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Mein Leben in London

Der Tod von Michael Brown in Ferguson bewegt auch in London - denn die Stadt hat eine politische Seele.
Am vergangenen Mittwoch kamen mehr als 1000 Menschen vor der US-amerikanischen Botschaft in London zusammen. Sie demonstrierten gegen das Urteil im Fall Michael Brown / Darren Wilson. Ich war an diesem Tag dabei. Es begann als eine Mahnwache und endete als ein breiter Protestzug durch die Oxford Street, über den Piccadily Circus bis vor das britische Parlament. Ab 18 bis weit nach 22.30 Uhr blockierte der spontane Protestzug Teile der Londoner Innenstadt und brachte zeitweise den Innenstadtverkehr zum Erliegen.
 
„Wir organisierten den Protest, um Solidarität mit Ferguson zu zeigen“, sagte mir der Sprecher der London Black Revolutionaries. Die London Black Revolutionaries verweisen auf ihren erhofften Erfolg in den sozialen Netzwerken: „In 24 Stunden haben sich über 2600 Menschen für die Demonstration angemeldet!“
 
Es waren vor allem Studenten und ein Teil der amerikanischen Diaspora, die sich an diesem Abend vor der Botschaft zusammenfanden. Der Tod von Michael Brown in Ferguson hatte noch vor wenigen Wochen zu einem Protest in London geführt. Nach dem Juryspruch in den USA fühlten sich die Gewerkschaft RMT, die linkspolitische Gruppe London Black Revolutionaries und die Studentenorganisationen Movement for Justice und der National Union of Students- Black Students Campaign berufen, erneut auf die Straßen von London zu gehen.
 
Vor der US-Botschaft hörten wir emotionale Reden von Carole Dungan, Tante von Mark Dungan, der 2011 im Norden Londons von einem Polizisten erschossen wurde und Marcia Rigg, Schwester von Sean Rigg, der in 2008 in Polizeigewahrsam starb. Die auch in der Bundesrepublik von der ISD Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. vor dem Brandenburger Tor aufgegriffene weltweite Solidaritätskampagne #Fergusoniseverywhere rückte hier in den Vordergrund. In den Reden von Carole Dungan und Marcia Rigg wurde ihre Erklärung für die Notwendigkeit und Aktualität eines Solidaritätsmarsch in London sehr klar: „In den USA sind es die gleichen Probleme, mit denen wir hier zu kämpfen haben!“
 
„Es tut weh, in diesen Zeiten nicht in den USA sein zu können. Es ist großartig, hier zu sein und zu sehen, dass die Welt zusammen gekommen ist, um gegen dieses Unrecht zu demonstrieren“, sagte mir Christian Novel aus Chicago, Illinois, als sich der Demonstrationszug auf der Oxford Street durch den Verkehr kämpfte.
 
London hat an diesem Tag wieder einmal seine zutiefst politische Seele gezeigt und die Migranten aus den USA haben ihren politischen Konflikt in das multikulturelle Herz des Vereinigten Königreich gebracht. Am folgenden Morgen unterstützte die Parlamentsabgeordnete Diane Abbot, ein politisches Schwergewicht, das seit 1987 im Parlament sitzt und schon als Bürgermeisteranwärterin für London gehandelt wird, die Demonstration.
 
Für mich rückte an diesem Tag eine Erkenntnis in den Vordergrund, die einst Immanuel Kant treffend formulierte: „Das Unrecht, das an einem Ende der Welt geübt wird, rächt sich auch am andern.“
 
 
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