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Hallo aus Saigon

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Es ist Sonntag morgen und für mich heißt es mal wieder: bloggen! Die Welt an meinem Leben und meinen Erlebnissen in Saigon und Vietnam teilhaben lassen. Meine letzten Blogs handeln meist von besonderen Geschichten, die ich erlebt habe. Einige von euch mögen sich vielleicht manchmal fragen, was ich eigentlich so in meinem ganz normalen Alltag in der Stadt erlebe?
 
Ich habe beschlossen, Euch einen kleinen Einblick in mein Freizeitleben in Saigon zu geben. In den acht Monaten, in denen ich jetzt hier bin, habe ich nämlich so einige neue Hobbies gewonnen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mir einmal so viel Spaß bereiten würden. Und vor allem nicht, dass ausgerechnet Saigon der Ort für diese neuentdeckten Aktivitäten sein wird. Aber eigentlich ist diese Stadt genau die richtige, um sein Freizeitleben neu zu definieren. In Saigon ist ALLES möglich.
 
Und doch wieder nicht. Einige meiner früheren Freizeitbeschäftigungen sind hier aufgrund der unterschiedlichen Umgebung schlichtweg unmöglich. In Deutschland habe ich gerne Fahrradtouren oder ausgedehnte Spaziergänge durchs Grüne gemacht. Das Fahrradfahren beschränkt sich hier jedoch meist darauf, so schnell wie möglich von A nach B und dabei unbeschadet durch den Verkehr zu kommen. Und um einen Spaziergang im Grünen zu machen, bedarf es mindestens einer Busreise von drei Stunden. Auch zum entspannten Picknicken mit Freunden, so wie ich es in Höchst am Mainufer so gerne im Sommer gemacht habe, gibt es hier kaum Möglichkeiten. Die wenigen Grünflächen in den Stadtparks stehen meistens unter Wasser (um den Rasen bei der sengenden Hitze grün zu halten) und die Wege sind belagert von vielen Grüppchen vietnamesischer Jugendlicher. Gepicknickt wird in Vietnam allerdings auch. Um die Parks herum werden viele kleine Häppchen wie Mangosalat, Sommerrollen oder Popkorn angeboten, die dann auf einem Zeitungslager auf dem Boden im Kreis sitzend verzehrt werden., während die Stimmung stets auf dem Hochpunkt ist (lautes Schreien, Singen und Lachen inklusive). Ab und zu mache ich da auch gerne mal mit! ;)
 
Meine Arbeitszeiten an der Uni sind sehr flexibel. Nur einmal pro Woche unterrichte ich fest und den ganzen Tag im Campus außerhalb der Uni. Ich habe viel Spaß dabei, mit den 1. Semester Studenten Deutsch zu lernen. Und sie auch mit mir, so wie man auf den Bildern in der Galerie sehen kann.

 
Bilderstrecke Höchster Lehrerin zeigt ihre Vietnam-Impressionen
Die Grundschullehrerin Milena Sebestyén aus Frankfurt-Höchst lebt und unterrichtet ein Jahr lang in der vietnamesischen Metropole Saigon - und bloggt darüber auf www.fnp.de. Ihre Bilderstrecke zeigt Impressionen einer aufregenden und oft verwirrenden Welt.<br>Reisfeld in Ben Tre.Autritt bei der Geburtstagsfeier des International Club.Mitglieder des International Club.


Der Rest meiner Woche sieht immer unterschiedlich aus. Ich betreue viele Nachhilfegruppen. Es kommt aber auch häufig vor, dass die Studenten einfach nur Deutsch sprechen wollen und wir uns dazu in eines der vielen schönen Cafés setzen. Ein Milchkaffee kostet hier zwischen 30 und 40 Cent. Das kann man sich täglich leisten.
 
