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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von In die Weltliga hat es Bad Homburg nicht geschafft. Das ist schade, aber gerade für diese besondere Kurstadt verkraftbar.

Kopf hoch!

Homburger Lokalpatrioten müssen dieser Tage eine traurige Nachricht verdauen: In dem vielstufigen Verfahren, an dessen Ende die Eintragung mehrerer „Großer Kurorte Europas“ in die UNESCO-Welterbeliste stehen soll, ist die Bad Homburger Bewerbung gescheitert. Das ist für alle, die viel Energie in dieses Projekt gesteckt haben, natürlich zunächst einmal enttäuschend.

Wenn aber die abgedroschene Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ eine Berechtigung hat, dann ohne Zweifel hier. Es ist großartig, wie sehr die Bemühungen um den Welterbe-Titel unser Wissen um die Geschichte des Homburger Kurwesens bereichert haben. In den letzten Jahren ist viel an Kenntnissen und Datensammlungen zusammengetragen worden, aus denen die historische Forschung ebenso wie das Lokalbewusstsein der Homburger noch lange wird zehren können.

Ich denke dabei etwa an die großartigen Internet-Datenbanken „Orte der Kur“ und „Digitales Gebäudebuch“, aber auch an die intensive Beschäftigung mit der „Therapeutischen Landschaft“ in und um Bad Homburg, die seit neuestem ja auch mit dem „Rundweg Kurlandschaft“ neu erwandert und entdeckt werden kann. Damit sind Grundlagen gelegt, auf die Homburg stolz sein kann – und die hoffentlich zahlreiche weitere Forschungen befruchten werden.

Wenn man es recht bedenkt, erscheint mir die gescheiterte Welterbe-Initiative auch durchaus verkraftbar. Schließlich handelt es sich beim UNESCO-Welterbe in erster Linie um ein kunsthistorisches Prädikat. Und da muss man ganz zweifellos eingestehen, dass im Stadtbild und der erhaltenen Bausubstanz andere Kurorte ein deutlich geschlosseneres Bild des Kurwesens im 19. Jahrhundert konserviert haben als unser Homburg – auch wenn etwa der Kurpark natürlich seinesgleichen sucht.

An der historischen Bedeutung Homburgs als großes Bad der europäischen Welt tut die Verweigerung des Titels keinen Abbruch. Vielmehr wird jetzt der Blick vielleicht auch wieder frei für andere Zusammenhänge. Wenn ich jedenfalls in die Homburger Stadtgeschichte blicke, dann sehe ich darin nicht ausschließlich die Geschichte eines Kurortes, sondern die Geschichte einer Stadt, die immer wieder ihr Gesicht wandelt: Von der Landstadt zur Residenz, von der Residenz zur Spielhölle, von der Spielhölle zur kaiserlichen Sommerfrische, von dort zur modernen Bürgerstadt.

Diese vielfachen Rollenwechsel haben alle für sich das Stadtbild geprägt, und es ist spannend, diese Entwicklungen im Ganzen nachzuvollziehen. Und zu guter Letzt können die Homburger auch dadurch getröstet sein, dass sie ja schon längst Welterbestätte sind: Die Anlagen des Limes mit der Saalburg als herausragendem Ort haben ja schon seit über zehn Jahren diesen Titel. Also: Die Mühen waren nicht umsonst; die Arbeit, die geleistet wurde, hat ihren bleibenden Wert, und das Homburger Kurwesen des 19. Jahrhunderts hält auch weiterhin viel Stoff für spannende Geschichte bereit!

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