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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Zwischen Wiege und der Bahre: Formulare, Formulare! Die Bürokratie ist in Verruf. Zu Unrecht. Eine Ehrenrettung.

Ein Hoch auf die Bürokratie

Jeder hat schon einmal unter der Bürokratie geächzt und auf sie geschimpft. Der „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“, den Reinhard Mey einmal besungen hat, ist sinnbildlich für eine überbordende Verwaltungskultur, die im Kontrast zum gesunden Menschenverstand steht.

Dabei ist die Bürokratie eine zivilisatorische Errungenschaft, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann – höchste Zeit also für den Versuch einer Ehrenrettung.

Mit der Herausbildung moderner Staaten seit dem 16. Jahrhundert ging auch die Entwicklung entsprechender Verwaltungsstrukturen und -behörden einher. Zunächst waren das Herrschaftsinstrumente für die Fürsten, um ein „Durchregieren“ zu ermöglichen und den Staatshaushalt im Griff zu halten.

Manchem erscheint die Bürokratie noch heute vor allem als Herrschafts-, wenn nicht Unterdrückungswerkzeug. Dabei entwickelte sie sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Garanten für die Menschen- und Bürgerrechte. Sorgfältig arbeitende Verwaltung schützt vor Willkür, sorgt für Rechtsgleichheit und für Rechtssicherheit. Die Schriftlichkeit des Verwaltungsaktes sorgt dafür, dass die Person des Beamten von dem Amt, das er ausübt, getrennt wird und macht sein Handeln nachvollziehbar und überprüfbar. Kurz gesagt: Kein Rechtsstaat ohne Bürokratie!

In Deutschland ist diese Kultur der Bürokratie noch vervollkommnet worden durch das System der kommunalen Selbstverwaltung, das dafür sorgt, dass Entscheidungen nicht in fernen Regierungskanzleien, sondern vor Ort getroffen werden – und das bürokratische System sorgt wiederum dafür, dass das Handeln einer Kommune sowohl durch die Öffentlichkeit als auch durch die staatlichen Kontrollinstanzen überprüft werden kann.

Auch wenn die öffentlichen Verwaltungen zugegebenermaßen mitunter schwerfällige und komplizierte Apparaturen sind – sie erfüllen eine elementar wichtige Rolle für das Funktionieren unserer freiheitlichen Gesellschaft.

Derjenige, der sich für Geschichte interessiert, kann sich über Bürokratie sogar dann noch freuen, wenn sie überbordende Züge annimmt: Denn fast alles, was wir über unsere Geschichte wissen, verdanken wir fleißigen und akribischen Beamten, Kanzlisten, Schreibern und Schreibgehilfen, deren Arbeit in die Archive geflossen ist. Je ausgefeilter die Bürokratie zu einer bestimmten Zeit war, desto besser können wir das Leben der Menschen in dieser Zeit aus den Akten rekonstruieren.

Wie das eindrucksvoll gelingen kann, führt eindrucksvoll ein neues Buch vor Augen: „Kronberg im 19. Jahrhundert“ heißt die Neuerscheinung von Hanspeter Borsch, Tilman Ochs und Konrad Schneider. Die drei haben darin das Kunststück geschafft, aus vermeintlich knochentrockenen Quellen – nämlich Gebäude- und Gewerbesteuer-Verzeichnissen – das bunte, lebendige Bild einer kleinen Stadt auferstehen zu lassen und uns anschaulich zu erzählen, wie die Menschen im 19. Jahrhundert gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Unbedingte Leseempfehlung!

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