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Wer darf zurück zu G9? Eine wirkliche Wahlfreiheit ist nicht gegeben, bemängelt unser Blogger Matthias Bedürftig. Foto: Archiv Wer darf zurück zu G9? Eine wirkliche Wahlfreiheit ist nicht gegeben, bemängelt unser Blogger Matthias Bedürftig. Foto: Archiv
Die Dialektik des Schulfriedens und der Wahlfreiheit an hessischen Gymnasien.
 
 
Heute möchte ich nochmal etwas zum Thema Wahlfreiheit und Elternwillen in Sachen G9 schreiben. Wir Eltern haben ja die große Wahlfreiheit hier in Hessen, wenn es um die weiterführende Schule für unsere Kinder geht. Schulfrieden ist auch angekündigt: Klasse! Zurück zu G9 geht’s auch, soweit, auch so gut. Die fünften, sechsten und siebten Klassen können auch zurück, auch prima.
 
Jetzt geht’s aber schon los mit den Nachrichten aus Absurdistan. Wenn ein Lehrerkollegium, das G9 gegenüber positiv eingestellt ist, sich an einem Gymnasium auch wirklich auf den Weg macht, den Eltern die Rückkehr der fünften, sechsten und siebten Klassen anzubieten und die Gesamtkonferenz über ein Konzept abstimmen zu lassen, dann kann folgendes passieren.
 
Da ja die Tendenz der Eltern in der siebten Klasse zurück zu G9 leicht abnimmt, wird bei einem fünfzügigen Gymnasium schon die Mindestanzahl von 16 Schülern für G8 übrig bleiben. Es kommt also zu einer Teilung in G8er und G9er – und möglicherweise wird sogar eine zusätzliche Klasse gebildet und jeder hat seinen Willen. Doch jetzt kommt’s.

Die 5. Und 6. Klassen brennen ja darauf, zurück zu G9 zu kehren; die Wahrscheinlichkeit, dass sich hier keine 16 Kinder für G8 finden lassen, ist also sehr hoch. Je kleiner die Schule ist, umso mehr verschärft sich das Problem auch noch. Wie lautet dann das mutmaßliche Ergebnis? Und ich berichte hier nicht über Hypothesen, sondern von mir vorliegenden, ganz reale Beschwerden von Elternvertretern.

Genau: Die siebte Klasse kann zu G9 zurück, die fünfte und sechste Klasse allerdings bleibt außen vor, obwohl weitaus mehr aus diesen Jahrgangsstufen zurück zu G9 wollten. Schuldirektoren und Lehrer können sich dies natürlich als Praktiker auch ausrechnen – und wie viel bleibt denn dann da noch von Wahlfreiheit der Schule, selbst wenn man nicht von wirklicher Wahlfreiheit der Eltern ausgehen kann?!
 
Je mehr Eltern zu G9 wollen, desto wahrscheinlicher gibt es G8, wenn nicht mindestens 16 Schüler für G8 übrig bleiben. Das kann man hervorragend in einer Handreichung für bildungspolitisch interessierte Eltern zusammenfassen: Die Dialektik des Elternwillens, Schulfrieden, Demokratie und Wahlfreiheit an hessischen Gymnasien.
 
Die CDU hat sich offensichtlich von den Grünen zu dieser äußerst interessanten Ausgestaltung dieser „möglichen“ Lösung in Sachen Schulfrieden breit schlagen lassen. Doch leider hat man irgendwie den Eindruck, als ob die Vorschlaggeber in der Realität diesen Abstimmungsprozessen an Schulen noch nie beigewohnt haben und der Basis ein wenig entrückt sind.
 
Ich würde die schulpolitischen Sprecher der Regierungsparteien die Herren Irmer und Wagner hierzu ja gerne mal einladen, um den Eltern einer betroffenen Schule dieses Thema vielleicht in einer Podiumsdiskussion live zu erklären und zu erläutern, wie der vielbeschworene Schulfrieden aussehen soll. Vielleicht ist dann auch noch ein kleiner Exkurs in Sachen Wahlfreiheit möglich.
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