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Blog einer dreifachen Mutter: Familienpackung

Von Ich bin unsicher, gleichermaßen aufgeregt und nervös: Dabei werde nicht ich heute eingeschult, sondern mein Sohn.
Heute ist ein ganz, ganz wichtiger Tag für uns: Mein großer kleiner Sohn kommt in die Schule! Unfassbar. Er lag doch gestern noch mit dem Schnuller in der Wiege. So fühlt es sich jedenfalls an. Und ein wenig fühle ich mich auch so wie damals, vor sechs Jahren, als er gerade auf die Welt gekommen war: als absoluter Anfänger, hinreichend aufgeregt, ziemlich unsicher, gleichermaßen froh und nervös vor der Erwartung dessen, was da kommen mag. Dabei muss nicht ich die Schulbank drücken, sondern er. Aber raus aus der Verantwortung bin ich deshalb noch lange nicht.

So richtig los ging es vor gut zwei Monaten mit dem ersten Elternabend in der neuen Schule. Wir lernten die Lehrerin kennen, die Eltern der Klassenkameraden, sogar im künftigen Klassenraum durften wir sitzen. Ich nahm am Ende des Abends 20 Blatt Papier mit nach Hause, darunter einen Auszug aus dem Infektionsschutzgesetz, den Schulwegplan und die Materialliste. Auf Letzterer stehen Dinge, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Ein „Geschichtenheft“ etwa wird mein Junge für den Unterricht benötigen. Bleistifte in B, HB und 2B, und zwar dreieckig. Ferner Hefte in den Lineaturen G1, 51 und 1, das zudem farbig unterlegt. Sieben Schnellhefter in festgelegten Farben habe ich bei insgesamt zwei örtlichen Schreibwarenhändlern besorgt, einen Stehordner und ein Ablagekörbchen „in Dunkelblau“ erstanden und das Internet nach einer Kunst-Materialkiste mit den Maximal-Maßen 36x21x16 Zentimeter durchforstet.

Mein Sohn besitzt ferner einen TÜV-geprüften Schulranzen mit ergonomischem Rückpolster und rotem Blinklicht, Turnschuhe mit Reflektoren, einen höhenverstellbaren und kippbaren Schreibtisch und einen Kinderdrehstuhl, der selbstredend ebenfalls besonders rückengerecht geformt ist. Vergangene Woche verbrachte ich zwei Tage damit, das gesamte Schulmaterial inklusive der 35 Bunt- und Bleistifte - wie auf der Materialliste vorgeschrieben - mit Namensaufklebern zu versehen. Das mit den Stiften ist kein Witz, wirklich nicht.

Wir sind also bestens vorbereitet. Eine glatte Eins würde uns die Materiallisten-Überprüfungsbehörde ausstellen, so es diese denn gäbe. Dass mein Sohn schulreif ist,  haben uns übrigens auch die Herrschaften bei der schulärztlichen Untersuchung bestätigt, vor der ich etliche Nächte schlecht geschlafen hatte. Zum Glück völlig grundlos: Mein Sohn kann ausreichend sehen, hören (zumindest, was die organischen Voraussetzungen dafür betrifft; am Willen dazu arbeiten wir täglich), vorwärts und rückwärts hüpfen und große rote Dreiecke von kleinen grünen Quadraten unterscheiden. Es ist uns attestiert, dass er eine Bildergeschichte in flüssigem Deutsch erzählen und bis zehn zählen kann. Der obligatorische Schul-Beobachtungstag, bei dem die künftigen Erstklässler einen Vormittag lang schon einmal probehalber die Schulbank drücken, ergab zudem, dass mein Kind einen Stift halten und schneiden kann und seinem Sitznachbarn nicht gleich den Ranzen auf den Kopf haut, wenn die beiden unterschiedlicher Meinung sind. Einer erfolgreichen Schulkarriere steht also zunächst einmal nichts im Wege.

„Mama, wann werde ich eingeschult?“ Das hat mich mein Sohn in den vergangenen Wochen fast jeden Abend beim Zubettgehen gefragt. Heute, mein Schatz, heute ist es so weit. Für dich und für tausende weitere Jungen und Mädchen in ganz Hessen. Euch allen, ihr lieben Schulanfänger, und natürlich auch dir, mein großes Kind, wünsche ich einen wundervollen ersten Schultag, die nettesten Klassenkameraden überhaupt, tolle Lehrerinnen und Lehrer und vor allem, dass euch eure unbändige Neugier und die Begeisterung am Forschen und Entdecken in der gesamten Schulzeit, ach was: ein Leben lang erhalten bleibt. Einen schönen Schulstart!
 
 
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