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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Vom Kirdorfer Schuhmacher zum US-Nationalhelden: Wie Auswanderung und Einwanderung unsere Region prägten.

Mit Donald Trump haben die Amerikaner einen Präsidenten gewählt, der – wie alle nicht-indianischen Amerikaner – einen Migrationshintergrund hat. Sein Großvater kam 1869 als Friedrich Trump an der pfälzischen Weinstraße zur Welt. Die Familiengeschichte der Trumps steht damit exemplarisch für die Geschichte deutscher Auswanderung in die Neue Welt – ebenso wie bei seinen Amtsvorgängern Herbert Hoover – eigentlich „Huber“ – und Dwight Eisenhower, dessen saarländische Vorfahren sich natürlich „Eisenhauer“ schrieben.

Es ist wenig verwunderlich, dass die karge, ärmliche Mittelgebirgslandschaft des Taunus ebenfalls über einen langen Zeitraum und bis in das 20. Jahrhundert hinein eine klassische Auswanderer-Region war. Vor allem im 19. Jahrhundert suchten scharenweise Menschen aus dem Taunus ihr Glück in Nordamerika. In den 1840er-Jahren wurde die Auswanderung in die USA durch das Herzogtum Nassau sogar staatlich gefördert – man sah darin ein Mittel zur Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit im eigenen Land.

Die Motive für die Auswanderung waren zahlreich – neben politischer Unterdrückung spielte vor allem die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach einer Existenz oberhalb der Armutsgrenze die zentrale Rolle. Allein aus dem überschaubaren Örtchen Kirdorf vor den Toren von Homburg hat der findige Heimatforscher Stefan Ohmeis für den Zeitraum zwischen 1786 und 1934 sage und schreibe 151 Auswanderer namhaft gemacht – eine schier unglaubliche Zahl.

Darunter war 1848/1849 auch der Schuhmacher Franz Denfeld, dessen Enkel es zwar nicht zum Präsidenten, aber immerhin zum Admiralstabschef der US Navy gebracht hatte – und dem zu Ehren sogar eine Gebirgsgruppe in der Antarktis den Namen „Denfeld Mountains“ trägt.

Auswanderung und Einwanderung sind nicht nur zwei Seiten ein und derselben Medaille, die sich nur durch den Standort des Betrachters unterscheiden, sie sind auch fester Bestandteil unserer Geschichte. Gerade die Orts- und Regionalgeschichte selbst des kleinsten Dorfes ist eben nicht nur die Geschichte von alteingesessenen Bauern, die seit Jahrhunderten ihre Höfe bewirtschaften, sondern ist immer auch eine Geschichte der Konfrontation mit dem Fremden, eine Geschichte von Abwehr und Integration, von Heimat und Fremde, kurz: eine Migrationsgeschichte.

Wunderbar zu erleben ist das zurzeit in einer Sonderausstellung, die das Heimatmuseum Seulberg unter dem Titel „Fremde Heimat Friedrichsdorf“ präsentiert. Hier wird ein großer Bogen durch die Jahrhunderte gespannt: Von der gezielten Ansiedlung der Hugenotten in der Barockzeit über die Amerika-Auswanderung des 19. Jahrhunderts, die Flucht der Juden, sofern sie das Glück hatten, ihrer Ermordung zu entkommen, die Ankunft von Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945, die Gastarbeiter aus Südeuropa bis hin zu den Flüchtlingen von heute.

Uns begegnen viele anschaulich präsentierte Einzelschicksale, denen quer durch die Jahrhunderte eines gemeinsam ist: die Notwendigkeit, sich in einer neuen, fremden Heimat zurechtzufinden – ganz gleich, ob es Friedrichsdorfer sind, die in die Fremde gehen, oder Fremde, die herkommen, um Friedrichsdorfer zu werden. Unbedingt sehenswert!

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