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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Manchmal ist es gut, wenn die große Politik mit großem Tamtam baden geht...

Kreishallenbad

Ein Landkreis hat viele wichtige Aufgaben zu erfüllen: Er baut und unterhält Schulen und Straßen, er wacht über die Einhaltung von Bau-, Natur- und Wasserschutzvorschriften, er bietet soziale Hilfestellungen, er betreibt Krankenhäuser und vieles mehr.

Dieser Tage ist in der kommunalpolitisch interessierten Öffentlichkeit die Frage in den Blickpunkt gerückt, ob zu diesem Aufgabenspektrum denn auch der Betrieb eines Hallenbades gehört. Konkret geht es um das Kreishallenbad in Usingen.

Dass der Hochtaunuskreis ein eigenes Hallenbad unterhält, ist ein kurioses historisches Erbe des einstigen Landkreises Usingen. 1886 war erstmals das sogenannte Usinger Land aus dem Landkreis, der damals noch Obertaunuskreis hielt, abgetrennt worden. Dieser Landkreis Usingen war ein kurioses Miniaturgebilde als einer der kleinsten und schwächsten Landkreise in der gesamten Provinz Hessen-Nassau. Kein Wunder, dass dieser Kreis bei einer Verwaltungsreform in Folge der Weltwirtschaftskrise 1932 wieder aufgelöst wurde.

Kurz darauf feierte er allerdings fröhliche Wiederauferstehung: Die örtlichen Nationalsozialisten hatten die Wiederherstellung des Kreises Usingen auf ihre Fahnen geschrieben und lösten dieses Wahlversprechen nach der Machtergreifung auch tatsächlich ein – allerdings war dieser 1933 neu gebildete Kreis Usingen noch ein wenig kleiner als der erste. Erstaunlicherweise lebte dieser Kleinkreis noch bis 1972; erst dann wurden die beiden Hälften des Kreises unter dem neuen Namen „Hochtaunuskreis“ wieder vereinigt.

Die Struktur dieses Kreises Usingen war vergleichsweise einfach: Die Kreisstadt war zugleich die einzige Stadt überhaupt und damit das unbestrittene Zentrum des Kreises, der ansonsten aus größeren und kleineren Dörfern bestand, die ganz auf Usingen als Mittelpunkt ausgerichtet waren, so dass Kreis- und Stadtpolitik Hand in Hand agierten. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, dass der Landkreis Usingen in den 1960er Jahren das Projekt „Schwimmbad“ auf seine Agenda gesetzt hatte.

Nach langer Planungszeit war es dann am 9. September 1969 soweit: das Kreishallenbad an der Usinger Apfelallee – das erste Kreishallenbad in ganz Hessen – wurde feierlich seiner Bestimmung übergeben. Gebaut hatte es der Landkreis, nachdem, wie der Innenminister bei der Eröffnungsfeier lapidar konstatierte, „von vornherein feststand, dass die Gemeinden aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sein würden, eine derartige Sportstätte zu errichten“. 

Allerdings war auch der Landkreis dazu von vornherein nicht in der Lage – den Großteil der Baukosten hatte das Land übernommen. Die 1960er Jahre waren die Zeit der großen Pläne im sozialdemokratischen Musterland Hessen, und so wimmelte es in den damaligen Festreden nur so von Schlagworten wie „Rot-Weißes Programm“, „Hessenplan“, „Großer Hessenplan“ und sogar „Goldener Plan“.

Der Landkreis Usingen ist längst Geschichte, und mit ihm die Planungseuphorie der 1960er Jahre; das Hallenbad indes als Erbe dieses kuriosen Gebildes ist bis heute in der Trägerschaft des Landkreises – auch wenn die Strukturbedingungen heute ganz andere sind als zu seiner Entstehungszeit und der Kreis heute mit zahlreichen großen, selbstbewussten und leistungsstarken Kommunen gesegnet ist.

Ganz egal, wie die Zukunft des Hallenbades aussieht. Ein Teil von ihm ist bereits Geschichte: In seinem Untergeschoss, das eigentlich für Umkleiden und Gastronomie des geplanten, aber nie realisierten Außenbereichs mit Freiluftbecken vorgesehen war, unterhält das Kreisarchiv ein bedeutendes Aktenmagazin als Teil des papiernen Gedächtnisses des Kreises.

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