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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von No Brexit! Auch unsere Region zeigt: Aus der verbindenden Kulturgeschichte können die Briten nicht aussteigen.

Jetzt ist es also tatsächlich passiert: Die Briten wollen die EU verlassen. Welche Konsequenzen das für Politik und Wirtschaft hat, wird sich erst noch zeigen. Dass die britischen Inseln – egal, ob innerhalb oder außerhalb der EU – dennoch kulturell und historisch genauso zu Europa gehören wie die Schweiz, Bosnien oder die Westtürkei, steht dagegen außer Frage.

Und wie immer versorgt uns auch dafür die Regionalgeschichte mit wundervollen Beispielen. Der Taunus hat den Briten schließlich viel zu verdanken. Da sind die zahlreichen englischen Kurgäste zu nennen, die in Homburg Golf und Tennis einführten, den Homburg-Hut populär machten und überhaupt dem Homburger Kurwesen zu einer großen Blüte verhalfen.

Vor allem sind aber zwei starke Frauen zu nennen, die den Taunus bis heute geprägt haben: Prinzessin Elisabeth von Großbritannien (1770–1840) und ihre Großnichte, Prinzessin Viktoria von Großbritannien (1840–1901). Elisabeth war seit 1818 mit dem Erbprinzen und späteren Landgrafen Friedrich VI. von Hessen-Homburg verheiratet – eine Ehe, die für das kleine Homburger Landgrafenhaus von enormer Bedeutung war: Sie untermauerte eindrucksvoll die eben erst gewonnene staatliche Souveränität, die Mitgift der Braut rettete den hessen-homburgischen Staatshaushalt, und ihr intellektueller Horizont sorgte für wichtige Impulse für Kunst und Kultur.

Und rund 50 Jahre später ließ sich Viktoria – die Tochter der britischen Königin gleichen Namens, nach der ein ganzes Zeitalter benannt ist – nach dem Tod ihres Mannes, des „99-Tage-Kaisers“ Friedrich III., in Kronberg einen repräsentativen Witwensitz errichten – Schloss Friedrichshof, das heute als Hotel dient.

Beide britischen Prinzessinnen wirkten sehr segensreich: in der Armenfürsorge, in der Krankenpflege, für allerhand wohltätige Projekte, aber auch als Bauherrinnen, denen wir das Gotische Haus und den Englischen Flügel des Homburger Schlosses ebenso zu verdanken haben wie den Erhalt der Kronberger Burg. Beide brachten aus Großbritannien ästhetische und geschmackliche Impulse mit – das sieht man an den genannten Bauten ebenso wie an der landgräflichen Gartenlandschaft in Homburg, die durch Elisabeth vervollkommnet wurde.

So gesehen waren beide Prinzessinnen tatsächlich britisch. Im Blick auf ihre Herkunft wird aber die internationale Welt des europäischen Adels sichtbar: Die vier Großeltern der Prinzessin Elisabeth waren ein Prinz von Hannover, ein Herzog von Mecklenburg und zwei Herzoginnen von Sachsen; von den Großeltern Viktorias war immerhin bereits einer, der Herzog von Kent, in Großbritannien geboren, die anderen drei kamen ebenfalls aus dem deutschen Hochadel und waren allesamt Wettiner.

Weder die Landgräfin von Hessen-Homburg noch die deutsche Kaiserin lassen sich dieser oder jener Nation eindeutig und ausschließlich zuordnen. Sie zeigen vielmehr das Verbindende: die Welt des alten Europa, das eben nicht durch politische Verträge, sondern viel tiefer durch gemeinsame kulturelle Grundlagen und eine gemeinsame Geschichte miteinander verbunden ist.

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