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Dreifache Mutter: Familienpackung

Von Es ist jedes Mal ein Kampf: Der Große mault, die Kleine jubiliert. Dabei geht es nur um Schuhe.

So viel vorneweg: Wir haben es erfolgreich hinter uns gebracht. Zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Mit mehr oder weniger viel Nervenverlust und reichlich Kompromissbereitschaft. Wir haben es geschafft, und wir sind alle froh darüber.

Der Schuhkauf für das Frühjahr ist abgeschlossen. Der Wechsel von warmen Winterstiefeln zu wahlweise blinkenden, glitzernden oder einfach nur praktischen Halbschuhen ist vollzogen, alle drei Kinder gehen in der Jahreszeit angepassten Schuhen ihrer wilden Wege.

Ich weiß nicht, wie das Erstehen geeigneten Schuhwerks für den Nachwuchs bei Ihnen vonstatten geht; bei uns ist es jedes Mal ein Kampf. Es beginnt mit dem Großen. Um es diplomatisch zu formulieren: Einkaufen ist nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung. Um die Wahrheit zu sagen: Er hasst es. „Nicht schon wieder Schuhekaufen!“, beschwert er sich, kaum habe ich ihm unser Vorhaben angekündigt. Doch, muss sein. Es sind bald 20 Grad, da kannst du nicht mehr in Stiefeln herumlaufen.

Er ist mittlerweile alt genug, um dieses Argument einzusehen und fügt sich in sein Schicksal. Wir überstehen es gemeinsam: Schuhe ausziehen, Füße messen, Schuhe anprobieren, Probe laufen. „Es macht ihm wohl keinen so großen Spaß“, kommentierte die Dame im Laden beim jüngsten Schuhkauf. Nein, es macht ihm keinen Spaß, und mir auch nicht. Deshalb verweilen wir auch nicht eine Sekunde länger als nötig zwischen Schuhkartons, bunten Sitzsäcken und Kinderfernsehen. Abmarsch nach Hause. Wir haben ein neues Paar Turnschuhe erstanden, das der Große sich dann auch kommentar- und leidenschaftslos jeden Morgen an die Füße klettet.

Ganz anders die Kleine. Der Schuhkauf – ein Event. „Jaaaa, neue Schuhe!“, freut sie sich schon bei der Ankündigung der bevorstehenden Shopping-Tour. Sie schlendert mit mir durch die Gänge voll rosa-pink-glitzernder Schuhmode. „Die da sind toll!“ „Schau mal, die mag ich probieren!“ „Oh, sind die schön!“ Wir schwelgen einen Moment lang in Mutter-Tochter-Harmonie, begucken uns Laufwerk in allen Farben des Regenbogens und überlegen gemeinsam, welche Hose und welches Kleid wohl am besten zu diesem oder jenem Paar passen.

Das geht so lange gut, bis ich einen Blick auf das Preisschild des Favoriten-Modells werfe. Autsch. Meine Tochter hat sich, weibliche Gene müssen das sein, mit zielsicherem Blick das teuerste Paar von allen rausgesucht.

Und diejenigen von Ihnen, die selbst Kinder haben, wissen, dass teuer in diesem Fall nicht 40 Euro bedeutet und auch nicht 50. Wir bewegen uns in Preisklassen jenseits der 60 Euro, und das nicht etwa für ein Paar handgeschneiderte Designer-Schuhe aus edelstem Leder. Nein, ganz gewöhnliche Mädchen-Ballerinas einer Mittelklasse-Marke, die nach einer Saison ihren Dienst getan haben, sind nach Ansicht der Schuhindustrie derartige Beträge wert. Ich finde das völlig übertrieben, utopisch, halsabschneiderisch, jenseits jeglicher rechtschaffener Kalkulation – und kaufe das Paar natürlich trotzdem.

In solchen Momenten erinnere ich mich an einen Vorfall, der sich vor einigen Jahren in einem Schuhladen zutrug: Eine Mutter mit drei Kindern stand vor mir an der Kasse. Für jedes Kind und für sie selbst ein paar Schuhe, der ältesten Tochter noch Pumps für den bevorstehenden Abschlussball hinzu – zack, knappe 400 Euro weg. „Oh Gott, die Arme!“, dachte ich mir damals noch. Was soll ich sagen, heute bin ich selbst diese Frau.

Gut, das Paar Pumps können wir uns noch ein paar Jahre sparen. Aber sonst sind wir vermutlich schon bald ganz nah dran an derartigen Summen. Und wissen Sie, was das Schlimmste daran ist? Es hört nie auf, nicht mal ein Jahr lang haben wir Ruhe. Schon in wenigen Wochen sind Sandalen fällig. „Neeeeein!“, höre ich den Großen rufen. „Oh ja!“, jubiliert die Kleine. Ich weiß nicht, über welchen Ausruf ich mich mehr erschrecken soll.

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