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Familienpackung

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Früher war alles anders. Ich erinnere mich noch gut an unseren Urlaub vor acht Jahren.Ein Wellness-Hotel im Süden, direkt am Meer, alles inklusive, mein Mann und ich. Wir schliefen so lange, dass wir es gerade so zum Spätaufsteher-Frühstück schafften. Wir lagen stundenlang dösend und lesend am Pool und am Meer. Wir spielten Backgammon, tranken abends Cocktails, tanzten bis weit nach Mitternacht in der Open-Air-Disco. Als wir nach zwei Wochen wieder in Frankfurt landeten, waren wir braun gebrannt, ausgeruht, gut gelaunt und bereit für den Alltag.

Vor einigen Jahren waren wir wieder dort, im selben Hotel, aber in erweiterter Besetzung: mein Mann, ich, unsere eineinhalbjährige Tochter und ihr „großer“ dreijähriger Bruder. Wir hätten es besser wissen können. Es fing schon mit dem Flug an: Von vier Stunden in der Luft schrie die Kleine dreieinhalb. Am fünften Urlaubstag unternahm der Große auf eigene Faust einen Ausflug durch die Hotelanlage. Es dauerte eine halbe Stunde, bis wir ihn wieder fanden. Und den Rest des Tages, bis ich mich einigermaßen beruhigt hatte. Den Kellnern sämtlicher Restaurants waren wir bestens bekannt: Wir waren diejenigen, die morgens um kurz vor sieben mit zwei putzmunteren, hungrigen Kindern vor dem Frühstücks-Restaurant standen, noch vor dessen Öffnung. Und die, die beim Abendessen früher gingen, weil die müde Tochter das gesamte Restaurant zusammenbrüllte.
Die Bar oder die Disco habe ich kein einziges Mal gesehen. Dafür aber jeden Tag für mindestens zwei Stunden das Kinderland. Am Pool lief ich ununterbrochen den Kindern hinterher, aus Angst, sie könnten ausrutschen und ertrinken. Unser Plan, die beiden wenigstens vormittags ein paar Stunden in der Kinderbetreuung abzugeben, scheiterte: Die Kleine weinte, sobald sie die bunten Fahnen des Mini-Clubs am Horizont erblickte. Nach zwei Wochen waren unsere Kinder braun gebrannt, ausgeruht, gut gelaunt und bereit für neue Missetaten. Wir waren es nicht.

Urlaub mit kleinen Kindern. Das ist, als würde man ein neues Universum erforschen. Nichts ist mehr, wie es in kinderlosen Zeiten war. Ausschlafen, Bücher lesen, stundenlang in historischen Ruinen verbringen, fein dinieren – aus und vorbei. Wieder einmal standen und stehen wir vor der Herausforderung, etwas Gewohntes völlig neu denken zu müssen. Und es geht nicht immer gut. Als wir unsere erste Reise mit Baby unternahmen, nach Rügen war das, da waren wir nach rund 800 Kilometern Fahrt und gefühlten 800 Stunden Packerei dermaßen geschafft, dass wir die nächsten vier Tage mit einer Magen-Darm-Grippe im Bett lagen. Der Kleine war natürlich putzmunter, wir dafür am Ende.

In diesem Jahr, mittlerweile zu fünft, haben wir unseren Sommerurlaub an der Nordsee verbracht. In einem Ferienhaus mit Garten. Die 550 Kilometer Autofahrt dorthin verliefen dank Bibi Blocksberg und Rolf Zuckowski in friedlicher Atmosphäre. Den Spielplatz gleich neben unserem Haus, in Hör- und Sichtweite, durften die Kinder gerne auf eigene Faust erkunden. Wir haben selbst gekocht und manchmal abends mit den Kindern eine kleine „Party“ mit Chips und Fernsehen gefeiert. Wir haben Sandburgen gebaut, Seehunde beobachtet, bergeweise Pfannkuchen gegessen und eine Bootstour ins Watt unternommen. Es war nicht spektakulär. Es war nicht weit. Es war nicht einmal warm. Und trotzdem war es der mit Abstand entspannteste und schönste Urlaub, den wir je als Familie verbracht haben.


 
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