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Aus dem Landtag

Von Politikersprech sorgt immer wieder für Verwunderung - und jede Menge Spaß.
Wenn Politiker wie hier Ministerpräsident Volker Bouffier den Mund aufmachen, versteht der Bürger oft nicht so ganz, was sie ihm eigentlich sagen wollen. Foto: Archiv Wenn Politiker wie hier Ministerpräsident Volker Bouffier den Mund aufmachen, versteht der Bürger oft nicht so ganz, was sie ihm eigentlich sagen wollen. Foto: Archiv
Für Politikerinnen und Politiker gehört es zum Alltag, Reden zu halten und sich dabei um eine gute sprachliche Qualität zu bemühen. Und doch gibt es einen Politiksprech, bei dem ich gelegentlich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Ich habe Begriffe gelernt, die ich vorher so nicht kannte oder denen ich eine andere inhaltliche Bedeutung zugemessen habe.
 
Ein Beispiel dafür ist der Begriff „Einwohnerveredelung“. Doch wie genau man Einwohner veredeln kann, habe ich mir auch mit viel Fantasie bisher nicht ausmalen können. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass es hierbei um einen technischen Vorgang im Kommunalen und Ländersfinanzausgleich geht. Eine Berechnungsgrundlage für den Ausgleich innerhalb der Kommunen und der Länder ist der Pro-Kopf-Faktor, der jedoch nicht überall gleich angesetzt wird. Während zum Beispiel ein Einwohner in Ginsheim-Gustavsburg in der Verrechnung einen hypothetischen Betrag von 1 Euro generiert, berechnet man bei einem Einwohner in Frankfurt 1,35 Euro. Und diesen Vorgang bei den Einwohnerinnen und Einwohnern in Frankfurt und anderen Großstädten und anderen Regionen nennt man Einwohnerveredelung – welch eine findige Begrifflichkeit.
 
Anders liegt es bei dem Begriff der „soziodemographischen Rendite“. Darunter versteht man im politischen Raum den Rückgang der Schülerzahlen in Hessen. Dieser Begriff lässt hinsichtlich der politischen Deutung damit zwei Schlüsse zu. Zum einen scheint die soziodemographische Rendite die Möglichkeit zu eröffnen, aufgrund sinkender Schülerzahlen Geld einzusparen. Zum anderen scheint sie die Möglichkeit zu eröffnen, aufgrund sinkender Schülerzahlen die Ausstattung in der Schule zu verbessern. Und beide Möglichkeiten werden diskutiert. In beiden Fällen gerät aus dem Blick, um was es hier wirklich geht – um unsere Kinder. Schon in früherer Zeit fand ich diese Begrifflichkeit im Zusammenhang mit Schülerinnen und Schülern nicht angemessen.
 
Ich habe mir vorgenommen,  diese Höhepunkte politischer Sprache weiter zu sammeln und am Ende der Wahlperiode das schönste zur Wahl stellen, versprochen!
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