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Hallo aus Saigon

Von Kleine und große Abenteuer, schöne Landschaften, freundliche Menschen. Nach diesem Urlaub steht fest: Vietnam ist mein Lieblings-Reiseland.
Nachdem ich letztes Mal von der vielfältigen vietnamesischen Küche berichtet habe und also auch Vegetarier davon überzeugen konnte, dass man in Vietnam sehr gut überleben kann, gehe ich nun einen Schritt weiter und schreibe über Vietnam als Reiseland. Ich schreibe für all diejenigen, die sich entschließen sollten, Vietnam zu bereisen und sich ein paar Tipps abholen möchten. Unterhalten können sich auch alle fühlen, die schon mal in Vietnam waren und hier viele Parallelen zu ihren Erlebnissen finden werden. Und schließlich möchte ich einfach mit allen meine Erfahrungen teilen.

Im vergangenen Jahr (und insbesondere in den letzten Wochen nach Beendigung meiner Arbeit in der Uni) hatte ich neben der Arbeit als Freiwillige auch einige Wochen Freizeit zum Reisen, die ich fast ausschließlich in Vietnam verbracht habe. Am Ende dieses Artikels wird man verstehen, warum ich mich während meines Urlaubs einfach nicht von diesem schönen Land trennen konnte (aber das konnte man sicher auch schon aus meinen anderen Beiträgen herauslesen).

Es gibt unzählige Reiseführer und Reiseberichte über Vietnam, die einen gemeinsamen Konsens haben: Vietnam ist das perfekte Reiseziel für Südostasienbegeisterte und Kulturenentdecker. Es könnte nicht vielfältiger sein. Reist man von Nord nach Süd, so kann man feststellen, dass es große Unterschiede gibt. Im Norden sind die Menschen traditioneller eingestellt, zurückhaltender, höflicher und kühler als die sehr westlich orientierten Südvietnamesen.

Bilderstrecke Eindrücke aus Vietnam


Die Weltoffenheit und Freundlichkeit findet ihren Höhepunkt in der Hauptstadt Saigon. Hier mischen sich viele Kulturen, es leben hier Südvietnamesen und Zugezogene aus ganz Vietnam im Einklang mit vielen Chinesen und Auswanderern aus aller Welt, hier „expats“ genannt (expat: Abk. für experiate, ex=raus aus, patria=Vaterland). Die Menschen verhalten sich nicht nur unterschiedlich, sie sprechen auch verschieden.

 So erfolgreich meine kleinen Konversationen mit Vietnamesen im Süden waren, umso frustrierter war ich im Norden, wenn ich dort nicht einmal beim Kaffee bestellen zurechtkam und einfach nicht verstanden wurde. Auch landschaftlich unterscheiden sich der Norden, die Mitte und der Süden sehr. Vom üppigen grünen Mekongdelta voller Bananen- und Kokospalmen über die schönen Strände Zentralvietnams bis zum bergigen Norden mit seinen Wasserbüffeln und Reisterassen.
 
Aber wie reist man in Vietnam am besten? Es gibt viele Möglichkeiten. Sehr angenehm und interessant ist es mit dem Zug. Da es nur eine Zugstrecke gibt, ist die Auswahl der Reiseorte aber etwas beschränkt. Die fast 2000 km lange Zugstrecke verbindet Saigon und Hanoi durch eine 36-stündige Fahrt miteinander und passiert dabei fast alle wichtigen größeren Städte. Reisen im Zug fühlt sich ein bisschen so an wie eine Mischung aus 30er-Jahre-Film und einer Überfahrt auf der Titanic. Der Service im Zug ist einmalig. Beim Einsteigen wird man von einem Bahnangestellten mit weißen Handschuhen begrüßt, der auch das Ticket kontrolliert, beim Einsteigen hilft und während der ganzen Fahrt alles im Auge hat. So wird man beim Fahren im Nachtzug sogar darauf hingewiesen, nun schlafen zu gehen, wenn man um 21 Uhr noch im Gang steht. Es muss schließlich alles seine Ordnung haben.
 
Auch die Verpflegung ist perfekt organisiert. Fährt man tagsüber, so kann man sich beim Einsteigen Reis (mit Gemüse und Fleisch) bestellen, der dann pünktlich um halb 12 serviert wird und nicht teurer ist als auf der Straße (also ca. 1 €). So kann man am kollektiven Mittagessen teilnehmen und fühlt sich schon fast den Einheimischen zugehörig.
 
Die Züge sind immer voll, alle Klassen sind belegt. Am lustigsten geht es in der niedrigsten Klasse zu, der unklimatisierten Holzbank-Klasse. Ich würde sie jedem empfehlen. Hier fährt die vietnamesische Unterschicht: Bauern, Verkäufer, einfache Arbeiter. Obwohl keiner Englisch spricht, wird man herzlich begrüßt und interessiert beäugt. Als Ausländer kann man seine rudimentären Sprachkenntnisse anwenden, und die Menschen freuen sich über Aufmerksamkeit von Reisenden. Oft sind große 3-Generationen-Familien zusammen unterwegs, die Omi liegt typischerweise auf einer Strohmatte am Boden, während ihre Enkel um sie herumspringen. Nicht selten tummeln sich hier auch Hühner oder anderes Kleingetier in Käfigen.
 
