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Heimatforscher: Tief im Taunus

Von Luthers Thesenanschlag zeigte auch hierzulande Wirkung. Zum Jubiläum aber schießt eine Gemeinde übers Ziel hinaus.

Reformation im Taunus

Es ist das alles überstrahlende Jubiläum des Jahres 2017: Der 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers – von dem wir nicht wissen, ob es ihn tatsächlich gab, der aber jedenfalls eines der schönsten und aussagekräftigsten historischen Symbolbilder überhaupt ist.

Auch wenn vielen Zeitgenossen heute religiöse Analphabeten sind, ist die Reformation eine welthistorische Zäsur, mit der sich zu beschäftigen lohnt – und es ist fabelhaft, mit welchem Ideenreichtum historisch-intellektuell, künstlerisch-kreativ und auch religiös-spirituell dieses Thema aufgegriffen wird.

Die evangelische St. Georgs-Gemeinde in Steinbach ist allerdings in ihrer Begeisterung ein wenig übers Ziel hinausgeschossen – zumindest mit dem Jubiläumslogo, unter dem das vielfältige Programm, das zehn Termine von der Studienfahrt bis zur Familienkirche umfasst, zusammengefasst wird. Da sehen wir Martin Luther, das Gebäude der altehrwürdigen Steinbacher Kirche und die Steinbacher Bütt aus dem Stadtwappen miteinander kombiniert, dazu den Schriftzug „500 Jahre Reformation in Steinbach (Ts.)“.

Auch wenn ich mir damit den Vorwurf der Kleinlichkeit einhandle: Ich freue mich zwar darauf, „500 Jahre Reformation in Steinbach (Ts.)“ zu feiern – damit muss ich und müssen die Steinbacher aber noch eine ganze Weile warten. Erst 1540 führte Graf Ludwig von Stolberg-Königstein in seiner Grafschaft, zu der Steinbach damals noch gehörte, die Reformation ein – erste reformatorische Bewegungen und Bestrebungen im und am Taunus können wir seit den 1520er-Jahren dingfest machen.

Als sich 2014 der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährte, konnten die große Welt- und die kleine Regionalgeschichte zusammenfinden. Bei der Reformation ist das anders: Die Formulierung der 95 Thesen Martin Luthers sind ein weltgeschichtliches Ereignis, das seine Wirkung in der Breite erst in den folgenden Jahren und Jahrzehnten entfaltete.

Die Reformation ist weniger ein Ereignis als ein Prozess; die offizielle Errichtung evangelischer Landeskirchen – in Nassau und Hessen in den 1520er Jahren, in Königstein 1540 - bietet in diesem Prozess ebenso allenfalls einen Orientierungspunkt wie das reformatorische Ur-Ereignis des Thesenanschlags.

In diesem Jahr also feiern wir nicht das Jubiläum der Reformation, sondern das Jubiläum des Thesenanschlags. Ich hoffe und wünsche mir, dass der Blick nach Wittenberg auch den Blick schärft für die spannende Reformationsgeschichte in unserer Region. Die vermeintlichen Hammerschläge Luthers haben tatsächlich auch Steinbach berührt und verändert – aber das dauerte seine Zeit.

Immerhin will ich eines nicht ausschließen: Vielleicht hat der Wittenberger Doktor auf seiner Reise zum Wormser Reichstag 1521 ja zumindest sein Pferd im Steinbacher Dorfbrunnen getränkt. Ich freue mich auf viele spannende Veranstaltungen zum Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlags – und in 23 Jahren feiere ich dann mit den Steinbachern endlich „500 Jahre Reformation“!

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