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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Wenn ein ganzes Dorf einem einzigen Jäger weichen muss: Erinnerungen an verlassene Orte.

Wüstungen

Kennen Sie eigentlich Diezelshain? Oder Niederstedten? Oder Dietigheim? Das sind alles Dörfer im Taunus – allerdings Dörfer, die schon vor Jahrhunderten von ihren Einwohnern verlassen wurden. „Wüstungen“ nennt der Fachmann solche untergegangenen Siedlungen, und im Taunus gibt es eine ganze Menge davon – über 60 allein im Hochtaunuskreis.

Die Geschichte der Wüstungen, über die wir aus historischen Dokumenten und gelegentlich auch archäologischen Befunden Bescheid wissen, zeigt uns, dass Orte, die ja irgendwann einmal gegründet werden, ebenso auch wieder verlassen werden können. Die Gründe dafür sind vielseitig – und die Beschäftigung mit Wüstungen gleicht vielfach einem Detektivspiel.

So ist es beispielsweise mit Dietigheim. Ältere Homburger erinnern sich vielleicht noch an die 1.200-Jahr-Feier der Stadt Bad Homburg 1982: Damals bezog man sich auf die Ersterwähnung von Dietigheim, in dem man eine Vorgängersiedlung der heutigen Stadt gesehen hat. Wo genau dieses Dorf gelegen hat, darüber gibt es lediglich Vermutungen – ebenso wie über die Gründe dafür, dass es untergegangen ist.

Vielleicht sind, wie es durchaus öfters vorkam, die Einwohner geschlossen in die aufstrebende, befestigte Stadt Homburg umgesiedelt? Immerhin erinnert in Homburg heute die viel befahrene Dietigheimer Straße an diesen untergegangenen Ort. Dass es einmal ein Niederstedten gegeben haben muss, lässt sich schon allein aus der Existenz des Dorfes Oberstedten erschließen. Die Vorsilbe „Ober-“ macht schließlich nur Sinn, wenn es auch ein „Unter-“ oder eben „Nieder-“ gibt, zu dem eine Unterscheidung notwendig ist; sonst würde der Ort einfach Stedten heißen. Wir kennen Ober- und Niederursel, Ober- und Nieder-Erlenbach, Ober- und Niederrad und so weiter – also auch Ober- und Niederstedten, und sogar ein Mittelstedten gab es einmal.

Wer heute zwischen Oberursel und Bad Homburg durch die Felder radelt oder spaziert, der bewegt sich auf dem Gelände dieser beiden Orte, die gegen Ende des Mittelalters verlassen worden sind.

Diezelshain als drittes Beispiel war ein Dorf in der Nähe von Schlossborn und besonders interessant, weil es nicht einfach aus Not heraus aufgegeben, sondern allem Anschein nach planmäßig „rückgebaut“ worden ist. Graf Eberhard IV. von Eppstein-Königstein, der in Schlossborn ein hübsches kleines Jagdschloss besaß, fühlte sich durch die Existenz des Dorfes in seinem Jagdvergnügen derart gestört, dass er die Diezelshainer nach Hofheim und Schlossborn umsiedelte.

Seither herrscht Waldesruhe am Dittelshainer Bach; wer aber mit offenen Augen unterwegs ist, erkennt durchaus im Gelände noch Spuren des alten Dorfes, die seit 500 Jahren dort verborgen liegen.

Und wir haben im Taunus sogar die seltenen Beispiele für die „Wiederauferstehung“ einer Wüstung. Als sich Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg überlegte, wo er denn die waldensischen Glaubensflüchtlinge in seinem Land ansiedeln könnte, erinnerte er sich an ein altes Dorf vor den Toren Homburgs, das vor über einem Jahrhundert wüst gefallen war. Dort wies er den Waldensern Bauland an – Dornholzhausen wurde neu besiedelt und besteht bis heute.

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