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Klüger

Von Die Flüsse sind unsere Brüder. Das wussten schon die alten Indianer.
Die Luftaufnahme zeigt einen Deichbruch am Elbe-Saale-Winkel in Klein Rosenburg. FNP-Blogger Hans Bühler meint, wir müssen aufhören, gegen die Natur zu kämpfen - und endlich mit ihr Leben. (Foto: dpa) Die Luftaufnahme zeigt einen Deichbruch am Elbe-Saale-Winkel in Klein Rosenburg. FNP-Blogger Hans Bühler meint, wir müssen aufhören, gegen die Natur zu kämpfen - und endlich mit ihr Leben. (Foto: dpa)
Ja, Sie haben richtig gelesen, die Flüsse sind unsere Brüder. Wie kann man so etwa schreiben in Deutschland im Juni 2013? Zehntausende sind auf der Flucht  vor dem Hochwasser an Donau, Elbe und ihren Nebenflüssen. Milliardenschäden haben die Flüsse verursacht.
„Die Flüsse sind zurzeit unsere größter Feind“, werden die betroffenen Menschen sagen. Dass die Flüsse unsere Brüder sind, sagt jemand, der in einer ganz anderen Welt lebte als der unseren heute.

Im Jahre 1855 machte der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, der Demokrat Franklin Pierce, den Duwamish das Angebot, ihr Land den weißen Siedlern zu verkaufen. Sie selbst sollten in ein Reservat ziehen. Der Duwamish-Häuptling Seattle antwortete mit einer Rede. Hier ein Auszug dieser Rede:

"Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt,
ist nicht nur Wasser. Wenn wir euch Land verkaufen, so müsst ihr wissen, dass es heilig ist und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt.
Die Flüsse sind unsere Brüder. Sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Wenn wir unser Land verkaufen, so müßt Ihr euch daran erinnern und eure Kinder lehren.
Die Flüsse sind unsere Brüder - und eure. Und ihr müßt von nun an den Flüssen eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch."

Zurück zur aktuellen Hochwasserkatastrophe. Warum, wird jetzt gefragt, schon wieder eine Jahrhundertflut? Die letzte war ja erst vor elf Jahren. Hätte doch noch mehr in noch höhere Deiche investiert werden müssen? Wann kommt das nächste Jahrhunderthochwasser, wieder in den nächsten zehn, zwölf Jahren? Und wie lässt sich eine neue Katastrophe abmildern oder gar verhindern?

Die Worte des Häuptlings helfen uns, Antwort zu finden auf diese bedrängenden Fragen. Er rät schon damals: „Die Flüsse sind eure Brüder, Ihr müßt ihnen eure Güte zukommen lassen.“ Was hat der Mensch in Mitteleuropa aber gemacht in den letzten 150 Jahren mit den Flüssen? Er hat sie in ein enges Korsett gezwängt,
hat, sie zu Wasserstraßen degradiert. An der Elbe sind in den letzten 150 Jahren 75% der Auewälder und Flussauen in Ackerland umgewandelt worden. Straßen und Dörfer sind dort gebaut worden, wo der Fluss seit Jahrtauenden immer mal wieder breite Uferbereiche überschwemmte.

Und seit Jahrzehnten wird überall in Deutschland Naturboden „versiegelt“ mit Asphalt oder Beton. Jeder Quadratmeter dieser zugebauten Flächen gehört zum Einzugsgebiet eines Flusses. Bei einer extremen Regenperiode kann dort kein Tropfen mehr versickern. Dieser Tage meldete sich Österreichs Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zu den Ursachen des Hochwassers zu Wort: Er wolle nicht direkt von Fehlern sprechen, aber: "Ich glaube, es waren langfristige Fehlentwicklungen, die auch teilweise vorher Experten mitgetragen haben", sagte der Politiker vor dem Treffen der EU-Energieminister.

Dass es günstig sei, Flüsse in Korsette zu zwingen oder auf Auengebiete zu verzichten, habe sich mittlerweile als "eher gewagte Überlegung" herausgestellt, meinte der Minister. Man müsse jetzt wirklich prüfen, "inwieweit man da jetzt auch vom Zeitpunkt her Rückbauten machen kann", so der Minister.

Rückbau, ein mutiges Wort angesichts des Rufes nach noch höheren Deichen. Der Natur ein Stück Land zurückgeben, ehe sie es sich mit Macht selbst zurückholt, das kann künftige Hochwasser abmildern. Am verheerenden Hochwasser 2013 wird etwas deutlich, das der Mensch der Moderne nicht wahrhaben will. Der Mensch ist nicht der Herr der Erde. Unser Umgang mit der Schöpfung bleibt nicht ohne Folgen. Auf lange Sicht wird die Natur stärker sein als der Mensch.

Häuptling Seattle beschließt seine Rede übrigens mit einem pessimistischen Blick in die Zukunft:

"Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht.
Ein Teil der Erde ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Der weiße Mann ist nie zufrieden, er will immer mehr.
Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter.
Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Vater, den Himmel,
wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als die Wüste."    

Damit diese pessimistische Vision nicht Wirklichkeit wird, sollten wir unsere Lebenshaltung ändern. Wir sollten ein anderes Verhältnis entwickeln zu der Erde, dem Wasser, den Mitgeschöpfen. Das ist keine schöngeistige Naturromantik, sondern langfristige Überlebensstrategie für den Menschen.

Wie sieht das in der Praxis aus? Müssen wir dem Fortschritt den Rücken kehren, unsere Handys ein für alle Mal abschalten, wieder in Zelten leben, jagen und Beeren sammeln? Nein, es geht nicht um ein „Zurück zur Natur“, sondern um einen Fortschritt mit der Natur. Das beste Beispiel dafür ist die moderne Solartechnik. Sie macht das, was die Natur seit Millionen Jahren in jedem grünen Blatt  macht. Sie nutzt die gigantischste Energiequelle so, dass weder Wasser noch Luft oder andere Lebewesen zu Schaden kommen.

Den Lebensstil der Zukunft hat Albert Schweizer treffend formuliert
mit folgenden Worten: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

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