Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 28°C

Mein Leben in London

Von Ich bin in London angekommen - und merke, wie teuer das Leben hier ist.

In den ersten Tagen haben sowohl die britischen als auch internationalen Neuankömmlinge an den Londoner Hochschulen zwei große Themen: Chancen und Kosten! So mache auch ich mir am meisten Gedanken um diesen beiden Punkte. Diese junge Menschen, die sich über beide Ohren verschulden versuchen vor allem mit der Hoffnung auf Chancen und eine vielversprechende Zukunft ihre finanziellen Sorgen beiseite zu schieben. So sehe auch ich die Möglichkeit, an den besten Hochschulen der Welt zu studieren.

Mit dem University College of London, King´s College London, London School of Economics und dem Imperial College London finden sich nach Rankings wie dem Times Higher Education Ranking oder QS World University Ranking 4 der 50 besten Universitäten der Welt auf engstem Raum zusammen. Meine indonesischen Mitbewohner, mein spanischer Sitznachbar, meine jamaikanische Cousine und auch ich suchen nach einem international anerkanntem Bildungsabschluss. Wir wollen wertvolle Arbeitserfahrungen sammeln und in die wunderbare interkulturelle Vielfalt von London eintauchen. Es ist die Möglichkeit, ein internationales Netzwerk mit leistungsstarken Studierenden zu knüpfen und seine Englischkenntnisse erheblich zu verbessern.

Schon jetzt komme ich über die studentischen Gesellschaften („Societies“) in Kontakt mit global agierenden Unternehmen, kulturellen Veranstaltungen abseits der Touristenströme und werde zu wissenschaftlichen Vorträgen zu studienrelevanten Themen eingeladen - ohne auch nur eine Minute an einem Seminar teilgenommen zu haben. London beweist das, was wir schon alle wissen: Es ist schnelllebig, vielfältig und erschreckend effizient.

So weit, so gut. Es ist liest sich wie eine Werbeanzeige und glaubt man den Erfahrungsberichten von ehemaligen Londoner Studierenden, wird dies auch erfüllt. Doch nun zu einer entscheidenden Frage. Neidische Studienkollegen, besorgte Eltern und mein lächelnder Bankberater stellten sie mir vehement: Was kostest diese Chance?

Auf die Preise und Lebenshaltungskosten in London kann man sich nur sehr schwer vorbereiten. Wir Frankfurter kennen hohe Mietpreise, ausufernde Lebenshaltungskosten und auch die Frankfurter Studenten das teuerste Studententicket in Hessen. Sehr schnell konnte ich mich bei einem Café auf der Zeil, beim Arbeiten in Schulen im Stadtgebiet oder bei einem leckeren Mittagessen im Hauptbahnhofsviertel mit den Kosten abfinden. Nun vermisse ich das günstige Frankfurt.

Frankfurt als günstig zu bezeichnen scheint wie Hohn, da wir immer wieder durch die Medien und manche sicher auch durch ein leeres Bankkonto an die hohen Kosten in unserer Stadt erinnert werden. Mein Lebensraum befindet sich nicht mehr in einer der zehn teuersten Städte Deutschlands, sondern ich bin in die Weltliga aufgestiegen. London war nach Berechnungen der Finanzinstitution UBS in 2012 eine der zehn teuersten Städte der Welt.

Die National Union of Students of the United Kingdom, kurz NUS, ist die Konföderation der großen Mehrheit aller studentischen Selbstvertretungsorganisationen der britischen Hochschulen. Die NUS berechnet jährlich die durchschnittlichen Ausgaben für Studenten in verschiedenen britischen Regionen und den Primus setzt natürlich zumeist Greater London. Im Durchschnitt geben die Londoner Studenten nach NUS im Jahr 29.401 Euro aus.

Im Gegensatz hierzu gibt die Infoseite „Studieren in Deutschland- Land der Ideen“ vom Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD) und Bundesministerium für Bildung und Forschung die durchschnittlichen Kosten in Deutschland mit 8040 Euro im Jahr an. Aus meinem Semesterticket für circa 400 Euro im Jahr sind nun 1650 Euro für öffentlichen Verkehr in London geworden. Das günstigste Zimmer im Studentenwohnheim meiner Hochschule King´s College London kostet im Hampstead House 580 Euro im Monat und entwickelt sich zu einem stolzen Preis von 1800 Euro für eine kleine Wohnung in der International Hall. Ein Londoner Student zahlt durchschnittlich 762,50 Euro für Wohnraum und sprengt damit unseren Bafög-Höchstsatz.

Stipendien und Förderer schaffen das kleine bisschen Chancengleichheit an diesen Bildungseinrichtungen. Die meisten jungen Menschen mit einem finanziell weniger starken Hintergrund werden einen weiten Bogen um diese Institutionen machen. Langfristig werden solche Preise für Bildung nur einigen Wenigen Chancen ermöglichen.

Jeden Tag sitze ich nun neben hoch verschuldeten Studierenden. Jungen Menschen, die hohe Kosten für Chancen in Kauf nehmen. Ein junger Studienkollege aus Manchester, der seine zukünftige Schuldenlast mit 64 000 Euro angab, scherzte bei unserem ersten Kennenlernen: „Welcome, Narku - to the most expensive Powerpoint presentations of your life!“
 
Zur Startseite Mehr aus Lorenz Narku Laing - Mein Leben in London

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse