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Unendlichkeit

Von Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, sagte meine Oma immer. Das gilt auch für die Wirtschaft.
Nichts wächst für immer - und erst recht nicht in den Himmel. Das wusste schon die Oma unseres Bloggers Hans Bühler. (Symbolbild: dpa) Nichts wächst für immer - und erst recht nicht in den Himmel. Das wusste schon die Oma unseres Bloggers Hans Bühler. (Symbolbild: dpa)
Gerne erinnere ich mich an meine Kindheit. Mit drei Geschwistern bin ich auf einem kleinen Bauernhof in der Nähe der Loreley aufgewachsen. Pferde, Kühe, Hasen, Hühner und viele Nachbarskinder ließen keine Langeweile aufkommen.  Es war eine glückliche Kindheit. Ein großes Glück für meine Kindheit  war auch unsere Großmutter. Sie lebte selbst-verständlich mit uns auf dem Hof, hatte immer Zeit, war unser Babysitter,  unser Kindermädchen, unsere Märchenerzählerin und unsere Lehrerin in Lebensweisheit.

In den harten Zeiten ihres Lebens - sie hatte die zwei Weltkriege miterlebt - war ihr eine Lebensweisheit zu eigen geworden, die nur die harte Schule des Lebens vermittelt. Diese Lebensweisheit brachte unsere Großmutter in kurzen Sprüchen zum Ausdruck, die so einleuchtend waren, dass selbst wir Kinder schon ein Stück ihres Sinnes erfassen konnten. „Morgenregen und Altweibertänze dauern nicht lange“,  das war einer dieser Sprüche, die mir heute noch intuitiv in entsprechenden Situationen einfallen.

Schlage ich heute die Tageszeitung auf, speziell die Wirtschaftsnachrichten, dann fällt mir jedes Mal meine Großmutter ein und ihr Satz: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“. Um Wachstum geht es bei den Wirtschaftsnachrichten  unentwegt. Wie kann mehr Wachstum generiert werden, trotz Sparzwang. Da wird das Wachstum totgespart, zum Beispiel in Griechenland, oder es werden die Wachstumsprognosen von 0,5 Prozent korrigiert auf  0,3 Prozent. Wachstum ist der Schlüsselbegriff, um den sich alles dreht in der Wirtschaft. Kein Wachstum oder gar Schrumpfung des BIPs ist die Katastrophe, die es unbedingt zu verhindern gilt. Nur, Wirtschaftswachstum lässt sich zurzeit  nur noch mit neuen Schulden generieren. Und die führen notgedrungen irgendwann in eine neue Schuldenkrise. In dieser Zwickmühle stecken die Volkswirtschaften weltweit.

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“ Das weiß doch eigentlich jedes Kind. Warum soll das in der Wirtschaft anders sein? Wenn ein Wirtschaftssystem nur dann gut funktioniert, wenn es ständig weiter wächst, dann ist etwas grundsätzlich faul an diesem System, denn die Bäume wachsen eben nicht unendlich, auch nicht die Konzerne, die Renditen, der Wohlstand.

Einer der klügsten Köpfe unserer Zeit stellte fest: „Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ich mir beim Universum nicht ganz sicher bin...“,  Albert Einstein. Wann wird der Dummheit einer Weltwirtschaft ein Ende gesetzt, die immer noch an das unendliche Wachstum des BIPs glaubt?

Wann beginnen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft mit dem Umdenken? Postwachstumsgesellschaft, dieses Schlagwort ist zurzeit noch eine Randerscheinung in der Diskussion um die Zukunft der Menschheit. Aber, da bin ich sicher, die Gesellschaft der Zukunft wird eine Postwachstumsgesellschaft sein.

Warum ich mir sicher bin? „Weil die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, wie meine Großmutter,  Gott hab sie selig, schon wusste.

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