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Familienpackung

Von Ich würde für mehr Eltern-Schlaf kämpfen und gegen Schule um 8 Uhr – wenn ich nicht so müde wäre.
Der Winterurlaub ist an allem schuld. Eine Woche in den Bergen, die Großen mit dem Papa tagsüber auf der Piste, der Kleine, vermutlich wegen der ungewohnten Höhenluft, mit einem gesteigerten Schlafbedürfnis ausgestattet. Drei Stunden Mittagsschlaf pro Tag. Mit mir. Der Himmel auf Erden. Ich hatte völlig vergessen, wie es sich anfühlt, ausgeschlafen zu sein. Man ist so - wach. Sieht so anders aus, eine gesunde Farbe im Gesicht und gar keine Augenringe. Wow.
 
Es gibt  beneidenswerte Menschen, denen sechs Stunden Schlaf pro Nacht völlig reichen, um frisch, ausgeschlafen und bestens gelaunt an ihr Tagwerk zu gehen. Und die dabei noch gut aussehen. Ich gehöre nicht dazu. Mein Wohlfühl-Pensum liegt bei zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Jeder Augenaufschlag vor acht Uhr morgens ist für mich eine Zumutung. Meine Kinder kommen da leider nicht nach mir. Um sechs Uhr morgens sind sie nicht mehr zu halten. Genug geschlafen, aufstehen! Ob sommers oder winters, wenn es um diese Zeit draußen noch stockdunkel ist. Aufstehen, frühstücken, spielen, Abenteuer erleben - die Zwerge sind nicht zu bremsen. Und ich kann meine Augen kaum offen halten. Besonders dann nicht, wenn die spärliche Nachtruhe noch unterbrochen wurde, weil ein Kind sich übergeben musste, Monster in seinem Zimmer gesehen hat oder von Ohrenschmerzen geplagt wurde.
 
Aber gut, ich will nicht ausschließlich jammern, der jahrelange Schlafentzug hat tatsächlich auch seine positiven Seiten: Ich bin mittlerweile trainiert. Ich kann immer und überall schlafen. Oder zumindest dösen. Zusammengerollt auf der Mini-Couch im Kinderzimmer, während die drei Frühaufsteher Eisenbahn bauen und mich mit Bauklötzen bewerfen. Nachmittags auf dem Wohnzimmer-Teppich, während die muntere Runde eine Lego-Stadt kreiert. Mitten in der Nacht auf dem Parkett neben dem Kinderbett, beim Händchenhalten mit der Alptraum-geplagten Tochter.
 
Matratzen, Decken und Kopfkissen werden völlig überschätzt. Ich brauche zum Ausruhen keine Dunkelheit, keine Stille, kein Bett. Ich vermag problemlos bei einer Folge Löwenzahn oder Yakari in einen meditativen Zustand zu verfallen, eine Art Power Nap, der mich über den Rest des Tages bringt. Und liege ich wirklich mal in meinem Bett, reichen mir 30 Zentimeter Bewegungsfreiheit völlig aus. Ach was, 20 tun’s auch. Der kleine Arm, der mir von rechts ins Gesicht schlägt, oder das Kinder-Bein, das sich links über meines legt, stören mich nicht. Dreimal in der Nacht Schnuller suchen und Decke wieder hochziehen - Petitessen. Erledige ich sozusagen im Schlaf.
 
Es gab einmal eine Zeit, kurz und kostbar war sie, da erreichte die familiäre Aufwachzeit nahezu die magische 8-Uhr-Marke: Der Kleine schlief noch den gerechten und langen Schlaf eines Säuglings, die Großen waren offensichtlich von Kita und ihrem neuen Bruder hinreichend beansprucht und müde gespielt. Fast so schön wie Urlaub war das. Und, wie gesagt, auch genau so schnell wieder vorbei, denn: Der Große kam in die Schule. Seitdem ist wieder in aller Herrgottsfrühe Schluss mit Schlummern. Spätestens halb sieben muss ich raus. Die beiden Jüngeren haben sich dem neuen Rhythmus ihres Bruders natürlich angepasst und turnen um diese Zeit ebenfalls wach und abenteuerhungrig durch das Haus.
 
Schulbeginn um 8 Uhr morgens. Ehrlich: Ich weiß nicht, warum das sein muss. Im Dunkeln tapert mein Sohn zur Schule, um dann um kurz nach halb zwölf wieder vor der Tür zu stehen. 9 Uhr wäre doch auch völlig in Ordnung. Aber das ist vermutlich eine ganz andere und sehr lange Geschichte. Ich würde sie erzählen, und ich würde auch gerne eine Art Initiative für mehr Eltern-Schlaf starten. Wenn ich nur nicht immer so müde wäre.
 
 
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