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Familienpackung

Von Oft, lang und laut: So feierten wir früher Partys. Dann kamen die Kinder – und wieder wurde alles ganz anders…
„Wann wart Ihr eigentlich zuletzt auf einer Party?“, fragt Tina, unsere Pekip-Leiterin, eines schönen Nachmittags in die Runde. Betretenes Schweigen in de Krabbelgruppe. Dann Sabine: „Vor zwei Wochen!“ Neidische Blicke. „Na ja, okay, es war eine Tupper-Party.“ Ach sooooo. Erleichterung macht sich in unserer Kaffee trinkenden Runde breit. Unerträglich wäre er gewesen, der Gedanke, dass es einer anders gehen sollte als dem Rest. Partys? Die haben wir alle gefeiert, oft und gern und lang und laut. In einem anderen Leben war das. Als wir noch keine Kinder hatten.
 
Nach der Geburt unseres ersten Sohnes glaubten mein Mann und ich noch, es wird einfach alles so weitergehen wie bislang. Eine Party mit Baby? Kein Problem. Babys schlafen doch sowieso noch überall und zu jeder Zeit. Sagten alle. Stimmte auch - zumindest teilweise. Unser kleiner Sohn schlief überall tief und fest. So lange nur Mama oder Papa daneben saßen oder lagen und ihm das kleine Händchen hielten. Also verbrachten mein Mann und ich die erste Party mit Kind abwechselnd im Schlafzimmer des Gastgebers und harrten neben dem eigens mitgebrachten Reisebett aus, bis der kleine Mann endlich in Tiefschlaf gefallen war. Danach blieben uns noch etwa 45 Minuten „Party“, bis wir selbst vor Müdigkeit die Augen nicht mehr offen halten konnten. Das war etwa um elf Uhr abends. 
 
Und während der Rest unserer zu diesem Zeitpunkt noch komplett kinderlosen Freunde so richtig in Stimmung kam, verfrachteten wir unser Kind vom Bettchen in den Maxi Cosi, packten unser gesamtes Baby-Equipment wieder ein und traten die Heimreise an. Natürlich wurde der Kleine Zuhause beim Versuch, ihn aus dem Maxi Cosi in sein Bettchen zu verfrachten, wach und blieb es erst einmal auch, vom ersten Schlaf erfrischt und bestens gelaunt. Zumindest eins war in punkto Feiern noch genau so wie vor unserem Kind: Wir waren am nächsten Morgen völlig gerädert.
 
Inzwischen haben nahezu alle unsere Freunde selbst Kinder. Eines oder mehrere, kleine und größere Partys feiern wir immer noch. Aber mit denen aus früheren Zeiten haben sie meistens nicht viel gemein. Wie die meisten unserer Freunde haben auch wir irgendwann die Entscheidung getroffen, unser Geburtstage und Grillpartys so auszurichten, dass jeder seine Kinder mitbringen kann. Elf Uhr abends ist jetzt nicht mehr der Zeitpunkt, wo die Fete langsam in Gang kommt, sondern die Zeit, wo wir mit dem Aufräumen beginnen, nachdem die Letzen ihre müden Kinder eingepackt und Ade gesagt haben.
 
Dafür geht’s früher los: Um 18 Uhr waren bei unserer jüngsten Sommerparty alle Bänke besetzt. 25 Erwachsene genossen den lauen Sommerabend, 20 Kinder tobten durch den Garten, spielten Fangen, Fußball und Um-die-Wette-Schaukeln und vertilgten Berge von Bratwürstchen. Mittendrin unsere eigenen, glückseligen Sprösslinge. Es gab Limonade für alle, Eis, Leuchte-Armbänder und bei Anbruch der Dunkelheit ein Lagerfeuer mit Gitarrenmusik. Und weil alle Kleinen so emsig miteinander spielten, hatten wir Großen tatsächlich die Gelegenheit, uns zu unterhalten. Es war perfekt.
 
Wie bei fast allem haben wir auch, was das Feiern betrifft, gemerkt, dass mit Kindern nichts mehr so ist wie früher. Zumindest nicht für uns. Aber was soll ich sagen? Es gibt Schlimmeres, als an August-Abenden mit Freunden auf der Hollywood-Schaukel zu sitzen und mit einem Glas Limo in der Hand zu beobachten, wie unser Sohn gerade beim Fußballspielen gewinnt.
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