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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Grenzen gilt es zu überwinden. So denken wir heute. Dabei sichern Grenzen auch den Frieden, wie das Beispiel Limes zeigt.

Der Limes oder die Erfindung der Grenze

In unserem heutigen Verständnis von der Welt denken wir bei dem Wort „Grenze“ meist an etwas Negatives, Hemmendes, an etwas, das es nach Möglichkeit – mit Blick auf ein geeintes Europa – zu überwinden und abzuschaffen gilt.

Es lohnt sich daher, auch einmal einen Blick auf die Entstehung von Grenzen zu werfen, und das ist kaum irgendwo so anschaulich möglich wie im Taunus, der durch das Weltkulturerbe Limes durchzogen wird.

Der Limes, die Grenze des Römischen Reiches, ist nicht einfach nur eine besonders alte Grenzbefestigung, er steht geradezu exemplarisch für die Idee einer Grenze und lehrt uns, dass die Einrichtung von Grenzen durchaus eine wichtige Errungenschaft in der Menschheitsgeschichte darstellt.

Rund 150 Jahre vor dem Bau des Limes brachte Cicero in einer seiner Reden die römische Sicht auf die Welt treffend auf den Punkt, indem er sagte: „Die Grenzen des Reichs reichen so weit wie die Macht seiner Schwerter und Lanzen.“ Der Machtanspruch des römischen Reiches war in den Augen des großen Staatsmanns unbegrenzt, und es kam nur darauf an, diesen Machtanspruch auch militärisch durchzusetzen. Neben dem Imperium Romanum war in dieser Sichtweise kein Platz für andere legitime Machtsphären.

Diese Sichtweise änderte sich in den folgenden Jahrzehnten, nicht zuletzt bedingt durch das Scheitern der römischen Expansionspläne in Germanien – und die Anlage des Limes am Ende des 1. Jahrhunderts ist der sichtbare Ausdruck dieser geänderten Sichtweise.

Das römische Reich war nun, wie es der frühere Saalburg-Direktor Egon Schallmayer formuliert hat, kein Universum mehr, das sich bei seiner Ausdehnung selbst Raum schafft. Der Bau der befestigten Grenze bedeutete das Eingeständnis, dass es einen Raum jenseits der römischen Herrschaft gibt. Die Errichtung einer festen Grenze war damit tatsächlich ein Schritt der Friedenssicherung. Sie ermöglichte über 150 Jahre lang eine friedliche Koexistenz der Menschen auf beiden Seiten und das Aufblühen von Städten, Siedlungen und Landwirtschaft im Rhein-Main-Gebiet.

Freilich waren Römer und Barbaren noch weit von einer Begegnung auf Augenhöhe entfernt – aber dennoch war die Anerkennung und Abgrenzung unterschiedlicher Herrschaftsbereiche ein erster Schritt hin zu der multipolaren Weltordnung, wie wir sie heute kennen.

Diese und noch viele weitere Geschichten kann uns der Limes erzählen. Wer sie hören will, der macht am besten bei einer der sachkundig geführten Wanderungen mit, wie sie beispielsweise unter www.naturpark-taunus.de zu finden sind – etwa am 25. September gemeinsam mit Landrat Ulrich Krebs oder bei anderer Gelegenheit. Nicht zuletzt ist es ein gutes Gefühl, dass sich die einstige Grenzbefestigung eines Großreiches heute mit zwei, drei beherzten Schritten mühelos überwinden lässt!

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