes Buch mit Bildern und Geschichten – und ein Wernborner Krimi. Ein Musical und ein Krimi, um ein Jubiläum zu feiern – ist das nicht zu trivial? Ich finde nicht.

Sicher wird man, was die historische Präzision angeht, an der einen oder anderen Stelle ein Auge zudrücken müssen. Aber das ist nicht weiter schlimm – wer es genau wissen will, kann zu der von Joachim Bierwirth vor 25 Jahren, zur 800-Jahr-Feier, verfassten Heimatgeschichte greifen, in der die historischen Fakten akkurat und anschaulich dargelegt werden.

Diese Grundlagenarbeit bildet die Basis dafür, dass das Jubiläum 2016 so kreativ und originell begangen werden kann. Mögen andere vielleicht darüber die Nase rümpfen – für mich zeigen Musical, Krimi und all die anderen Veranstaltungen, dass in Wernborn eine rührige Dorfgemeinschaft am Werke ist, mit vielen kreativen Köpfen und großem ehrenamtlichem Einsatz für ein Festjahr, an dem das ganze Dorf teilhaben soll. Das erscheint mir wesentlich: Dass die Besinnung auf die eigene Geschichte und die eigene Identität möglichst viele Menschen erreicht – gerne auch leichtfüßig und spielerisch.

Wenn es dadurch gelingt, bei dem einen oder anderen das Interesse dafür zu wecken, wie das Leben in Wernborn sich vor hundert, zweihundert, fünfhundet oder eben 825 Jahren abgespielt hat, hätten die Jubiläumsfeiern einen wichtigen Zweck erfüllt, der über den willkommenen Anlass zu Geselligkeit und Gemeinsamkeit hinaus geht.

Jedenfalls zeigen die Wernborner eindrucksvoll, dass man sich Geschichte nicht nur durch mühsame Studien, lange Vorträge und trockene Abhandlungen zueignen, sondern sie sich auch bunt und fröhlich erschließen kann. In diesem Sinne freue ich mich auf ein fröhliches Jubiläumsjahr als Einstieg für die weitere, durchaus auch ernsthafte, Beschäftigung mit der eigenen Geschichte – liebes Wernborn: alles Gute zum Geburtstag!

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