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Schul-Blog

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Nach 100 Tagen neuer Landesregierung durchströmt ein frühes Erahnen das Land, wie nun der Schulfrieden unter schwarz-grün verwirklicht werden soll. Der Landesschülervertretung wird wegen offensichtlich hochgespielten Gründen die Verwaltung der Kasse entzogen mit einer Ankündigungsfrist von nur wenigen Tagen. Für die ordnungsgemäße Verwaltung soll es dann eine extra halbe Stelle beim staatlichen Schulamt geben. Wenn man lediglich die so produzierten Kosten mit dem Etat der LSV ins Verhältnis setzt, dann weiß man schon mal Bescheid, wie diese spezielle, auch von den Grünen brav verteidigte Sparsamkeit, den hessischen Landesetat schont.

Wenn der Schülervertretung schon derartige Annehmlichkeiten widerfahren, dafür sieht es dann bestimmt mit den Elternrechten wesentlich besser aus. Wahlfreiheit gibt es ja, diese ist in Bezug auf G9 aber die Wahlfreiheit der Schulen und nicht die der Eltern. Für die Rückkehrmöglichkeiten der 5. bis 7. Klasse gibt es auch Wahlfreiheit, aber nur, wenn alle mitmachen oder mindestens 16 Schüler bei G8 bleiben und auch dann nur unter dem Vorbehalt, dass Lehrer und Schulleiter in der Gesamtkonferenz ein Konzept für die Umwandlung entwickeln und hinterher die Schulkonferenz auch zustimmt. Puh.

 
Wo Philipp Reis zur Schule ging

Im Institut Garnier drückte Philipp Reis (1834-1874) mehrere Jahre die Schulbank und lebte im angrenzenden Internat. Mehr als ein Jahrhundert später wurde die Schule nach ihm benannt.

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Größtmögliche Freiheit und Frieden wird schließlich durch den taktischen Schachzug erreicht, dass man die anonyme Elternbefragung hinten anstellt. Denn wenn zu viele G9 wollen und nicht mindestens 16 G8er übrig bleiben, wird es nichts mit der Rückkehr, auch deshalb schon, weil kaum eine Schule diesen „Friedensmarsch“ wirklich mitmachen will.

Diese Wahlfreiheit ist natürlich keine schulpolitische Zwangsbeglückung – offensichtlich die neue Lieblingsvokabel der hessischen Grünen- das ist ein richtig konsequent und durchdacht erzeugtes metaphysisches Paradoxon, quasi eine schulpolitische Singularität, also ein künstlich erzeugtes „schwarz-grünes Loch“, in dem die Bemühungen und Anstrengungen aller Lehrer und Eltern für Mitnahme der 5. bis 7. Klassen zu G9 verschwinden. Schon hat man echten Schulfrieden.

Das Mantra des Schulfriedens ist schließlich das iterativ zitierte VGH Urteil zum Vertrauensschutz, durch andauernde Wiederholung der ausweglosen Situation, in der sich die armen Schulpolitiker aufgrund des Urteils befinden, wird geschickt die Kreativität gesetzgeberischen Handelns bis zur Alternativlosigkeit herabgesetzt, was so zwangsläufig zum Frieden führen muss. Da ist wirklich so friedvoll, da fällt mir ein in diesem Kontext sehr passendes und ansprechendes Zitat von der Homepage von Mathias Wagner von den Grünen ein, quasi eine prosaische Vorabbeschreibung: „Das Eintauchen in andere Zeiten, Welten und Gedanken empfinde ich als anregend und entspannend zugleich.“ Hoffentlich meint der Herr Wagner das auch genauso, wie ich ihn verstanden habe.
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