Manchmal unternehme ich auch in meiner Freizeit etwas mit den Studenten. Letztens habe ich Quynh auf ihren Wunsch hin mit zur Kletterwand genommen. In Saigon habe ich das Klettern neu entdeckt. Ich hatte zwar in Frankfurt vor Jahren schon einen Anfängerkurs gemacht, dann aber nie Kletterpartner gefunden oder ich habe es einfach nicht eingesehen, 15 Euro zu bezahlen, um drei Mal eine Wand hochzuklettern. In Saigon bekommt man für 4 Euro nicht nur Schuhe und Gurt gestellt, sondern auch noch einen persönlichen Sicherheitsmann. Das nenne ich Luxus!
 
Auch meine anderen sportlichen Hobbies sind hier viel günstiger. So gehe ich einmal pro Woche ins Schwimmbad und zum Yoga. Schwimmen kostet 50 Cent. Zur Mittagszeit ist wegen der Hitze nichts los und mich überkommt jedesmal ein Freiheitsgefühl, wenn ich einfach geradeausschwimmen kann, ohne ständig die Angst haben zu müssen, mit jemandem zusammenzustoßen, so wie es auf der Straße der Fall ist.
 
Mein Yogastudio ist ein rein vietnamesisches. Eine Stunde kosten 30.000 Dong (1 Euro). Seit Jahren bin ich die erste Ausländerin, die es sich wagt, auf einem Quadratmeter zusammen mit 40 erschreckend elastischen Vietnamesinnen zusammen Yoga zu „üben“ (so sagt man hier). Nach anfänglichen Verständnisproblemen klappt es nun sehr gut. Ich verstehe zwar immer noch weniger als ein Drittel von dem, was die Lehrerin sagt, aber wir haben uns alle daran gewöhnt und ich bin nicht mehr Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Den Lotussitz beherrsche ich nun ohne Probleme .
 
Mein Yoga-Hobby habe ich in den letzten Monaten noch weiter ausgebaut. Ich bin im Internet auf der Such nach Akrobatikyoga fündig geworden. In einem westlichen Yogastudio bietet der kanadische Yogalehrer Desmond zweimal im Monat Akro Yoga Trainigsstunden an. Kostenpunkt: 10 Euro. Zum Glück hat sich eine kleine Gruppe von netten Menschen zusammengeschlossen, die oft gemeinsam im Park in Distrikt 7, außerhalb der Stadt, zusammen „fliegen“. Da lohnt sich doch auch die einstündige Fahrradtour durch 5 Millionen Motorbikes.
 
Wenn ich nicht gerade schwimme, klettere oder Yoga mache, findet mich man auf den Tanzflächen Saigons. Ich hatte ganz vergessen, wie sehr ich tanzen liebe! Hier gibt es oft Konzerte und Jamsessions in kleinen Bars, die allerdings fast ausschließlich von Westlern besucht werden. Die einzigen Vietnamesen, die sich hier einfinden, waren größtenteils schon im Ausland und haben so eine andere „Feierkuktur“ kennengelernt. Der Großteil der Einwohner Saigons liegt zwischen 21 und 22 Uhr im Bett, denn man sollte ja spätestens um 5 Uhr aufstehen. Das gilt genauso fürs Wochenende. Zum Glück gibt es hier neben den Vietnamesen auch eine große Zahl zugezogener Ausländer. Eine große Gruppe von jungen Experts, meist Englischlehrer, kümmert sich um den Aufbau und Erhalt der „Partyszene“. Es ist also immer etwas los, auch wenn sich die Clubs auf eine kleine Anzahl beschränkt, in denen man auch immer die gleichen Leute trifft.
 
Ich bin ein Saigon swing-cat! Seit einigen Monaten besuche ich regelmäßig den einzigen Swing/Lindy Hop-Club Vietnams. Hier treffen sich wöchentlich passionierte Swing Tänzer aus aller Welt, größtenteils Vietnamesen und Koreaner, aber auch einige Europäer. Ich freue mich schon immer riesig auf Mittwochabend, wenn ich meinen gepunkteten Rock anziehen und mich auf der Tanzfläche herumwirbeln lassen darf! Ein ganz neu entdecktes Hobby, auf das ich durch eine Freiwillige aufmerksam gemacht worden bin, die letztes Jahr meinen Job an der Uni gemacht hat. Danke dir sehr dafür, Laura!
 
