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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Er war ein kühner Staatsmann, Reformer und Wegbereiter unserer Grundrechte: Zum 200. Todestag eines großen Usingers.

Vor genau 200 Jahren, am 24. März 1816, starb in Biebrich Herzog Friedrich August, der Vater des modernen Staates Nassau. Als er 1803, nach dem Tod seines älteren Bruders, den Thron des Fürstentums Nassau-Usingen bestieg, war er bereits 65 Jahre alt, und es war bereits absehbar, dass mit ihm das Fürstenhaus Nassau-Usingen aussterben würde, denn von seinen sieben Kindern hatten „nur“ die fünf Töchter das Kindesalter überlebt.

In seiner Regierung ist jedoch alles andere als Resignation oder Götterdämmerungsstimmung zu spüren – ganz im Gegenteil. Fürst Friedrich August stellte sich der großen Herausforderung, seinen Staat durch die Umbrüche der napoleonischen Epoche zu navigieren. Die Tatsache, dass er keinen männlichen Erben hatte, erleichterte einen wichtigen Schritt: 1806 vereinigten sich die bestehenden Fürstentümer Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zu einem größeren, einheitlichen Staatsgebilde, dem Herzogtum Nassau.

Friedrich August als der ältere der beiden Fürsten übernahm den Herzogstitel, sein Weilburger Verwandter, der ihn ohnehin beerbt hätte, trat derweil in die zweite Reihe. Damit entstand ein geschlossenes Staatsgebilde um Taunus und Westerwald, das von Rüdesheim bis Dillenburg, von Höchst bis Hachenburg reichte.

Der frisch gebackene Herzog machte sich daran, diesen neuen Staat modern zu gestalten, indem er eine ganze Reihe von Reformen veranlasste. Höhepunkt dieses Reformwerkes war die Verfassung von 1814, die als erste moderne deutsche Verfassung zu den zentralen Dokumenten unserer Geschichte gehört. Sie beinhaltet Grundrechte wie den Schutz des Privateigentums, persönliche Freiheit des Einzelnen, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit, die wir heute als selbstverständlich erachten, für die damalige Zeit jedoch hoch einzuschätzen sind – so hatte der Herzog erst kurz zuvor die Leibeigenschaft abgeschafft.

Natürlich agierte Friedrich August nicht allein: Sein Weilburger Verwandter, Fürst Friedrich Wilhelm, musste als Mitregent diese Politik mittragen, und an der Spitze der Reformen standen fähige Männer wie der Freiherr vom Stein, der die Verfassung maßgeblich geprägt hat. Friedrich August war und blieb aber stets der Kopf des Ganzen – ein kluger, gebildeter Kopf, der beispielsweise von Goethe als Gesprächspartner sehr geschätzt wurde.

Als er 1816, nach einer zehnjährigen Regierungszeit als Herzog von Nassau, starb, hinterließ er seinem Nachfolger aus dem Haus Nassau-Weilburg ein wohlgeordnetes Staatswesen. Als Letzter seines Hauses wurde er in der Usinger Fürstengruft beigesetzt – in seiner Geburtsstadt, in der er sich 1768, als an spätere Regierungspflichten noch nicht zu denken war, das Prinzenpalais als standesgemäßen Wohnsitz errichtet hatte. Friedrich August ist geradezu die Verkörperung des historischen Umbruchs seiner Zeit: Als letzter Fürst von Nassau-Usingen steht er für den Untergang des Alten Reiches – als erster Herzog von Nassau für den Beginn der Moderne.

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