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Dreifache Mutter: Familienpackung

Von Wir haben heimliche und heimtückische Mitbewohner. Anders ist nicht zu erklären, was sich bei uns abspielt...

Ich lobe mich nicht gerne selbst. Aber eines kann ich von mir behaupten: Ich bin grundsätzlich ein sehr ordentlicher und strukturierter Mensch. Ehrlich. All jene, die schon einmal bei uns zu Hause waren, werden jetzt, je nach Charakter, milde lächeln oder laut loslachen.

Sie werden an den Lego-Stein denken, der beim letzten Besuch unter dem Couch-Tisch lag, das Bobbycar, das im Flur parkte, die rosa Turnschläppchen, die sich auf den Treppenstufen verteilten, den Schnuller neben der Lautsprecherbox, die Filzstift-Spuren auf dem Esszimmertisch – ich könnte diese Liste schier endlos fortführen.

Meine Idealvorstellung eines gemütlichen Zuhauses kommt den Kissen- und Kerzen-Paradiesen, die Tine Wittler wöchentlich im TV erschafft, ziemlich nahe. Meine Realität entspricht eher der Villa Kunterbunt, in der Pippi Langstrumpf mit ihren tierischen Kumpanen haust.

Ich habe mal auf Facebook den schönen Satz gelesen: Aufräumen mit Kindern ist wie Zähneputzen und dabei Nutella essen. Damit ist zu diesem Thema eigentlich alles gesagt. Ich will es trotzdem noch mal ein wenig ausführen: Kennen Sie Sisyphus, diese tragische Gestalt aus der griechischen Mythologie? Er ist dazu verdammt, auf ewig einen Felsbrocken den Berg hochzuwälzen, und dieser rollt jedesmal kurz vor dem Gipfel wieder herunter. Wikipedia erklärt die sprichwörtliche Sisyphus-Arbeit als „sinnlose und dabei schwere Tätigkeit ohne absehbares Ende“.

Was soll ich sagen? Sisyphus, ich bin Deine Schwester! Zumindest, was das Verrichten sinnloser Tätigkeiten ohne Ende, sprich: das Putzen und Aufräumen in einem Haushalt mit drei Kindern, betrifft.

Ein Beispiel: Staubsaugen. Auch wenn es mir erneut jene, die unser Haus kennen, nicht glauben werden: Ich sauge die Krümel, den Staub, den Sand, die Steinchen morgens weg und mittags und abends. Und, an besonders besuchsreichen Tagen oder solchen mit mehrfachem Sandkasten-Aufenthalt, auch zwischendurch am Nachmittag. Bringt natürlich rein gar nichts. Spätestens fünf Minuten später liegen erneut Brezelreste, Kuchenkrümel und Erdhäufchen auf dem Küchenboden, in der Diele, einfach überall. Egal, Sisyphus muss auch immer wieder ran.

Mir ist auch schon der Gedanke gekommen, dass wir gar nicht die einzigen sind, die unser Haus bewohnen. Vielleicht gibt es eine zweite, ebenfalls kinderreiche Familie, die sich klammheimlich hier eingenistet hat und immer dann aus ihrem Versteck kriecht, wenn wir gerade schlafen oder unterwegs sind oder ich mich derart in das Staubsaugen vertieft habe, dass ich nichts sehe oder höre.

Diese unbekannten Untermieter vertilgen dann Berge von krümelndem Essen, tanzen mit sandbesetzen und matschverschmierten Sohlen durch unser Haus, patschen mit ihren Marmeladenfingern auf den Küchentisch und verteilen Spielzeug und Socken in allen Räumen. Anders ist dieser Wahnsinn doch nicht zu erklären. Es können nicht bloß drei Kinder sein, die dieses Chaos verursachen.

Die heimlichen Mitbewohner sind es selbstverständlich auch, die bergeweise Socken, Unterwäsche, Hosen, Pullis, Kleider, Bodies und Schlafanzüge aus den Schränken ziehen, diese dann bekleckern und in den Wäschekorb legen. Ja, das muss es sein: Ich wasche in Wirklichkeit für zwei Familien. Kommt in etwa hin, was die Menge der zu säubernden Kleidungsstücke betrifft. Falls ein Mitglied der Untermieter-Familie diese Zeilen liest, möchte ich ihm oder ihr Folgendes mitteilen: „Trollt Euch, allesamt! Und zwar sofort!“

Falls es doch keine stillen Mit-Verschmutzer gibt, sollten mich vielleicht die Verse Reinhard Meys trösten und aufmuntern. „Keine ruhige Minute“ heißt eines jener Lieder, das er über sein Familienleben geschrieben hat, und auch sein Thema ist das alltägliche Chaos: „Das Haus fing doch erst an zu leben, seit dein Krakeelen es durchdringt, seit Türen knallen und Flure beben und jemand drin Laterne singt. Früher hab ich alter Banause Möbel verrückt, verstellt, gedreht. Ein Haus wird doch erst zum Zuhause, wenn eine Wiege darin steht!“

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