Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Hallo aus Saigon

Von Weihnachten auf der Ukulele, Popsongs in der Kirche und Silvester am Strand.
Unsere Bloggerin Milena Sebestyén hat Weihnachten in Vietnam gefeiert - und eine ganz andere Weihnachtsstimmung kennengelernt. Klicken Sie sich durch Milenas Foto-Galerie. (Alle Bilder: Milena Sebestyén) Bilder > Unsere Bloggerin Milena Sebestyén hat Weihnachten in Vietnam gefeiert - und eine ganz andere Weihnachtsstimmung kennengelernt. Klicken Sie sich durch Milenas Foto-Galerie. (Alle Bilder: Milena Sebestyén)
Die Wochen vergehen unglaublich schnell in Vietnam und schwups – schon bin ich im neuen Jahr gelandet, ohne dass sich auch nur ein Hauch von Weihnachts- oder Silvesterstimmung in mir breit machen konnte. Denn meine Feiertage habe ich dieses Jahr wirklich mal ganz anders verbracht als gewohnt. Ein besonders ereignisreicher Tag bot sich mir am 23.12., dem Tag vor Heiligabend. Es wurden mir und zwei anderen Freiwilligen von der Uni die Aufgabe zugetragen, am internationalen Fest der Kulturen und Jahrestag der vietnamesischen Fakultät, einen deutschen Weihnachtsmarktstand zu organisieren.
 
Mit der tatkräftigen Unterstützung einiger meiner Nachhilfeschülerinnen gelang uns das auch wirklich gut. Bei einer abenteuerlichen Fahrt mit Mopeds zur Metro und durch die ganze Stadt ins chinesische Viertel hatten wir jede Menge Zutaten und Dekomaterial zusammengetragen, um einen richtig schönen Stand zu bauen. So entstand ein kleines „Fachwerkhaus“, in dem Kinderpunsch, Eierpunsch und geröstete Erdnüsse (anstatt Mandeln) verkauft wurden. Außerdem veranstalteten wir einen „Lebkuchenhauswettbewerb“ und gemeinsames Weihnachtsliedersingen mit den Studenten und Dozenten der Deutschabteilung.
 
Das ganze Fest war ein voller Erfolg! Gegen Nachmittag musste ich dann zum Schminken für die große Show des Abends. Zu Ehren der Vietnamesischabteilung gab es in der Aula ein Spektakel mit Gesang, Tanz, Theater und Modenschau. In Wochen der Vorbereitung hatte ich mit Phi Ha ein vietnamesisches Lied einstudiert und die Choreo für die Modenschau mit traditionellen vietnamesischen Kleidern (Au Dai) saß auch perfekt. Es konnte also nichts schief gehen. Trotzdem stieg die Aufregung vor dem Auftritt. Immerhin verstand ich kaum ein Wort von dem, was ich da sang und war außerdem ziemlich wackelig auf den Highheels, die ich kurz vorher noch aufgedrückt bekam. Aber wie man auf den Bildern sehen kann, ist nichts schiefgegangen und die Show holte uns viel Applaus und sogar Blumen von einer meiner Studentinnen ein. Ein rundum gelungener Freiwilligentag!
 
 
Am nächsten Tag bin ich dann im Bett aufgewacht und dachte: Fröhliche Weihnachten, Milena! So fühlt sich das also an bei 30 Grad im Schatten und weit, weit weg von Familie und Tannenbaum. Eigentlich wollte ich den Tag einfach so verstreichen lassen, doch zum Glück ludt mich Uyen in letzter Sekunde ein, mit ihr und ihrer Familie zu feiern. Wie alle anderen der acht Prozent katholisch gläubigen Bevölkerung Vietnams feierten sie ganz traditionell mit Kirche und gemeinsamen Essen zu Hause, allerdings ohne Geschenke. Es war so angenehm vor Weihnachten keine einzige Geschenk-Einkauf-gestresste Person in Saigon anzutreffen!
 
Die Weihnachtsmesse war die lustigste, die ich je besucht habe. Von Spotlight-Scheinwerfern, über aus Lautsprechern tönende laute Popversionen von Weihnachtsliedern bis hin zu Feuerwerk, einem auf der Sänfte getragenen Jesuskind und 100 kleinen glitzernden Kinderengeln. Es war wirklich alles dabei, was sich das kitschige Vietnamesenherz so zu Weihnachten wünscht. Nur absolut keine Besinnlichkeit und Ruhe, das, was ich mir gewünscht hätte. Mein persönliches Highlight war ein Chor, der ohne jegliche musikalische Begleitung „Halleluja“ sang. Für einen Moment kamen wirklich weihnachtliche Gefühle in mir auf. Die wurden dann aber ganz schnell wieder von dem hereintanzenden Adam-und-Eva-Ballett-Paar im Keim erstickt.
 