Es gibt nicht nur einen Swing-, sondern auch einen Salsa-Club in Saigon. Diesen habe ich wiederum durch ein anderes swing-cat-Mitglied kennengelernt. Ich konnte meine Freundin Sa dazu überreden, mit mir diesen Club zu besuchen. Immerhin hatte ich vor Jahren einmal einen Einführungskurs im Salsa belegt. Gell, Nico!? :) Schon nach dem ersten Mal vor ein paar Wochen stellte sich heraus, dass Salsatanzen genauso viel Spaß macht, wie Swingtanzen. Der einzige Unterschied sind die Schuhe. Im Swing hatte ich gelernt, dass die geringste Verletzungsgefahr mit flachen Schuhen, Sneakers, besteht und man damit den größten Spaß hat. Mit unseren Sportschuhen waren wir im Salsa-Club allerdings völlig fehl am Platz. Schnell mussten richtige Tanzschuhe her. Sa hat einen Laden ausfindig gemacht, in dem wir beide ein schönes Paar echter Tanzschuhe günstig erstehen konnten (12  Euro). Inklusive einer supernetten Verkäuferin!
 
Also, Ihr seht, mir wird es in Saigon nicht langweilig. Es gibt immer etwas zu tun. Und das ist auch gut so. Es verkürzt die Wartezeit. So sehr ich Vietnam auch liebe, Saigon ist und bleibt eine viel zu volle, laute, unorganisierte Stadt für mich. Sobald ich ein paar Wochen hier verbracht habe, spüre ich das dringende Bedürfnis, zu fliehen.
 
Zum Glück hatte ich letzte Woche Urlaub. In Vietnam wurde der Wiedervereinigungstag gefeiert und aus diesem Anlass gab es zwei Brückentage. So musste ich mir nur noch einen Tag Urlaub nehmen und konnte für eine Woche nach Laos reisen. Seit langem habe ich Vietnam zum ersten Mal verlassen und bin mit dem Bus nach Pakse, Südlaos, gefahren. Dort habe ich mich auf den Spuren der Globetrotter und Backpacker bewegt und neben wunderschönen Plätzen in der Natur auch viele nette Menschen aus aller Welt kennengelernt. Es war sehr angenehm, in einem Land unterwegs zu sein, das halb so viele Einwohner wie Saigon hat. Dafür um so mehr Tiere. Die Kühe und Ziegen gehören dort in den Straßenverkehr genauso wie die vielen lustigen Fahrzeuge, kleine Motorradkutschen und „Tuktuks“.
 
Ich hatte eine sehr entspannte und fröhliche Zeit in Laos. Die positive Atmosphäre, die von den Menschen und der Ruhe dort ausgeht, hat mich so beflügelt, dass ich gleich ein Lied darüber geschrieben habe. Das ist nämlich seit einiger Zeit auch ein Hobby. Wenn ich zu Hause bin, spiele ich sehr viel Ukulele und singe, was ich auch in Deutschland schon gerne getan habe, wofür allerdings wenig Zeit war. Hier habe ich Zeit, sogar meine eigenen Songs zu schreiben. Der erste, „Thank you, LAO“, wurde gerade auf Youtube hochgeladen und freut sich auf seine ersten Zuhörer!
 

 
Hier noch ein kleiner Zwischenstand zum Hausbauprojekt. Es konnten bisher schon knapp 400 Euro durch 13 Spenden gesammelt werden. Das reicht schon aus, um Nas Situation zu verbessern, ein ganzes Haus kann jedoch nicht davon gebaut werden. Ich möchte allen anonymen Spendern ganz herzlich danken und diejenigen, die noch nicht aktiv geworden sind, herzlich bitten, einen kleinen Beitrag für das Bauprojekt zu geben. Jeder Euro zählt! Vielen Dank!
Weitere Informationen befinden sich auf meiner offiziellen Spendenseite für Nas Haus.
 
Liebe Grüße in die Heimat, die ich mittlerweile doch ganz schön vermisse.
Bis zum nächsten Mal!
Eure Milena

Hallo aus Saigon

Ich sammele Spenden, damit eine Freundin ein neues Haus für ihre Familie bauen kann. Helft Ihr mir?

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