Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Mein Leben in London

Das renommierte King's College in London - hier lebe ich ein sehr anderes studentisches Leben...
Vor einigen Wochen habe ich nun meine Hochschule in der Mainmetropole, meinen Arbeitsplatz beim Jugendtreff der Ev. Paul-Gerhardt-Gemeinde und die Arbeitsgruppen an der Förderschule Bürgermeister-Grimm-Schule in Frankfurt-Gallus hinter mir gelassen. Damit habe ich Kommilitonen, Freunde, Arbeitskollegen und großartige Jugendliche zurückgelassen. Ein soziales Netz im Alltag wurde geduldig zusammengefaltet und zur Seite gelegt. Abseits von meinem sozialen Leben waren sie meine bestimmenden Faktoren meines Wochenrhythmus.
 
Ich habe bereits gelernt, meine sozialen Beziehungen, also Freunde, Familie und Freundin, durch Telefonate, E-Mails, soziale Netzwerke und Kurzbesuche sehr präsent zu halten. In den vergangenen zwölf Monaten lebte ich insgesamt vier Monate abseits von meiner Heimat Frankfurt in Tiflis, Berlin, Vilnius, Kingston, Stuttgart und natürlich London. Fernbeziehungen sind zur Gewohnheit geworden.

Selbstverständlich vermisst man den persönlichen Kontakt, jedoch nicht die Menschen, denn sie sind mir nicht fern. Neben dem engen sozialen Netz gehören für mich zum Leben auch ein berufliches, intellektuelles und medizinisches Netz hinzu. Wie viele Menschen in einer neuen Stadt bin ich auf der Suche nach neuen Gewohnheiten, Anlaufstellen und damit nach Anknüpfungspunkten.
 
Mein erster Bezugspunkt als Student bleibt der Organismus Hochschule. Das Herz des studentischen Lebens am King´s College ist die King´s College Student Union. Sie ist Vertreter der Studierendenschaft und gleichzeitig Plattform für eine Vielfalt von Angeboten. Ihr Puls sind die über 200 „Societies“ und „Activity Groups“. Von der Harry-Potter-Gruppe über Taekwondo bis zur African Carribean Society findet sich ein breites Spektrum von studentischer Gruppen zu gefühlt allen Hobbys und Zielsetzungen. Ihre Stimme sind die endlos pochenden E-Mail-Verteiler. Nicht nur die unterschiedlichen „Societies“ kommunizieren intensiv mit Interessierten und Mitgliedern, sondern auch von Seiten der Hochschule findet sich eine ungewohnt aktive und positive Kommunikationskultur.
 
Nach wenigen Wochen am King´s College London geben mir über 100 Veranstaltungshinweise in meinem Postfach und mehr als 20 neue Facebookgruppen sehr deutlich einen Impuls: „Hey, hier passiert wirklich was!“ Der erste Zugang zu den studentischen Gruppen ist die „Freshers Fair“, eine Messe, in einem angemieteten Messecenter mit mehr als 200 Ständen und einem Bühnenprogramm. Im Ansatz bewusst niederschwellig organisiert, kann man vor Ort mit den Vertretern aller „Societies“ und Gruppen sprechen.

Sehr schnell konnte ich mir so ein Netz aus Mitgliedschaften in der African Carribean Society, Theology and Religious Studies Society, KCL Bright Futures und selbstverständlich der Erasmus Society spinnen. In den kommenden Wochen kann man nun vorfühlen und sich im Anschluss für oder gegen ein dauerhaftes Engagement entscheiden. Ich erlebte die Studierenden in der Breite als deutlich engagierter darin, universitätsinterne Angebote aufzubauen.
 
Die studentische Öffentlichkeit am Campus wird begleitet von KCLRadio, KCL TV und vor allem ROAR! - einer studentischen Zeitung mit mehreren 10000 Lesern im Monat aus über 100 Ländern. Dieses letzte Indiz zeigt, dass die Hochschule einen eigenen Mikrokosmos schafft. In diesem kann man von Sportverein, Wohngemeinschaft, Hobbys, politischen Parteien bis hinzu Medien viele Parallelen zur regulären Konstruktion vom Alltag finden. Es ist möglich, sich in vielen Bereichen an diesen kleine Welt zu halten.
 
Viele werden einwenden, dass Gefahr besteht, sich in einem elitären Kreis abzuschotten. Es ist eine legitime Befürchtung, aber letztlich eine wunderbare Möglichkeit. Junge Menschen, die zum ersten Mal in England oder gar in Europa sind, haben die Möglichkeit zunächst einen verständnisvolle und multikulturellen Rückzugsort zu finden. Anders als beispielsweise bei einem Engagement in einem regulären Sportverein, müssen sie nicht erklären, warum sie in wenigen Monaten wieder weg sind.
 
Die studentische Öffentlichkeit und ihre Gruppierungen werden mir helfen, schnell in London anzukommen, wenn ich nicht schon angekommen bin. Der Londoner Autor Ben Aaronovitch schrieb in seinem Werk „Moon Over Soho: “My Dad says that being a Londoner has nothing to do with where you're born. He says that there are people who get off a jumbo jet at Heathrow, go through immigration waving any kind of passport, hop on the tube and by the time the train's pulled into Piccadilly Circus they've become a Londoner.” - "Mein Vater sagt, dass ein Londoner zu sein nichts mit deinem Geburtsort zu tun hat. Er sagt, dass es Menschen gibt, die mit dem Flugzeug in Heathrow ankommen, mit einem beliebigen Pass die Einreisekontrolle passieren, in die U-Bahn steigen und, wenn der Zug erst einmal am Piccadilly Circus angekommen ist, zum Londoner geworden sind."

Mit diesen Worten wünsche ich heute: CHEERS!
 
Zur Startseite Mehr aus Lorenz Narku Laing - Mein Leben in London

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse