Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Dreifache Mutter: Familienpackung

Von Kindheit ist doch was Schönes: Ein Urzeitkrebs hat mein Herz erobert, und mein Mann tauscht im Kindergarten Sammelbilder.

Ich habe eigentlich gar keine Zeit, diesen Blog zu schreiben. Ich muss mich um Fred kümmern. Fred braucht Futter, Fred braucht frisches Wasser, Fred braucht Aufmerksamkeit. Fred ist unser neues Haustier. Ein so genannter Urzeitkrebs. Gezüchtet in einem Mini-Aquarium, seit drei Wochen mittlerweile, und ich muss sagen: Er hat eine stattliche Größe von drei Zentimetern erreicht.

Mein Großer entdeckte unseren Fred im Regal eins Spielzeugmarktes; er schlummerte als Krebs-Ei im Experimentierkasten „Das fantastische Urzeitkrebs-Starterset“. Einen beträchtlichen Anteil seines Taschengeldes setze der Große ein, um Fred zu erwerben – und nach erfolgreicher Aussaat und Schlüpfung alsbald sein Interesse an dem Mini-Schwimmer zu verlieren.

Aber was soll ich sagen? Mein Herz hat Fred erobert. Ich weiß noch gut, wie ich vor einem Vierteljahrhundert begeistert und aufgeregt ein Yps-Heft am Kiosk kaufte (Yps-Hefte gibt es, habe ich zu meiner Freude festgestellt, heute noch!!!), dem als Extra ein Beutelchen Urzeitkrebs-Eier beigegeben waren.

Auch mein Mann erinnert sich an diese guten, alten Zeiten. Und so stehen wir beide oft abends mit großen Augen an Freds Aquarium und sagen ihm Hallo. Wir bestaunen sein Wachstum, freuen uns über seine neusten Schwimm-Kapriolen, füttern ihn mit Liebe und seltsam riechenden Körnchen. Unsere Kinder schauen uns ein wenig seltsam an – aber sie lassen uns den Spaß.

Ich geb’s gern zu: Es gibt das ein oder andere Hobby unseres Nachwuchses, an dem auch wir Erwachsenen unsere helle Freude haben. Das ist einer der Vorteile, wenn man Kinder hat - man darf selbst noch einmal Kind sein. Ein guter Freund postete neulich auf Facebook das Foto eines liebevoll aufgebauten Playmobil-Bauernhofes. Die Kühe in Reih und Glied im Stall aufgereiht, der Bauer und die Bäuerin ordentlich davor drapiert, das Ganze mit Hingabe umstellt von Traktor, Weidezaun und Bäumen. Ich ahne, wie viel Anteil sein vierjähriger Sohn an diesem Werbeprospekt-gleichen Werk hatte. Dem Papa hat’s aber bestimmt viel Spaß gemacht.

Apropos Spaß: Sie kennen doch bestimmt diese Sticker-Alben, die diverse Supermärkte und Discounter in regelmäßigen Abständen zum Kauf bieten, damit Eltern, Großeltern und sämtliche Anverwandte und Freunde für das nächste Vierteljahr mit Nachdruck und Bitten und Betteln in besagten Markt getrieben werden, um Aufkleber-Päckchen für Sohn oder Tochter mit nach Hause zu bringen. Auch dieses Hobby haben mein Mann und ich, da will ich ganz offen sein, mittlerweile an uns gerissen. Wir sammeln, wir kleben, wir tauschen, wir betteln an der Supermarkt-Kasse um noch ein Päckchen. „Für die Kinder!“

Der Höhepunkt war vor etwa einem Jahr erreicht, als meine bessere Hälfte gut eine Stunde brauchte, um die beiden Großen vom Kindergarten abzuholen: Er hatte unsere doppelten Sticker mit in die Kita genommen und sich rege am dortigen Tauschhandel beteiligt. Ich will gar nicht wissen, wieviel Dreijährige er mit seinen 2:1-Forderungen schamlos über den Tisch gezogen hat. Aber: Wir hatten das Album danach voll. Unsere Kinder spielten brav mit und klebten die Bildchen uns zuliebe fein säuberlich ein. Wenn sie nicht gerade der Papa dabei störte: „Etwas gerader bitte!“

Das derzeit aktuelle Stickerheft einer großen deutschen Supermarktkette ist vor allem mein Projekt. Und offenkundig auch das anderer Mütter. Mir jedenfalls ist es dank Facebook und der WhatsApp-Gruppe der Schulklasse meines Sohnes gelungen, fast alle fehlenden Aufkleber zu erhaschen. Yes! Zwei allerdings fehlen mir trotz gründlicher Recherche noch. Falls Sie also die 7 und 38 besitzen, schreiben Sie mir eine kurze Mail. Und jetzt muss ich weitermachen: Fred braucht Futter!
 

Zur Startseite Mehr aus Marina Schwabe - Familienpackung

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse