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Hallo aus Saigon

Von Kochen im Mekongdelta, Martini im Luxushotel - und Besuch aus Rhein-Main.
Unsere Bloggerin Milena Sebestyén durfte bei einem echten Festmahl in einem Mekongdelta-Dorf nicht nur mit am Tisch sitzen, sondern auch beim Kochen helfen. Klicken Sie sich durch unsere Bilderstrecke. (Alle Fotos: Milena Sebestyén) Bilder > Unsere Bloggerin Milena Sebestyén durfte bei einem echten Festmahl in einem Mekongdelta-Dorf nicht nur mit am Tisch sitzen, sondern auch beim Kochen helfen. Klicken Sie sich durch unsere Bilderstrecke. (Alle Fotos: Milena Sebestyén)
Am Sonntag bin ich auf dem Rücksitz des Mopeds eines Amerikaners in ein Dorf im Mekongdelta gefahren, um dort am Herd der Großmutter einer vietnamesischen Großfamilie traditionelle Pfannkuchen zu backen.

Am Montag wurde ich nach einem Glas gekühlten Martini auf dem Dach eines Saigoner Luxushotels in einem schicken Bus einer deutschen 33-köpfigen Reisegruppe nach Hause gefahren.

„Moment mal“, sagen Sie jetzt vielleicht. Das ging ein bißchen zu schnell? Gut, ich erzähle von vorne.

Wo knüpft man als deutsche Freiwillige Kontakt zu Einheimischen? Im vegetarischen Restaurant! Einmal in der Woche besuche ich ein nahegelegenes Schwimmbad und esse danach meistens in einem der „com chay“ Restaurants, in denen man Reis mit allerlei leckeren Gemüse- und Tofuvariationen serviert bekommt. So auch an jenem Abend vor vielleicht drei Wochen. Das Restaurant war ziemlich ausgestorben und ich setzte mich an den Tisch des einzigen weiteren Gastes.

Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte. So lernte ich Trung kennen, einen 26-jährigen, sehr offenen und freundlichen Vietnamesen, der sein Heimatdorf im Mekondelta vor einigen Jahren verlassen hat, um in Saigon zu studieren. Wir kamen ins Gespräch und reden über sein Dorf. Meine vielen Fragen über das Dorfleben bewegten ihn vielleicht dazu, mich einzuladen, bei seinem nächsten Verwandtenbesuch dabeizusein und mir My Tho direkt vor Ort vorzustellen. Das Angebot nahm ich gern an. Schließlich hatte ich die seltene Möglichkeit, das Mekongdelta außerhalb der organisierten Touri-Pfade an der Seite eines Erfahrenen, gut englisch sprechenden Einheimischen kennenzulernen und noch dazu für einen Tag aus der Hektik der großen lauten Stadt zu entfliehen.

Als es dann vergangenes Wochenende soweit war und die lang ersehnte SMS von Trung kam, dass er bereits bei seinen Eltern sei und sich auf meinen Besuch freute, entschloss ich mich spontan gegen die drei Stunden lange Busfahrt in das 80 Kilometer entfernte My Tho. In meinem immer größer werdenden Bekanntenkreis von westlichen Mopedbesitzern (Freiwillige fahren natürlich Fahrrad!) fand ich den amerikanischen Kunstlehrer Rob, der für einen kurzentschlossenen „Roadtrip“ zu haben war, und so starteten wir Sonntag früh auf die Reise ins Unbekannte.

Unser 2,5-stündiger Roadtrip führte leider viel weniger als erhofft durch die schöne, grüne Natur. Vielmehr hatten wir das Gefühl, wir würden das Ende der Stadt nie erreichen. Mopeds, Verkaufsstände, Cafés, Restaurants und Tankstellen ... 

Was uns in My Tho erwartete, relativierte jedoch sofort die Enttäuschung über die wenig romantische Fahrt dorthin. Trung hatte nicht übertrieben. Das Haus seines Onkels am Rande des Dorfes lag inmitten von Reisfeldern, Kokospalmen und kleinen Bachläufen im tropischen Unterholz. Rob und ich wurden von seiner ganzen Familie begrüßt und herzlich empfangen. Es war 11 Uhr vormittags. Während die Männer in sonntäglich festlich weißen Hemden um einen runden Tisch saßen, tummelten sich die Frauen und Kinder in der Küche und hatten dabei mindestens genausoviel Spaß wie die Reisschnaps trinkenden Männer.

