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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Die Not der Flüchtlinge heute und der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg kann man vergleichen. Aber welche Lehren kann man daraus ziehen?

Aus der Geschichte lernen?
 
In der Flüchtlingsdebatte, die uns mittlerweile seit geraumer Zeit begleitet, wird immer wieder auch die Geschichte bemüht: sei es die Integration der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, sei es die Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge in der Barockzeit – und selbst die Völkerwanderung wird mitunter ins Feld geführt.

Alle diese Vergleiche sind hoch umstritten und problematisch. Leopold von Ranke, der Vater der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert, hat den berühmten Satz geprägt: „Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott“ – jede Epoche steht also für sich einzigartig uns vor Augen, hat ihre eigene Berechtigung und ihre eigenen Gesetze.

Das heißt nicht, dass man keine Vergleiche anstellen dürfte, ist aber durchaus eine Warnung davor, aus der Geschichte in einem einfachen Verständnis lernen zu wollen. Wir können aus der Geschichte nichts lernen im Sinne von ingenieurhaften Handlungsanweisungen – „Wenn ich dieses tue, dann wird das jene Folgen haben“. Lernen aus der Geschichte heißt für mich: Lernen, die Menschen besser zu verstehen. Geschichte ist im Kern die Wissenschaft vom Menschen; sie zeigt uns, was Menschen bewegt und wozu Menschen fähig sind – im Guten wie im Schlechten.
 
In diesem Sinne ist es durchaus wichtig, in aktuellen Debatten immer wieder den Blick auf die Geschichte zu lenken. Nicht, um daraus Schlüsse für die Gegenwart zu werfen, erst recht nicht, um Geschichte für Politik oder Polemik zu missbrauchen, sondern zunächst einmal, um sie staunend zu betrachten und im Nachdenken über die Geschichte auch zum Nachdenken über unsere Gegenwart zu kommen.
 
Dazu gibt es am 30. April eine hervorragende Gelegenheit. Bereits zum sechsten Mal laden dann die Geschichtsvereine unserer Region zu ihrem „Geschichtstag für Taunus und Main“ ein – ein Tag, der in diesem Jahr dem Thema „Heimat und Fremde“ gewidmet ist.

Das Programm lenkt dabei den Blick auf das vergangene Jahrhundert und auf Situationen, in denen in unserer Region „Heimat“ und „Fremde“ in ganz unterschiedlicher Weise aufeinandertrafen. Es geht um die Konfrontation der Einheimischen mit feindlichen und fremdartigen Besatzungssoldaten nach dem Ersten Weltkrieg, es geht um Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs, es geht darum, wie nach dem Krieg die Vertriebenen hier allmählich Fuß fassen konnten, und schließlich geht es um die Gastarbeiter und ihre Schicksale.

Auch der Ort des diesjährigen Geschichtstages, das Freilichtmuseum Hessenpark, spielt dabei eine Rolle: Schließlich wird hier das Spannungsfeld von „Heimat“ und „Fremde“ vielfach thematisiert und veranschaulicht.
 
Ich bin gespannt darauf, mir erklären zu lassen, wie Fremde und Einheimische in ganz unterschiedlichen Situationen miteinander umgegangen sind. Und wenn auch das Lernen aus der Geschichte schwierig ist – über die Geschichte des Taunus im 20. Jahrhundert gibt es noch viel zu lernen und zu entdecken.

Wer sich für den Geschichtstag 2016 interessiert, findet alle Informationen unter www.hochtaunuskreis.de oder im Kreisarchiv Hochtaunuskreis unter
0 61 72 -- 9 99 46 10.
 

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