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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Unerhört: Das Dörfchen Schönberg hat Musikgeschichte geschrieben - dank des großen Komponisten Max Reger.

In diesen Tagen denkt die Musikwelt an den 100. Todestag von Max Reger. Das ist ein wundervoller Anlass, sich dem einzigartigen Hörgenuss hinzugeben, den wir seinen Werken verdanken. Mir persönlich hat es vor allem die Orgelmusik angetan - umso größer war meine Freude, als ich vor einigen Jahren lernen durfte, dass es genau in diesem Feld einen Bezug des großen Komponisten zu unserer kleinen Welt im Taunus gibt.

Das kommt so: In dem schönen Dörfchen Schönberg bei Kronberg steht die schöne, in den 1760er Jahren errichtete Barockkirche St. Alban. Dort war gegen Ende des 19. Jahrhunderts der junge, musikalisch talentierte Lehrer Ludwig Sauer als Organist tätig. Sauer, 1861 in Kronberg geboren, war Musiklehrer in einem Pensionat in Dornholzhausen, leitete in der Umgebung mehrere Chöre und wurde auch von der Kaiserinwitwe Viktoria für die Gestaltung ihrer Hausmusik-Abende in ihrem Schloss Friedrichshof, dem heutigen Schlosshotel Kronberg, herangezogen.

Die kleine Orgel, mit der Ludwig Sauer in Schönberg zu tun hatte, genügte seinen musikalischen Ansprüchen nicht, und er setzte seinen Ehrgeiz daran, ein neues, besseres Instrument zu bekommen. Dabei zeigte sich sein Talent als Fundraiser: Er bat zahlreiche zeitgenössische Komponisten, ihm doch unentgeltlich ein Orgelstück zur Verfügung zu stellen. Die 36 Orgelkompositionen, die er tatsächlich zusammenbekam, veröffentlichte er im Jahr 1900 als „Orgel-Album zu Gunsten des Orgelneubaues zu Schönberg im Taunus" bei dem renommierten Verlag Breitkopf & Härtel - und der Verkaufserlös leistete einen Beitrag dazu, dass für Schönberg tatsächlich eine neue Orgel finanziert werden konnte, die heute noch dort zu hören ist.

Die meisten Komponisten, die damals einen Beitrag geliefert hatten, sind heute kaum noch bekannt. Aber: Tatsächlich lieferte auch der große, damals freilich noch relativ junge Max Reger. - Ob Sauer und Reger sich vielleicht von dessen Wiesbadener Zeit her kannten, ist Spekulation. Jedenfalls haben wir das Glück, dass in dem Schönberger Orgelalbum tatsächlich nicht nur irgendeine Komposition, sondern die berühmte Introduktion und Passacaglia d-Moll, eines der wichtigsten Regerschen Orgelwerke, zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

Neben Reger findet sich durchaus auch noch der eine oder andere weitere große Name - etwa Josef Gabriel Rheinberger oder Charles-Marie Widor. Reger und seinem Beitrag ist es aber zu verdanken, dass das Schönberger Orgel-Album des Lehrers Sauer tatsächlich einen Platz in der Musikgeschichte gefunden hat. Auch wenn Max Reger nie im Taunus war, fällt so doch ein kleiner Abglanz seines Ruhmes auch nach Schönberg - ein guter Grund, das Reger-Jahr auch im Taunus zu feiern - am besten natürlich hörenderweise.

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