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Dreifache Mutter: Familienpackung

Von Mein Jüngster kommt in die Krippe. Ich bin unfassbar aufgeregt. Ich weiß ja, was uns beiden bevorsteht...

Nächste Woche ist es soweit: Der große, große Tag steht bevor. Der Jüngste kommt in die Krippe. Mein Baby wird erwachsen, bald zieht es aus, oh mein Gott. Wir starten also gemeinsam die Eingewöhnung. Um ehrlich zu sein: Ich bin schon jetzt unfassbar aufgeregt, und das nicht ohne Grund.

„Ich hasse Eingewöhnungen“, sagte meine Freundin gerade neulich zu mir. Sie ist gerade dabei, ihren Zweitgeborenen davon zu überzeugen, dass der Kindergarten zumindest vormittags der beste Ort auf Erden für ihn ist. Es funktioniert - mäßig. „Er hat beschlossen, die Kita zu hassen“, schrieb sie mir vor zwei Tagen.

Ich weiß genau, wovon sie spricht. Mein Ältester fühlte sich damals in seinem Kindergarten pudelwohl. Für etwa zwei Wochen. Dann hatte er alle Spielzeuge einmal ausprobiert und den Spielplatz draußen erkundet. Und er begriff, dass es sich nicht bloß um einen netten Ausflug handelt, sondern diese bunten Räume künftig jeden Morgen die Seinen sein würden.

Fortan war es die Hölle. Für ihn, für mich, und mit Sicherheit auch für seine Erzieher, wenngleich diese immer freundlich lächelten, ihn liebevoll in Empfang nahmen und mir versicherten: „Das wird schon!“ Es wurde zunächst einmal nicht.

Der kleine Zwerg fuhr sein gesamtes Programm hoch, wenn ich ihn morgens in der Kita abgab: Er schrie, er tobte, er weinte aus vollem Herzen, er streckte seine kleinen Ärmchen nach mir aus, er rief laut: „Mamaaaa!“ Ich schaffte es irgendwie, die Fassung zu bewahren, die Tür mit einem aufmunternden Lächeln und Winken hinter mir zu schließen und mich in mein Auto zu retten.

Dort weinte ich dann selbst erst einmal und schalt mich eine grässliche, selbstsüchtige, herzlose Rabenmutter, die ihr Kind im Stich lässt. Mein Sohn war also nicht der Einzige, der während der Eingewöhnung kurzzeitig seinen Verstand und seine Vernunft abgab.

Wie lange diese Phase anhielt, kann ich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich waren es nicht mehr als zwei Wochen. Sie kamen mir wie Jahre vor. Ein Satz, den die Kita-Leiterin damals zu mir sagte, wurde für diese wilde Zeit zu meinem Mantra: „Wir machen uns eigentlich mehr Sorgen um die Kinder, die ohne eine Träne zu verdrücken, gleich hier bleiben. Dass Ihr Sohn einen Abschiedsschmerz empfindet, zeugt von einer festen, innigen Bindung, das ist doch super.“

Diesen Satz werde ich mir sicher auch jetzt wieder jeden Morgen in Erinnerung rufen. Innige Bindung, innige Bindung, innige Bindung. Alles super. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mein Jüngster ähnlich aufführt wie der Bruder, sein großes Vorbild, schätze ich auf 99,9 Prozent. Egal. Wird schon werden. Innige Bindung, innige Bindung, innige Bindung. Und wie sagte der Große neulich mit leicht melancholischem Gesichtsausdruck, als sein Blick auf das Foto mit den Kita-Freunden fiel: „Ach ja, das waren doch schöne Zeiten, damals, im Kindergarten.“
 


 

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