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Heimatkundler: Tief im Taunus

Von Den wahren Helden des Krieges: Nur eines der vielen Militär-Denkmäler Bad Homburgs ehrt die größte Tugend.

Militärische Traditionen

Die Traditionspflege und das geschichtliche Selbstverständnis der Bundeswehr sind dieser Tage viel diskutierte Themen – schwierige Themen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Für uns heute ist der Krieg zum Glück weit entfernt und als Mittel der Politik weitestgehend geächtet, und damit ist auch das Militärische in unserem Alltag kaum präsent.

Entsprechend schwer tun wir uns mit der Beurteilung soldatischer Tugenden: Gehorsam, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft sind Begriffe, die in unserem Tugendkanon kaum noch eine Rolle spielen. Im Gegenteil: Das Militär steht für viele stellvertretend für den aggressiven Nationalstaat, den es im gemeinsamen Projekt Europa zu überwinden gilt.

In Hessen hat dieser abwertende Blick auf das Militär sogar Verfassungsrang. Unsere Landesverfassung bestimmt ausdrücklich, dass im Geschichtsunterricht „nicht Feldherrn, Kriege und Schlachten in den Vordergrund zu stellen“ sind.

Ein Blick auf die Denkmalskultur zeigt, dass die Gesellschaft zu unterschiedlichen Zeiten jeweils ganz andere Umgangsweisen mit Krieg und Militär gefunden hat. Allein in Bad Homburg stehen ein halbes Dutzend Denkmäler aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die unmittelbar der Erinnerung an militärische Leistungen und Kriege gewidmet sind.

Das Prominenteste ist sicher das Kriegerdenkmal auf dem Waisenhausplatz, das nach dem Deutsch-Französischen Krieg errichtet wurde. Es ist mehr ein Sieges- als ein Gedenkmal und verherrlicht entsprechend die Leistung der Soldaten, die Deutschland unter Preußens Führung zu neuer Kaiserherrlichkeit emporgehoben haben. Dafür steht die architektonische Triumphgeste der antiken Säule ebenso wie der stolze Preußenadler und die Inschrift „Wer so wie ihr für’s Vaterland gefallen, der lebt im Herzen seines Volkes fort.“

Viel schwieriger ist dagegen das Gedenken an einen Krieg, der verloren wurde. Ein Beispiel für militärische Traditionspflege nach dem Ersten Weltkrieg steht etwas versteckt im Kurpark: das so genannte Achtziger-Denkmal, errichtet 1926 vom Veteranenverein des Füsilier-Regiments Nr. 80, zu dessen Standorten auch Homburg zählte. Hier werden leisere Töne angeschlagen als auf dem Waisenhausplatz: Zu sehen ist ein sterbender Löwe, der im Todeskampf noch die unter ihm begrabene Fahne verteidigt, dazu die schlichte Inschrift „Den Gefallenen zur Ehrung – den Lebenden zur Mahnung.“

Das Denkmal ist der Versuch, die soldatischen Tugenden von den politischen Zusammenhängen zu trennen – es geht hier im Gegensatz zum Waisenhausplatz nicht um die Frage, wofür gekämpft wurde, sondern um Tapferkeit, Ehre und Opferbereitschaft als eigenständige Werte.

Das in meinen Augen gelungenste und ergreifendste Kriegsdenkmal in Bad Homburg ist aber der Samariterbrunnen, eine private Stiftung von 1915, fertiggestellt 1920. Es ist zunächst einmal eine Brunnenanlage: Die Brunnenfiguren zeigen einen Mann in antiker Kleidung, der einem am Boden liegenden römischen Soldaten zu Trinken gibt. Zum Denkmal wird der Brunnen durch die Inschrift: „Den Samaritern im Kriege 1914–1918“. Eine wundervolle Widmung: Diejenigen, die auch im Krieg ihre Barmherzigkeit nicht verlieren, die nicht vergessen, dass auch der Feind ein Mensch ist – das sind die wahren Helden.

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