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Familienpackung

Von Ich werde ständig bestaunt und bedauert. Ich habe drei Kinder! Und viel zu erzählen…
Ich bin neuerdings eine Respektsperson. Jemand, dem man seine Achtung erweist. Ich brauche nur in den Supermarkt zu gehen, zwei Kinder und ein Baby im Schlepptau, und ich garantiere Ihnen, es spricht mich mindestens ein mir bis dato völlig unbekannter Mensch an: „Respekt!“ Oder: „Alle Achtung!“ Viele befreundete Mütter rufen auch aus: „Ich könnte das nie und nimmer!“ Mit „das“ meinen sie meine drei Kinder.

Wow, was bin ich für ein Held. Ich komme mir angesichts solcher Kommentare manchmal vor, als wagte ich mich ohne Netz und doppelten Boden auf ein Hochseil, experimentierte ohne Schutzanzug mit einem neuen gefährlichen Killer-Virus oder machte mich auf den Weg, die Welt zu retten.

Drei Kinder – was andernorts mindestens ein guter Durchschnitt, wenn nicht gar das Minimum an Familiengröße bedeutet, ist hierzulande so etwas wie die Grenze des Normalen und des Zumutbaren. „Wir sind jetzt eine Großfamilie!“, sagte mein Mann stolz, als unser drittes Kind im vergangenen Jahr geboren wurde. Nein, das sind wir nicht. Wir sind eine „Mehrkindfamilie“, sagt Wikipedia. Und zudem eine Minderheit: In nur knapp drei Prozent der Haushalte in der Bundesrepublik leben drei Kinder. Vier oder mehr Kinder erlauben sich jeweils unter ein Prozent der deutschen Haushalte.

Wird schon seinen Grund haben, denken Sie jetzt wahrscheinlich. Und Sie haben völlig recht: Das Leben mit drei kleinen Kindern ist manchmal ein Chaos. Nein: Eigentlich immer. Es ist unberechenbar, anstrengend, Schlaf raubend, unkalkulierbar und teuer. Unser Haus ist ein einziges Spielzeuglager, unser Garten sieht aus wie Fantasialand, die Waschmaschine läuft fast ohne Unterbrechung, ich sauge mitunter dreimal täglich Krümel, schlichte mindestens einmal pro Stunde Streit, kann nicht mehr in Ruhe telefonieren und weiß manchmal selbst nicht mehr, wie ich heiße.

Haben die sich das wirklich gut überlegt mit den drei Kindern, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Nein, wir haben es uns vorher nicht gut überlegt. Wir haben uns stattdessen überlegt, es uns nicht zu gut und zu lange zu überlegen, ob und wie wir es mit dreimal Nachwuchs schaffen. Was es uns kostet, wie wir die Betreuung regeln, ob wir unser Haus umbauen, wie und wohin und ob wir künftig in Urlaub fahren, wann wir ein neues Auto brauchen, wie wir allen Dreien Klassenfahrten und womöglich das Studium finanzieren. Denn dann hätten wir vermutlich Angst vor unserer eigenen Courage bekommen und einen Rückzieher gemacht. Haben wir aber nicht. Und es war genau richtig so. Für nichts in der Welt würde ich mein Leben eintauschen. Für nichts.

Diejenigen unter Ihnen, die keine oder noch keine Kinder haben, werden jetzt verständnislos den Kopf schütteln. Die Eltern unter Ihnen werden schmunzeln und nicken. Mein Blog über das Abenteuer Familie, über mein Abenteuer Familie, ist trotzdem für Sie alle gedacht. Für die ausgeschlafenen Menschen und für die, die Kinder haben. Vielleicht werden Sie beim Lesen manchmal mitfühlend oder erleichtert denken: „Oh man, das kenn’ ich.“ Vielleicht auch empört die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ausrufen: „Was machen die denn da?!“ Ist beides gut, so lange Sie sich unterhalten oder angeregt fühlen. Und vielleicht hin und wieder einen Kommentar dazu hinterlassen.
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