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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Tragische Umstände, große Werke: Eine Broschüre begibt sich auf die Spuren Hölderlins in Bad Homburg.

Höderlin Orte

Die Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises Anfang Juni ist der unbestrittene Höhepunkt im kulturellen Jahreskalender der Stadt Bad Homburg; in diesem Jahr ist Christoph Peters der glückliche Preisträger. Im Vorfeld gab es (für Nicht-Insider nur schwer nachvollziehbare) kommunalpolitische Auseinandersetzungen um den passenden Ort für die Preisverleihung: das Kurhaus oder die Englische Kirche?

Beides sind durchaus schmucke Räumlichkeiten, wenngleich beide mit Hölderlin nichts zu tun haben. Wer aber authentische Hölderlin-Orte in Bad Homburg aufspüren will, der hat dazu seit neuestem eine wunderbare kleine Handhabe: die Broschüre „Hölderlin in Homburg – Blickpunkte“, herausgegeben vom Verein für Geschichte und Landeskunde und verfasst von seiner Vorsitzenden Barbara Dölemeyer.

Darin werden 19 Orte in Homburg vorgestellt, die an die beiden hiesigen Aufenthalte Hölderlins 1798-1800 und 1804-1806 erinnern – als Nummer 20 wäre noch das Landgrafenschloss zu ergänzen, an dem Hölderlin als Hofbibliothekar tätig war, das hier aber bewusst ausgespart wurde. Denn es geht bei dieser Hölderlin-Spurensuche vor allem um das alltägliche Lebensumfeld des Dichters in Homburg: die Häuser, in denen er gelebt hat, die Wohnungen seiner Freunde und Weggefährten, in denen er ein- und ausging – aber auch Erinnerungsorte wie das Hölderlin-Denkmal oder der Ort der großen Jubiläumsfeier zu Hölderlins 100. Geburtstag 1870.

Anhand des Heftchens erschließt sich in wunderbarer Weise der kleine Homburger Musenhof, zu dem Hölderlin gehörte, und wir können Homburg als Hölderlin-Stadt neu entdecken. Auch wenn die beiden Aufenthalte des Dichters am Taunus zeitlich gesehen nur kurz dauerten, waren sie doch ungemein wichtig: biographisch ebenso wie für sein dichterisches Werk.

Das erste Mal, 1798, kam er nach Homburg, nachdem die Liebesbeziehung zwischen dem Hauslehrer Hölderlin und der Mutter seiner Zöglinge, Susette Gontard, aufgeflogen war und mit dessen katastrophalem Rauswurf aus dem Frankfurter Bankiershaushalt endete. Sein zweiter Aufenthalt mit der Anstellung als Hofbibliothekar 1804 hätte ihm eine halbwegs gesicherte Existenz bereiten können – endete aber tragisch mit dem Wahnsinn Hölderlins und seinem Abtransport nach Tübingen in psychiatrische Behandlung und Pflege.

Trotz – oder wegen – dieser tragischen Umstände entstanden in den Homburger Jahren wichtige Werke: der zweite Teil des Hyperion ebenso wie etliche seiner schönsten Gedichte und Übersetzungen. Das bedeutendste Hölderlin-Manuskript, das der Nachwelt erhalten geblieben ist, trägt in der Literaturwissenschaft den Namen „Homburger Folioheft“ und hält damit die herausragende Bedeutung Bad Homburgs als Hölderlin-Stadt dauerhaft in Erinnerung. Die „Hölderlin-Blickpunkte“ des Geschichtsvereins sind ein wunderbarer Baustein, das Andenken an diesen sperrigen, großen Künstler auch in Bad Homburg wach zu halten.

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