 
Nach dem dreistündigen Kirchenspektakel gab es dann noch ein einfaches, aber leckeres Essen bei Uyens Familie, eine Schokoweihnachtstorte und von mir mitgebrachten Glühwein und immerhin noch ein paar Weihnachtslieder, die ich auf der Ukulele spielte. Weihnachten wirklich einmal anders, und vor allem spannend!
 
 
Nach Weihnachten begann für mich erstmal die Zeit der Entspannung. Ich bekam Besuch von Katharina, einer Ref-Kollegin und Freundin aus Frankfurt. Gemeinsam machten wir uns mit einer Reisegruppe von Deusch-Tourismus-Studierenden und Dozenten auf einen Kurztrip ins Mekongdelta. Von vielen verschiedenen angehenden Touristenführern bekamen wir ganz besondere Führungen durch die Sehenswürdigkeiten des Deltas, unter anderem einer Ziegelei, einer Kokusnussfabrik und einer Glasnudelfabrik. Während der Rest der Reisgruppe sich nach zwei Tagen zurück auf den Weg nach Saigon machte, reisten Katharina und ich weiter. Unser Ziel: die nahe am kambodschanischen Festland gelegene Insel Phu Quoc. Dort verbrachten wir eine unglaublich entspannte Woche. Zwischen Korallentauchen, Dschungelwanderung und unendlichen Sanddünenwanderungen lag der Silvesterabend. Ich hatte Silvester bisher noch nie am Strand gefeiert! Im Nachhinein wirklich jedem zu empfehlen. Ohne den üblichen Plaungsstress (wo/wie/mit wem/wann etc. feiern???) schlossen wir uns spontan den Besitzern und Bewohnern unseres Hostels an und verbrachten einen schönen Abend am Meer mit einem kleinen Lagerfeuer anstatt Raketen und einer Whiskyflasche statt Sekt. Neujahr mal anders, und vor allem entspannend!
 
Zurück in Saigon angekommen, sehe ich dem Jahr positiv entgegen. Meine Rückeschmerzen haben sich seit dem Aufenthalt auf der Insel in Luft aufgelöst und kommen hoffentlich auch nicht wieder. Hier kehrt so langsam etwas Ruhe ein. Die Studenten haben in der letzten Woche zu Hause und ohne mich gelernt und heute ihre letzte Prüfung des Semesters hinter sich gebracht. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben Prüferin eines mündlichen Examens an der Uni! Während in Deutschland der letzte Weihnachtsbaum aus dem Fenster geworfen und die letzten Lichterketten ausgeschaltet werden, bereitet sich hier alles so langsam auf die Feiertage vor. Das Tet-Fest, Neujahrsfest nach dem chinesischen Mondkalender steht an. Die Stadt wird mit gelben Blumen geschmückt, neue Festtags-Au Dai's werden geschneidert, Neujahrskuchen gebacken. So sieht Festtagslaune in Saigon aus und ich bin mitten drin.
 
Irgendwie freue mich schon drauf, nächstes Jahr wieder Plätzchen zu backen, Lieder zu singen, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und Geschenke einzupacken. Aber mal ein Jahr Pause vom europäischen Weihnachten war genau das richtige für mich. Viele Grüße an alle, die an mich denken. Eure Milena
 
Die Meinungen unserer Blogger sind Privatsache und spiegeln nicht die Haltung der FNP wieder. Diskutieren Sie mit unserer Bloggerin! Wenn Sie sich noch nicht registriert haben, können Sie das kostenlos nachholen: Klicken Sie dafür einfach unter dem Kommentarfeld am Seitenende auf den beige hinterlegten Reiter „Für nicht registrierte Nutzer“. Dort können Sie sich ganz unkompliziert mit einem Benutzernamen Ihrer Wahl, einem Passwort und Ihrer E-Mail-Adresse anmelden. Anschließend erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink, den Sie nur noch anklicken müssen – und schon können Sie kommentieren. Natürlich werden Ihre persönlichen Daten nur intern verwendet und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben. Unsere Blogger freuen sich auf Ihre Beiträge!
Zur Startseite Mehr aus Milena Sebestyén

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse