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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Von der Gier nach dem Glück und dem Sturz ins Elend: Die Bad Homburger Spielbank feiert 175. Jubiläum.

Die Bad Homburger Spielbank feiert in diesem Jahr die 175. Wiederkehr ihrer Gründung – und Homburg feiert gerne mit. Schließlich steht das Casino für Homburg als Treffpunkt der mondänen Welt, für Luxus, Lebensart und Eleganz – kurz: für die Blütezeit der Stadt und des Kurwesens und für den Wohlstand, der damit nach Homburg kam.

Man könnte, wenn man wollte, die Geschichte der Spielbank aber auch ganz anders erzählen: Dann ist das die Geschichte des kriminellen Brüderpaares François und Louis Blanc, das sich über Jahre durch Spekulationsbetrug an der Pariser Börse ein Vermögen ergaunert hatte. Nachdem sie wegen Korruption verurteilt worden waren, setzten sie sich ins Ausland, nach Luxemburg, ab.

Dort wanzten sie sich an den Homburger Landgrafen heran, nutzen dessen notorische finanzielle Klammheit aus, versprachen ihm für die Entwicklung des eben erst zaghaft entstehenden Homburger Kurbetriebes das Blaue vom Himmel, zogen ihn und seine Beamten bei den Verhandlungen nach allen Regeln der Kunst über den Tisch – und hatten schließlich die Konzession für Errichtung und Betrieb einer Spielbank in der Tasche.

In Frankreich und Großbritannien war kurze Zeit zuvor das Glücksspiel verboten worden – und so wurde Homburg in kürzester Zeit zu einem attraktiven Ziel für Touristen, die hier, im Ausland, unbehelligt auf den Putz hauen konnten.

Homburg wandelte sich unter der Ägide der Brüder Blanc in kürzester Zeit von der kulturell blühenden Residenz eines viel besungenen Heldengeschlechtes zu einer Spielhölle, in der Halbwelt-Existenzen, neureiche Parvenüs und dekadente Adelssprösslinge das Bild bestimmten. Der gute Ruf der Stadt war innerhalb kürzester Zeit ruiniert.

Wie viele Menschen die Spielbank in Existenznot gestürzt hat, wissen wir nicht – immerhin lässt sich das Elend eines Spielsüchtigen an Dostojewski studieren, den die Homburger Spielbank ebenso zugrunde richtete wie ungezählte Leidensgenossen.

Der Blick, den wir auf die Geschichte werfen, ist immer eine Frage des Standpunktes – und für den ernsthaften Historiker gilt daher mit gutem Grund das hohe Gebot, Geschichte „sine ira et studio“, also unparteiisch, ohne Hass und Eifern, zu betreiben. Aus dieser Perspektive bleibt jedenfalls erstaunlich, dass die (je nachdem) Glanz- oder Horrorzeit der Homburger Spielbank gerade einmal 31 Jahre dauerte, von 1841 bis zum Verbot des Glücksspiels 1872. Das ist, historisch betrachtet, eine denkbar kurze Zeitspanne, in der aber das Bild der Stadt maßgeblich bis heute geprägt wurde, wenn auch das seit 1949 wieder bestehende Casino nicht mehr mit den Zuständen des 19. Jahrhunderts mithalten kann. Man mag also die Spielbank feiern oder verdammen – aus der Geschichte Homburgs ist sie nicht wegzudenken.

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