Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Mein Leben in London

Deutsch-britsche Beziehungen? Das sind ganz klar die europäische Personenfreizügigkeit, die Geld- und Wirtschaftspolitik - und der „Angriff“ der deutschen Discounter auf den britschen Markt.
Ich erinnere mich noch. Vor drei Jahren waren mein Onkel Ronald und ich auf der Suche nach einem Supermarkt. Mit einem Lächeln entdeckte ich einen Aldi, diese kleine Insel deutschen Alltags, in den Straßen von Birmingham. Mit den Worten „Nein, die sind mir zu billig“ machte mir mein Onkel allerdings schnell klar, dass er nicht bei einem deutschen Discounter einkaufen möchte. Das Image der deutschen Lebensmittelhändler stand schlecht.

Heute, drei Jahre später, stehen sie im Mittelpunkt der Öffentlichkeit.
 
In der britischen Öffentlichkeiten dominieren zu den deutsch-britschen Beziehungen drei Themen: Die europäische Personenfreizügigkeit, die Geld- und Wirtschaftspolitik und der sogenannte „Angriff“ der deutschen Lebensmittelhändler Aldi und Lidl auf den britschen Markt. Ich möchte zunächst das Thema Lebensmittelhändler aufgreife, denn ihre Entwicklung kann als Wegweiser in den deutsch-britischen Beziehungen im Alltag gesehen werden.
 
Der Hintergrund ist schnell abgesteckt. Aldi und Lidl bauen ihre Anteile am englischen Lebensmittelmarkt deutlich aus. Aldi hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf dem britischen Markt um 40 Prozent anheben können. Aldi möchte die Anzahl seiner Discounter von 600 auf 1000 bis 2021 anheben. Lidl und Aldi wollen die großen Supermarktketten wie Tesco, Asda, Sainsbury´s und Morrisons herausfordern. Offen gehen die Lebensmittelhändler mit neuen Preisstrategien, Standorten, Werbemodellen, Rabattaktionen und Tiefstpreisgarantien den Kampf um Marktanteile an. Beispielsweise eröffnet Sainsbury´s mit der dänischen Kette Netto neue Discounter, Tesco verspricht in den nächsten Jahren Milliarden an Preissenkungen durchzuführen und Asda will an einigen Standorten mit schlankeren Produktpaletten Geld sparen.
 
Im öffentlichen Diskurs ist das Wachstum der deutschen Discounter in aller Munde. Ihr starker Bezug zu Deutschland wird dabei immer wieder betont - in persönlichen Gesprächen auch mal mit dem kleinen Beisatz: „Ihr Deutschen wisst, wie man Geld spart!“ Vor allem die stagnierende Reallohnentwicklung gepaart mit der Wirtschaftskrise hat britische Konsumenten an die Discounterkassen gebracht. Erfolgreich waren zudem die breiten und aufwendigen Imagekampagnen der „Deutschen“, um es mal in der Sprache des öffentlichen britischen Diskurses auszudrücken. Meines Erachtens sind Lidl und Aldi sichtbare deutsche Marken.
 
Nicht nur der umstrittene Werbespot von Sainsbury´s zum Weihnachtsgeschäft, der den Weihnachtsfrieden 1914 darstellt, zeugt von einer neuen medialen Darstellung der deutsch-britischen Beziehungen. Auch eine Ausstellung zu den Deutschen mit dem Titel „Germany- Memories of a Nation“ im British Museum stellt einen neuen Blick auf die Bundesrepublik und seine Bewohner dar. Lidl und Aldi verdanken auch dieser neuen Sympathie mit Deutschland seine wachsenden Umsatzzahlen.
 
Aldi und Lidl werden als Botschafter Deutschlands interpretiert. Eine Wahrnehmung, die Teil meines Alltags geworden ist. Auf die Aussage „Ja, ich bin ein Austauschstudent aus Deutschland“ folgte nun ein paar Mal die Reaktion: „ Ich kauf bei Lidl beziehungsweise Aldi ein.“ Ein für mich zunächst merkwürdiger Schluss. Allerding wird ein weiterer Lebensbereich neben Auto, Pharmazie oder Küchen für viele britische Konsumenten ein Stück weit „deutscher“. Selten wird es den Menschen so bewusst wie beim wöchentlichen Gang zum Supermarkt.
 
Die neue Begeisterung für Deutschland ordnet den Blick auf uns im Vereinigten Königreich neu. Das neue Ansehen von Aldi und Lidl lässt die britischen Marktführer aufschrecken. Es steht für ein Beispiel unter vielen von Investionen aus der Bundesrepublik und schafft Tausende Arbeitsplätze. Ein Erfolgskonzept für die deutsch-britischen Beziehungen. The „German Way of Shopping“ kommt immer mehr in Mode. Heute sagt mir mein Onkel Ronald: „Ja, ich gehe da ständig hin!“
 
 
Zur Startseite Mehr aus Lorenz Narku Laing - Mein Leben in London

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse