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Blog einer dreifachen Mutter: Familienpackung

Von Mittags wird unsere Küche zum Krisengebiet. Und schmeckt’s mal allen Kindern, gibt es immer noch einen, der nörgelt…
Mittags halb eins in Deutschland. Zeit für ein kleines Drama. „Das sind ja Paprikaaaaaa“, ruft meine Tochter entsetzt. „Ich will keine Pilze!“, fügt mein Sohn an. Gut. Keine Paprika, keine Pilze. Dann also Würstchengulasch mit ohne Gemüse. Wieder einmal. „Probiert wird von allem!“, nötige ich die beiden noch. Und ergebe mich dann. Und ärgere mich. „Für wen habe ich das jetzt alles gekocht?“, will ich den zwei Nörglern am liebsten entgegenschmettern. Das aus dem Familien-Kochbuch herausgesuchte Würstchengulasch und das Chili von gestern, die Gemüse-Vollkornnudeln von vergangener Woche, die Kürbis-Pizza vom Samstag, den Kräuterquark mit Pellkartoffeln von vorvergangener Woche. Der eine stört sich an den Vollkornnudeln, die andere mäkelt über den Kürbis – mittags wird unsere Küche zum Krisengebiet.

„Koch doch einfach, was den Kindern schmeckt“, bringt sich mein Mann in die Diskussion ein. Ach was. Dann gibt es also montags Bratwürstchen mit Buttergemüse, dienstags Fischstäbchen mit Buttergemüse und mittwochs Leberkäs mit Buttergemüse. Donnerstags speisen wir  Spaghetti, freitags Würstchen mit Pommes, am Samstag Knödel mit Soße (selbstredend ohne Fleisch und ohne Rotkraut), und am Sonntag, zur Feier des Tages, gönnen wir uns Schnitzel – mit Buttergemüse. Und das künftig 52 Wochen im Jahr. Würde bestimmt prima funktionieren, aber irgendwie gefällt meinem Mann dieser Vorschlag nicht. Er sagt fortan auch nichts mehr zu diesem Thema.  Also kämpfe ich weiter tapfer um jeden Bissen Paprika, preise die Vorzüge von Vollkornnudeln an und verkaufe Würstchengulasch als „Räuberessen“.

Als die beiden Großen noch ganztags im Kindergarten waren und dort auch speisten, war die Welt noch in Ordnung. „Wie isst sie denn mittags so?“, fragte ich beim ersten Kita-Gespräch für meine Tochter ganz vorsichtig und mit Schweißperlen auf der Stirn ihre Erzieherin. „Hervorragend, gar kein Problem“, antwortete diese strahlend. Ich war mir sicher: Die gute Frau verwechselt meine Tochter da gerade mit einem anderen Kind. „Ja, aber, wenn es Salat gibt oder Paprika…“, hakte ich zaghaft nach. „Das isst sie eigentlich alles, war noch nie ein Thema.“ Aha. Gleiches bekam ich übrigens über meinen Sohn zu hören: „Der nimmt sich eigentlich immer ein zweites Mal raus.“ Soso. Ein zweites Mal also. Als ich die zwei kleinen Räuber auf ihren regen Appetit im Kindergarten ansprach und fragte, was dort denn anders sei als Zuhause, antworteten sie rundheraus: „Unsere Köchin da kocht besser als Du.“ Ich bemühte mich um einen neutralen Gesichtsausdruck und erwiderte bloß: „Ist das so, ja?“

Ich gebe es ja zu: Ich bin keine Küchen-Göttin. Gerne habe ich noch nie gekocht, und es wird vermutlich auch nie eine meiner Leidenschaften. Aber hey: Zum Würstchengulasch braucht es ja wohl keinen Michelin-Stern! Da könnten sie sich ja mal ein bisschen am Riemen reißen, die kleinen Meckerer! Ich verzichte ja schon freiwillig und seit langer Zeit auf mein Lieblingsessen, Knödel mit Dill-Soße. „Da ist ja Gras in der Soße!“, rief mein Sohn entsetzt aus, als ich meiner Familie das Mahl zum ersten und letzten Mal kredenzte.

Für diejenigen unter Ihnen, die jetzt anführen, dass meine Kinder maßlos verwöhnte Gören sind und es auf der Welt Menschen gibt, die für ein warmes Mittagessen ihre Seele verkaufen würden: Sie haben völlig recht. Eine Mahlzeit bloß aus Geschmacksgründen zu verweigern – das ist der reinste Luxus, und zwar keiner, auf den wir stolz sein sollten. Ich habe es natürlich probiert, den Zweien zu erklären, dass in anderen Ländern Kinder Hunger leiden müssen und Essen etwas Wertvolles ist, für das wir immer dankbar sein sollten. Sie haben es vermutlich verstanden. Aber: Paprika, Pilze und Vollkornnudeln verschmähen sie trotzdem.

Allein der Jüngste, der erst vor kurzem vom Brei zur Familien-Mahlzeit wechselte, mampft begeistert alles, was man ihm füttert. Okay, die Zucchini hat er tatsächlich wieder ausgespuckt, aber das restliche Gemüse verzehrt er mit strahlendem Blick.
Damit Sie jetzt nicht denken, bei uns Zuhause herrscht permanenter Küchen-Streit: Es gibt tatsächlich das ein oder andere Essen, von dem sowohl meine Kinder als auch ich nicht genug kriegen können. Meine Kartoffelsuppe zum Beispiel. Mit Schinkenwürfeln, Schnittlauch und Käse. Ein Gedicht. Wir löffeln sie tellerweise, zu Mittag und noch mal am Abend. Geht aber leider nur unter der Woche, wenn mein Mann arbeitet. „Das ist ja Kartoffelsuppeeeee!“, ruft er sonst entsetzt aus.
 
 
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