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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Folgenschweres Jubiläum: Vor 150 Jahren fiel unsere Region nach einem kurzen Krieg an Preußen. Widerstand regte sich nur im stolzen Frankfurt.

1866

Einen heißen Sommer erlebte der Taunus – wie ganz Mitteleuropa – vor 150 Jahren: Die politischen Ereignisse überschlugen sich in dramatischem Tempo. Der Konflikt zwischen Preußen und Österreich, der sich in den Jahren zuvor immer mehr zugespitzt hatte, eskalierte plötzlich, heftig und glücklicherweise kurz. Preußen marschierte am 9. Juni 1866 in Holstein ein, um dadurch einen Krieg zu provozieren – mit dem kalkulierten Erfolg: Der Deutsche Bund, an dessen Spitze Österreich stand, beschloss am 14. Juni in Frankfurt die Mobilmachung gegen Preußen.

Am 23. Juni kam es zu den ersten größeren Gefechten zwischen preußischen und deutschen Truppen, am 3. Juli siegten die Preußen in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz, am 22. Juli musste die österreichische Armee kapitulieren, Ende Juli wurden die Kampfhandlungen eingestellt, und am 23. August schlossen Preußen und Österreich den Prager Frieden.

Die Fürsten im Taunus – sowohl der Herzog von Nassau als auch der Großherzog von Hessen-Darmstadt, der zugleich über Hessen-Homburg regierte – standen, wie fast alle deutschen Mittel- und Kleinstaaten, an der Seite des Deutschen Bundes und damit Österreichs. Das wurde ihnen zum Verhängnis: Nach der Schlacht bei Aschaffenburg war für die siegreichen Preußen der Weg in unsere Region frei; der Taunus wurde militärisch besetzt – glücklicherweise ohne größeres weiteres Blutvergießen. In Homburg fügte sich die Besatzung sogar reibungslos in den laufenden Kurbetrieb ein: Am Abend des Einmarsches gab es im Kurgarten einen Großen Zapfenstreich, am folgenden Tag standen zum Vergnügen der Kurgäste Darbietungen der Militärkapelle auf dem Programm.

So kurz der Preußisch-Deutsche Krieg auch war – er veränderte die politische Landkarte nachdrücklich. Der Herzog von Nassau wurde (ebenso wie der König von Hannover, der Kurfürst von Hessen-Kassel) vom Thron gestoßen und sein Land in das Königreich Preußen einverleibt. Aus der stolzen, Freien Stadt Frankfurt wurde eine preußische Provinzstadt, und der Großherzog von Hessen-Darmstadt musste das kleine Land Hessen-Homburg ebenfalls an Preußen abtreten.

Die Nassauer und Hessen-Homburger scheinen sich damit – im Gegensatz zu den renitenten Frankfurtern – recht schnell abgefunden zu haben, jedenfalls stieß die preußische Okkupation und Annexion hier kaum auf Widerstand. Mit der Einverleibung in Preußen endete die kleinteilige staatliche Ordnung mit ihren vielen Grenzen, die bis dahin die Geschichte unserer Region über Jahrhunderte hinweg geprägt hatte. Jetzt gehörte (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) der ganze Taunus zu ein- und demselben Staatswesen, was zu einer wichtigen Grundlage für seine weitere Entwicklung wurde.

79 Jahre lang blieb der Taunus preußisch – bis wieder ein Krieg, diesmal der Zweite Weltkrieg, zur Folge hatte, dass der Taunus dem neu geschaffenen Retortenstaat Hessen zugeschlagen wurde, zu dem er bis heute gehört.

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