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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Prost Papa, die Freiheit gönn ich dir! Am Vatertag wird jetzt ernst gemacht...

Vatertag
 
Schon des öfteren war an dieser Stelle von neu entstehendem Brauchtum die Rede – von Halloween etwa oder von Oktoberfesten. Dazu gehört auch der so genannte Vatertag, der mal wieder vor der Tür steht.

Überall laden Vereine zum Vatertagsgrillen ein, es werden Ausflugspläne geschmiedet, und die Werbung präsentiert Geschenkideen. Der Vatertag ist ein Brauchtum, das sich in den letzten Jahren in rasantem Tempo entwickelt hat. Das zeigt schon ein Blick ins Internet: Der Begriff „Vatertag“ bringt beim googeln deutlich mehr Treffer als „Himmelfahrt“ – offenbar hat das Vatertagsbrauchtum dem eigentlichen Kern des Feiertags, um den es geht, schon längst den Rang abgelaufen.
 
Dabei hat das eine mit dem anderen so gut wie nichts zu tun. Das Fest Christi Himmelfahrt gehört zu den ältesten und wichtigsten Feiertagen im Kirchenjahr. Vierzig Tage nach Ostern wird die Aufnahme des auferstandenen Jesus in den Himmel gefeiert. Weil der Himmelfahrtstag stets in die Wachstumsphase der Feldfrüchte fällt, geht er traditionell mit Bittprozessionen einher, in denen vor und am Himmelfahrtstag der himmlische Segen für Feld und Flur erbeten wird – in katholischen Gegenden bis heute.
 
Diese Prozessionen in die Feldflur haben allerdings nichts mit den Vatertags-Prozessionen zu tun, die vielerorts zu beobachten sind. Der Vatertag hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert: Damals etablierte sich der Ausflug ins Grüne als beliebte Freizeitbeschäftigung – gerne in munterer Herrenrunde und unter Rückgriff auf die wachsende Infrastruktur an Kneipen und Ausflugslokalen.

Die literarische Verarbeitung einer solchen Juxpartie findet sich etwa in Friedrich Stoltzes Erzählung „Der Schiffbruch des Raddampfers Freie Stadt Frankfurt im Jahre 1827“ – wenn auch nicht am Himmelfahrtstag, sondern anlässlich der Königsteiner Kerb.

Dass sich der Himmelfahrtstag als bevorzugter Termin für solche Männerausflüge etablierte, scheint mir einen ganz banalen Grund zu haben: Es ist schlicht ein freier Tag in der schönsten Jahreszeit, mit dessen religiösem Gehalt in einer zusehends entkirchlichten Gesellschaft obendrein immer weniger Menschen etwas anzufangen wussten. Das galt schon, als vor noch nicht hundert Jahren Himmelfahrt zum gesetzlich geschützten Feiertag erklärt wurde.
 
Die Bezeichnung „Vatertag“ dürfte zunächst satirisch gemeint gewesen sein und auf die zeitliche Nähe zum seit den 1920er Jahren etablierten Muttertag Bezug nehmen. Der komische Kontrast zwischen dem gefühlsbetont-sentimentalen und durchaus ernsthaft verstandenen Muttertag und den feucht-fröhlichen Männerausflügen an Himmelfahrt ließ sich durch deren Etikettierung als „Vatertag“ wunderbar steigern. Dass die Bezeichnung „Vatertag“ eigentlich ein Witz ist, sieht man ja schon daran, dass es von Anfang an nicht nur Väter waren, die mit dem Bollerwagen ins Grüne respektive Blaue zogen, sondern Männer aus allen Altersgruppen und Familienverhältnissen.
 
Bemerkenswert ist, dass seit einigen Jahren der Witz sich allmählich zum Ernst wandelt: Die Konsumindustrie hat den Vatertag für sich entdeckt und ruft dazu auf, die Väter an ihrem Ehrentag mit Geschenken für ihren familiären Einsatz zu belohnen. Die gewandelten gesellschaftlichen Vorstellungen von der Rolle des Vaters in der Familie tragen ihren Teil dazu bei, dass der Vatertag zusehends als echtes Pendant zum Muttertag verstanden und praktiziert wird. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Entwicklung weitergehen wird.
 

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