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Mit Heiligenschein

Von Vermeintlich Tadellose sollte man nicht aus der Nähe betrachten.
Uli Hoeneß als gefallener Heiliger? Unser Blogger Pfarrer Bühler schreibt, er finde es beruhigend, dass Gott die Menschen mit all ihren Fehlern annehme. (Foto: dpa) Uli Hoeneß als gefallener Heiliger? Unser Blogger Pfarrer Bühler schreibt, er finde es beruhigend, dass Gott die Menschen mit all ihren Fehlern annehme. (Foto: dpa)
Tief erschüttert ist die deutsche Volksseele seit gut zwei Wochen. Uli Hoeneß ist die Ursache dieser Erschütterung. Selbst die Kanzlerin ist enttäuscht von ihm, so wie Millionen weniger prominente seiner Verehrer. Erstaunlich, was seine Steuerhinterziehung in der Öffentlichkeit auslöst.

Talkshows und Wahlkampfveranstaltungen greifen das Thema auf. Jetzt hat sogar der Bundespräsident sich zum Fall Ulli Hoeneß geäußert. Das Urteil ist vernichtend. Aus dem „Heiligen“ der deutschen Fußballszene ist ein „Asozialer“ geworden. Und der zeigt endlich tiefe Reue.

Jahrzehnte war dieser Mann an der Spitze von Bayern München- sein Name ein Synonym für Benefiz, soziales Engagement eines Multimillionärs, helfender Freund in der Not. Wenn Uli auf dem Bildschirm erschien oder sich in der Menge zeigte, wurde es den einfachen Leuten warm uns Herz.

Er war superreich, aber nicht abgehoben, er hatte immer noch das Herz auf dem rechten Fleck. Nicht ohne Grund wurde Uli Hoeneß mit etlichen öffentlichen Ehren ausgezeichnet. Ich erwähne nur die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste. Umso tiefer jetzt die Enttäuschung.

Wie oft höre ich dieser Tage von Bayern Fans die Redewendung: „Das hätte ich nicht gedacht von ihm, nein, von Uli nicht.“ Uli Hoeneß bediente unser Wunschbild vom modernen Heiligen. Er ließ uns glauben, dass nicht alle Menschen käuflich sind vom großen Geld. Er schenkte uns die Illusion, dass im millionenschweren Profi-Fußballpoker wenigstens Einer ehrlich, fair und menschlich ist. Das alles stimmt jetzt nicht mehr.

Als evangelischer Theologe mit großem geschichtlichem Interesse habe ich mich auch mit der Vita von kirchlichen Heiligen beschäftigt. Quintessenz dieser Studien: Heilige sollte man nicht aus der Nähe betrachten. Das führt immer zu einer Enttäuschung. Denn Heilige sind immer zu einem Gutteil das, was die jeweiligen Zeitgenossen aus ihnen machen. Die Zeit idealisiert und stilisiert sie zu dem, was sie sein sollen. Wie sie wirklich waren, wie sie tatsächlich lebten, wird geflissentlich ausgeblendet.

Für mich ist Uli Hoeneß nie ein Heiliger gewesen, denn wer im Geschäft des Profisports erfolgreich ist, wer jährlich mit Millionensummen um Spieler und Erfolg pokert, der kann kein Heiliger sein.  Ein „Asozialer“ ist der Bayern-Boss aber jetzt auch nicht für mich. Er ist eben ein Mensch wie du und ich.

Der heilige Apostel Paulus, der erste große christliche Theologe, sagt von sich im Römerbrief Kapitel 7: „Das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich.“

Besser kann man es nicht sagen.

In jedem Menschen findet sich beides, das Gute und das Böse, das Soziale und das Unmoralische.

Paulus, Uli Hoeneß, ich und du, wir sind widersprüchliche Menschen. Widersprüchlichkeit gehört zum Wesen der menschlichen Existenz. Jeder Heiligenschein hat seinen dunklen Schatten.

Gott sei Dank, der sich nicht abwendet von uns, weil wir so sind, wie wir sind.

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