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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Über diese Brücke sollst du geh'n: Versteckt im Tal liegt sie und hat doch eine spannende Geschichte hinter sich.

125 Jahre Kaiserin-Friedrich-Brücke

Den Reiz unserer Kulturlandschaft machen nicht nur die großen, bedeutenden Baudenkmäler – Burgen, Schlösser, Kirchen, Plätze und Türme – aus, sondern auch die kleinen, unscheinbaren Schätze, die es allerorts zu entdecken gilt.

Ein solches Schätzchen liegt versteckt im Tal des Heidetränkbaches nordwestlich von Oberursel: eine auf den ersten Blick unscheinbare, halb verfallene kleine Brücke, die den Bach überquert. Wer genauer hinschaut, entdeckt an der Brüstung einen schön gestalteten Schlussstein mit einer Kaiserkrone und den verschlungenen Initialen F und V – ein Hinweis, dass es sich dabei um etwas mehr als nur einen reinen forstwirtschaftlichen Zweckbau handeln muss.

Und tatsächlich hat diese Brücke eine spannende Geschichte zu erzählen, nämlich die Geschichte vom Bau des Schlosses Friedrichshof in Kronberg. 1888, kurz nach dem Tod Kaiser Friedrichs III., erwarb dessen Witwe, die Kaiserin Viktoria, ein Villengelände in Kronberg und ließ in den folgenden Jahren dort ihren Witwensitz (das heutige Schlosshotel) errichten. Währenddessen wohnte sie im Homburger Schloss; um von dort auf schnellstem Wege zur Baustelle kommen zu können, ließ sie eigens einen neuen Fahrweg durch den Wald anlegen, der notwendigerweise den Heidetränkbach überqueren musste.

Für den Bau der Brücke wurde der Homburger Architekt Louis Jacobi engagiert, der auch bei anderen Projekten, vor allem bei der Renovierung der Kronberger Burg, für die Kaiserin tätig war.

Am 30. Oktober 1891, also vor genau 125 Jahren, war die Brücke fertig. Die eingemeißelte Jahreszahl ist an der Brücke noch ebenso zu sehen wie die Initialen des Kaiserpaares: V für Viktoria, F für den verstorbenen Friedrich. Brücke und Weg legen also Zeugnis ab vom monarchischen Glanz der Hohenzollern im Taunus.

Mit deren Ende ging es auch mit der Brücke bergab. Sie diente noch einige Jahrzehnte der Holzabfuhr und als Wanderweg, verfiel aber zusehends.

Heute steht sie zwar unter Denkmalschutz, ist aber in einem beklagenswerten Zustand. Umso schöner ist es, dass einige Aktive aus dem Burgverein Kronberg sich unlängst dieses kleinen Schmuckstücks angenommen haben und gelegentlich Wanderungen entlang des Kaiserin-Friedrichs-Wegs anbieten, um die Brücke wieder ins öffentliche Bewusstsein zu heben.

In diesem Sinne wünsche ich der Brücke zu ihrem Geburtstag alles Gute und für die kommenden Jahre vielleicht die eine oder andere Verjüngungskur, die sie für die nächsten 125 Jahre fit macht! 

Wer mehr über das Geburtstagskind erfahren will, der findet übrigens im Heft 48 der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Oberursel einen lesenswerten Aufsatz aus der Feder von Bernd Ochs, der die Geschichte der Brücke umfassend recherchiert hat.

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