Es gelang mir, mit meinen wenigen Brocken Vietnamesisch das Vertrauen der Küchenchefin, Trungs Tante, zu erobern. Sie ließ mich sogar, unter freudigem, doch kritischen Blick aller Beteiligten, ein Ban Xeo (vietnamesischer hezhafter Pfannkuchen) zubereiten. Danach gab es ein Mittagessen mit vegetarischen Gerichten, die extra für mich zubereitet worden waren. Neben dem Ban Xeo, das für mich anstatt mit Meeresfrüchten mit Tofu und Sojasprossen gefüllt war, gab es eine köstliche Reissuppe mit Pilzen. Ein echter Gaumenschmaus für eine Freiwillige, die sich schon an das Mittagessen in der Mensa (Reis oder Reisnudelsuppe) gewöhnt hat.

Wir hatten einen wunderbar entspannten Nachmittag mit Trungs Familie, einem schönen Spaziergang durch die Nachbarschaft und vielen weiteren Köstlichkeiten, die auf den Fotos zu sehen sind. Leider ging der Nachmittag viel zu schnell vorbei und wir mussten uns auf den Heimweg machen, um Saigon vor Sonnenuntergang (18 Uhr) zu erreichen. Trotzdem kamen wir tiefenentspannt und freudig mit vielen schönen Eindrücken aus dem echten vietnamesischen Mekongdelta-Leben wieder zu Hause an.

Nach einem ganz normalen Arbeitstag an der Uni erwarteten mich am nächsten Abend gleich zwei ganz besondere Begegnungen. Während ich noch die Stachelschweine im Mekongdelta bestaunt hatte, saß meine gute Freundin Laura aus Frankfurt schon im Flieger Richtung Vietnam. Ich holte sie am Abend vom Flughafen ab. Anstatt erst einmal ihren Schlafmangel aufholen zu können, hatte sie einen erlebnisreichen Abend. Herr Tischler aus Bad Soden, der in der Printausgabe des Höchster Kreisblatts auf mich aufmerksam geworden war, hatte sich mit seiner 33-köpfigen Reisegruppe aus Deutschland angekündigt. Er wollte gerne aus erster Hand von meinem Leben in Saigon erfahren und so lud er mich ein, den Abend mit ihm und seinen Reisegefährtinnen und -gefährten zu verbringen.

Laura und ich waren die Attraktion des Abends. Zwei Frankfurter Mädchen alleine in Saigon! So verbrachten wir einen schönen Abend mit leckerem Essen und erzählten von unserem Leben und meinen Erlebnissen in Vietnam. Wir hatten sogar das Glück, noch auf die Dachterasse eines der luxuriösesten Hotels Saigons zu einem After-Dinner-Drink eingeladen zu werden. Martini schlürfend hatten wir einen atemberaubenden Blick auf den Saigon-Fluss und die Hochhäuser der Innenstadt. Ein unglaublicher Kontrast zu dem beschaulichen Vortag unter schattigen Palmenblättern!

Der Höhepunkt des Abend war jedoch die Heimfahrt im Luxus-Reisebus. Weitere Fragen mit dem Bus-Mikrofon beantwortend, hatte ich am Ende fast das Gefühl, meinen Beruf verfehlt zu haben. Aus mir wäre wohl auch eine prima Reiseleitern geworden

Was man nicht alles erlebt! Man merke: Es gibt viele Zufälle im Leben, man muss die Gelegenheit nur am Schopfe packen. Dann hält es die wundersamsten Dinge für einen bereit.

Wie meine Mutter mir berichtete, steigt meine Leserschaft daheim exponenziell. „Ganz Kriftel weiß schon, dass du in Vietnam bist!“[Zitat Mama]. Viele liebe Grüße an meine treue Leserschaft!

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