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Dreifache Mutter: Familienpackung

Von Der große Tag rückt näher! Ich brauche Ideen! Die Feier muss ein Erfolg werden! Ich plane einen Kindergeburtstag!

Der Countdown läuft. Ein paar Wochen noch, ich zähle die Tage rückwärts. Vergessen kann ich es auch gar nicht, denn meine Tochter fragt mindestens einmal pro Tag, und das schon seit Aschermittwoch: „Wann habe ich Geburtstag? Wieviel Tage noch?“

Viele Tage noch. Andererseits: Es wird langsam eng mit der Planung. Diejenigen unter Ihnen, die schon einmal einen Kindergeburtstag ausgerichtet haben, wissen vermutlich genau, was ich meine: Die Zeiten, in denen sich die wilde Meute mit schnödem Topfschlagen, einfachem Blinde-Kuh-Spiel und Unmengen an Kuchen und Kakao beschäftigen und besänftigen ließ, sind leider vorbei.

Diese Erkenntnis dämmerte mir mit Schrecken, nachdem meine Kinder die ersten Geburtstagsfeiern ihrer Freunde freudig, aufgedreht und mit hochrotem Kopf hinter sich gebracht hatten. Bilderrahmen bemalen, Teller bepinseln, auf Schatzsuche durch den halben Ort jagen und aufwändige Schneekugeln basteln, das war noch die Light Variante der Feten.

Beim Großen fahren sie mittlerweile zum Indoor-Spielplatz nach Frankfurt, futtern im Kino Popcorn oder werden zum „Survival Training“ in den Taunus gekarrt, wo sie zum krönenden Abschluss mit dem selbst geschnitzten Besteck am Lagerfeuer Würstchen verputzen. Leute, ehrlich, da kann ich doch nicht mit einer Plastikschüssel, ein paar Bonbons und einem Holzkochlöffel kommen. Ich sehe zwar nicht ein, einem „Survival Trainer“ mutmaßliche hunderte von Euro dafür zu spendieren, dass er meinem Buben und seinen Kumpels beibringt, wie man mit einem Taschenmesser umgeht. Aber so ganz ohne „Event“ scheint es heutzutage auch nicht mehr zu funktionieren.

Die Wünsche der Kleinen bewegen sich, was ihren großen Tag angeht, im rosapinken Katzen-Bereich. Das schreckliche kleine Vieh mit der Schleife am Ohr (die Experten unter Ihnen: Ja genau, „Hello Kitty“ ist es) strahlt uns von Einladungskarten, Tellern, Bechern und Servietten an. Meinetwegen. Es wird der Tag kommen, an dem die rosa Phase vorbei ist, ertragen wir es also tapfer und mit Nachsicht.

Eine Schatzsuche Richtung Spielplatz werden wir wohl auch auf die Beine stellen, das hat schon beim Großen hervorragend funktioniert und die Partygäste für eineinhalb Stunden bestens unterhalten. Nur werden wir die goldene Kiste mit den Süßigkeiten diesmal richtig voll machen; es ist erstaunlich, was Kindergartenkinder vertilgen können, nachdem sie bereits Muffins und Apfelschorle in rauen Mengen genossen haben. Ich hoffe einfach mal, dass keinem der kleinen Partygäste übel wird, sich zudem alle vertragen und bitte, bitte, bitte keiner anfängt zu heulen.

Tränen bei der Geburtstagsfeier – das wäre der Gau schlechthin. Ich weiß noch heute, wie bei einer meiner Topfschlagen-Blinde-Kuh-Partys bei Jasmin die Tränen kullerten. Es wird mein achter oder neunter Geburtstag gewesen sein. Die Feier war in vollem Gange, und im Eifer des Gefechts platzte ein Luftballon. Anlass genug für Jasmin, in nicht enden wollendes Geplärre auszubrechen: „Ich will nach Haaaaause!“

Ich habe Jasmin nie wieder eingeladen und bin ihr bis heute gram. Problem-Gast. Dummes Weib. So etwas soll meiner Tochter natürlich nicht passieren. Ich hoffe, sie beweist bei der Auswahl ihrer Partygäste mehr Menschenkenntnis als seinerzeit ihre Mutter.

Den krönenden Abschluss ihres Feten-Nachmittags wird natürlich, wie wohl in 99,9 Prozent der bundesdeutschen Kindergeburtstags-Haushalte, ein Schlemmeressen mit kiloweise Pommes frites und Würstchen samt Ketchup in Massen bilden. Ja, auch das geht nach dem Genuss von Kuchen und Schatztruhen-Süßigkeiten noch in Kindermägen rein, deren Besitzer sonst nach dem Genuss von zweineinhalb Brokkoli-Röschen „sooooo satt“ sind. Sei’s drum. Geburtstag ist nur einmal im Jahr. Schleifchen-Katzen, Gummibärchen, Pommes – alles geduldet. Lassen wir’s krachen!

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