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Elternabend

Von Wer hat jenseits der 20 noch Lust auf Frontalunterricht?
So streng wie im Unterricht geht es oft auch beim Elternabend zu. (Symbolbild: dpa) So streng wie im Unterricht geht es oft auch beim Elternabend zu. (Symbolbild: dpa)
Kommunikation in der Schule ist wichtig! Das ist unbestritten richtig. Um alle Eltern gleichmäßig mit Informationen zu versorgen, gibt es den Elternabend. Er findet mit schöner Regelmäßigkeit etwa zwei bis vier Mal im Schulhalbjahr statt. Und weil Information wichtig ist, gehen wir auch hin, zumindest die meisten von uns Eltern. Aber gehen wir gerne hin?

Ich kann für mich diese Frage schnell entscheiden: nicht wirklich! Ich habe lange Zeit vier Kinder an vier Wiesbadener Schulen gehabt. Und damit reichlich Gelegenheit erhalten, Elternabende zu besuchen. Und auch reichlich Gelegenheiten gehabt, damit Erfahrungen zu machen...

Da ist zum Beispiel der erste Elternabend in der Grundschule. Die Einladung hat man über die Ranzenpost erhalten. Gespannt macht man sich auf den Weg in das Klassenzimmer des Nachwuchses. Dort nimmt man auf den Stühlen der sechsjährigen Schulkinder Platz – und bekommt nach spätestens einer halben Stunde von seiner Bandscheibe die Botschaft, dass Erwachsene üblicherweise auf anderen Stühlen sitzen. Die Lehrerin teilt mit, dass die Kinder eine tolle Lerngruppe sind. Das soll aber auch bitte so bleiben, weswegen entsprechende Unterstützung durch Mama oder Papa unerlässlich für den Schulerfolg des Kindes ist.

Während Mama und Papa sich Gedanken machen, wie sie als berufstätige Eltern die Hausaufgabenunterstützung organisieren, stellt die Lehrerin klar, dass das selbstredend gesunde Schulfrühstück in einer ökologisch einwandfreien Brotdose mitzubringen sei. Da sie Recht hat, wird auch das organisiert. Eltern tun zu diesem Zeitpunkt alles, was der Lehrkörper für erforderlich erachtet. Das bleibt in der Grundschulzeit auch so, sofern es keine großen Konflikte in der Klasse gibt. Wenn es einen größeren Konflikt gibt, verwandelt sich das Klassenzimmer schnell in ein Schlachtfeld der Kommunikation: Ich habe schon das eine oder andere Mal gestaunt, wie erwachsene Menschen bei solchen Gelegenheiten miteinander reden.

In der weiterführenden Schule ändert sich nach meiner Erfahrung die Haltung nicht gleich. Allerdings stehen die Kinder dann am Beginn der Pubertät. Demzufolge ändern sich allmählich die Berichte der Lehrerinnen und Lehrer über die Lerngruppe. Und plötzlich wird man als Mutter oder Vater mit einem Mangel an Lernbereitschaft, mit unerledigten Hausaufgaben oder sonstigem Ungemach des Nachwuchses konfrontiert. Und selbstverständlich wird man wieder zur Unterstützung des eigenen Kindes aufgefordert, um dessen Lernerfolg zu sichern.

Es wird berichtet über die Lerninhalte, Fachlehrer stellen sich vor, Klassenfahrten werden besprochen. Die Klassenlehrerin leitet den Elternabend. Und der Elternabend wird zum Frontalunterricht der Eltern. Diese Erfahrung habe ich ungezählt oft gemacht. Und wer hat da in einem Alter deutlich jenseits der 20 noch Lust drauf? Ich möchte auch von Lehrerinnen und Lehrern nicht hören, dass ich mein Kind unterstützen soll. Das tue ich auch ohne diese Aufforderung ganz selbstverständlich, wie alle anderen Eltern auch. Eltern wünschen sich mit den Beteiligten in der Schule ihrer Kinder eine Kommunikation auf Augenhöhe. Das funktioniert oft, aber leider immer noch nicht oft genug.

Wie alles an Schule gibt es auch zum Elternabend klare Regeln: Es lädt der Elternbeirat ein. Und der Elternbeirat erstellt die Tagesordnung. Er oder sie legt fest, welche Fachlehrer eingeladen werden – selbstredend immer in Absprache mit den Klassenlehrern. Und der Elternbeirat leitet und gestaltet den Elternabend.

In Hessen gibt es bereits seit einigen Jahren das Projekt elan (Eltern schulen aktive Eltern). Speziell dafür ausgebildete Eltern kommen zu Ihnen in die Schulgemeinde und zeigen, welche Möglichkeiten der Elternbeirat hat, welche Wege der Kommunikation sinnvoll und zielführend sind. Wie man Elternabende so gestalten kann, dass alle Eltern teilnehmen. Das macht Spaß und ist erfolgreich. Versuchen Sie es mal.

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