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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Luthers Geist gegen viele böse Geister: Wer ist lebendiger? Der 31. Oktober scheint zum ungleichen Duell zu werden...

Halloween oder Reformationstag?

Alle Jahre wieder dasselbe Bild: Die einen freuen sich auf Halloween, schneidern Kostüme, schnitzen Kürbisgeister, legen Süßigkeitenvorräte an und bereiten Parties vor. Und die anderen mühen sich redlich und wohlmeinend (wenngleich manchmal ein wenig schulmeisterlich), den 31. Oktober als Reformationstag hochzuhalten und darauf zu drängen, dass man an diesem Tag doch das Ereignis des Thesenanschlags und die Identität der evangelischen Konfession feiern müsse.

Halloween gegen Reformationstag – das sind zwei derart ungleiche Kontrahenten, dass letzterer auf verlorenem Posten zu stehen scheint: Was soll ein noch so festlich gestalteter protestantischer Gottesdienst schon ausrichten gegen ein Fest mit Verkleidungs- und Süßigkeitenspaß für die ganze Familie, das daherkommt wie eine Herbst-Fastnacht?

Ein wenig erinnert das an frühere kirchliche Kämpfe gegen vermeintlich heidnisches Brauchtum. Bemerkenswert finde ich an Halloween, wie schnell und nachhaltig sich dieses Brauchtum innerhalb der letzten Jahre hierzulande etabliert hat. Das, was an Halloween geschieht, ist längst über die Phase eines aus Konsuminteressen heraus gesteuerten Events hinausgewachsen – ich jedenfalls würde Halloween mittlerweile tatsächlich als Brauchtum betrachten und behandeln.

Die Gründe dieses Erfolgs sind vielgestaltig: Die Lust am Verkleiden und am Über-die-Stränge-Schlagen spielt sicher ebenso hinein wie die Anknüpfung an traditionelle Brauchtumsformen: Halloween ordnet sich ein in die Gattung der so genannten Heischebräuche und in die herbstliche Jahreszeit – nur dass jetzt statt Rüben meist Kürbisse zu Fratzen geschnitzt werden.

Ob die Etablierung des Halloween-Brauchtums dem Kirchenfest des Reformationstags denn wirklich abträglich ist oder gar religiöse Gefühle verletzt, will ich einmal dahingestellt sein lassen. Der 31. Oktober ist nicht der einzige Termin im Jahreslauf, der mehrfach belegt ist: Denken wir nur an Christi Himmelfahrt, das – ebenfalls zum Ärger kirchlich gebundener Menschen – mehr und mehr zum Vatertag mutiert; oder an den 1. Mai, der schon lange eine Mischung aus Tag der Arbeit, allgemeinem Wandertag und Marienfest darstellt.

Für mich sind diese Beispiele eindrucksvolle Belege für die Dynamik und Kraft von altem wie neuem Brauchtum, das sich in seinen Formen eben nicht oder nur begrenzt institutionell steuern lässt. Was und wie die Menschen feiern, lässt sich kaum vorschreiben, sondern folgt eigenen Gesetzen. Ob man sich darüber ärgert oder in Gelassenheit die Koexistenz zweier Feste an einem Tag hinnimmt, das sei jedem selbst überlassen.

Als Katholik bin ich da ohnehin fein raus: Ich feiere am 31. Oktober das Fest des heiligen Wolfgang, des ersten Bischofs von Regensburg, und gratuliere allen, die diesen schönen Namen tragen, zum Namenstag!

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