Eine Klasse weiter oben sitzt man in unklimatisierten Abteilen auf „softseats“, als gepolsterten Sitzen. Oft sind sie durch die jahrelange Benutzung schon ein bisschen zu soft! In der höchsten Klasse bekommt man zu seinem weichen Sitz auch noch eine viel zu kalte Klimaanlage und einen ständig dudelnden Fernseher, der meistens vietnamesische Musikshows zeigt und einem bei zehnstündiger Fahrt den letzten Nerv rauben kann. Hier fahren die besser verdienenden Vietnamesen, die nicht weniger kontaktfreudig sind als alle anderen und meistens Englisch sprechen und ihre Sprachkenntnisse bei einer kleinen Konversation zeigen möchten.
 
Während tagsüber im Zug zu reisen sehr abenteuerlich ist und man die schöne Aussicht genießen kann, geht eine Reise im Nachtzug sehr bequem und ruhig zu. Im tuckernden Zug schläft es sich auf einer schmalen Pritsche sehr gut. Ein Schlafplatz im 3. Geschoss ist übrigens am billigsten und besten, da man hier noch Stauraum für sein Gepäck zur Verfügung hat, in den man bei einer Körpergröße von über 1,70 m wahlweise auch seine Füße hineinstecken kann. Allerdings muss man seine Kletterkünste beweisen, um ins Bett zu kommen.
Der Zug ist also meine Nummer 1 bei der Wahl der Fortbewegung auf langen Strecken.
 
Das Bus- und Flugnetz ist auch gut. Fliegen ist sogar sehr günstig und natürlich viel schneller, aber auch weniger abenteuerreich. Bucht man eine Busreise bei einer Reiseagentur, fährt man sehr angenehm in einem neuen und klimatisierten Bus, sitzt dann allerdings nur mit anderen Touristen zusammen. Die lokalen Busse sind ein Abenteuer für sich, haben oft Verspätung oder gar keine wirklichen Fahrpläne, sind meistens sehr alt, und es kann vorkommen, dass sie stundenlang irgendwo einen Zwischenstopp einlegen. Sehr amüsant ist, was in den Bussen außer Menschen noch so alles transportiert wird. Riesige Reissäcke, lange Zuckerrohrstangen, Stacheldrahtrollen, Metallstangen, Gänse.

Auf kurzen Strecken oder der Fortbewegung in Städten ist das Motorbike ein unverzichtbares Reisemittel. Eine Honda Wave kann man eigentlich überall mieten. Etwas schwieriger ist es in kleinen, untouristischeren Orten. Hier sollte man sich an Hotels halten, die oft ihre eigenen Bikes zur Verfügung stellen. Aber Vorsicht! Man sollte unbedingt vorher eine Probefahrt machen und checken, ob alles funktioniert. Selbst wenn man das getan hat, muss man mit mindestens einer Panne pro Bike rechnen. Zum Glück gibt es an jeder Ecke Reparaturdienste auf der Straße, die einem sofort helfen und günstig sind (vorher den Preis verhandeln!).
 
Hatte ich eine Panne und es war kein „sua xe“ vor Ort, also keine Mini-Werkstatt, musste ich keine fünf Minuten warten und wurde schon von einem Einheimischen „abgeschleppt“ (von hinten angeschoben). Vietnam ist übrigens das Paradies für alle, die auch ohne Führerschein mal auf zwei Rädern unterwegs sein wollen. Denn der deutsche Führerschein gilt hier genauso wenig wie gar keinen zu besitzen. Wird man von der Polizei ohne vietnamesischen Führerschein angehalten, so zahlt man im Höchstfall 15 € und kann weiterfahren. Wichtig ist zu wissen, dass der Straßenverkehr ohne Regeln abläuft. Es zählen nur zwei Dinge: Trage einen Helm und schau immer nach vorne, nie nach hinten!

Eine für mich perfekte Kombination wäre es, vor Ort ein Motorbike zu kaufen und dieses dann im Zug mitzunehmen. Leider bin ich erst jetzt, ganz am Schluss, auf diese Idee gekommen. Viele junge Reisende kaufen sich in Hanoi oder Saigon ein Bike und legen damit die ganze Nord-Süd-Strecke zurück. Das halte ich für verrückt, gefährlich und wenig ergiebig. Man sitzt dann fast den ganzen Urlaub lang auf dem Sattel. Es ist jedoch ganz einfach, sich für unter 200 € ein gebrauchtes Motorbike auf der Straße in den Touri-Gebieten zu kaufen und es dann irgendeinem Touristen für annähernd den gleichen Wert wieder zu verkaufen.

Unterkünfte gibt es in Vietnam durch die vielen Touristen wie Sand am Meer. Sie reichen von ganz einfachen, aber sauberen 1-Sterne-Hotels für 3 € pro Person bis zu Mega-Luxus-5-Sterne-Hotels. Nur selten kann man die für Thailand oder Kambodscha typischen Bambushütten an Stränden sehen. Die konnte ich nur auf der Insel Phu Quoc und an einem versteckten einsamen „Geheimstrand“, dem „Junglebeach“ nördlich von Nha Trang, finden. Man muss allerdings in seiner Hütte mit kleinen krabbelnden Besuchern wie Riesenspinnen, Skorpionen oder Fröschen rechnen. Aber ein Moskitonetz schützt gegen nächtliche Krabbler!

Da das Angebot von Unterkünften so groß ist, muss man eigentlich nie im Voraus buchen, sondern schaut sich einfach vor Ort um. Das hilft auch den kleinen Familienunternehmen, die noch nicht auf Online-Buchungen umgestellt haben. Hier ist es günstig, man wird herzlich willkommen geheißen und vielleicht sogar zum Reisessen mit der Familie eingeladen. Besondere Übernachtungsmöglichkeiten bieten die sog. Homestays, die es meistens in Gegenden der ethnischen Minderheiten gibt so wie in den Dörfern rund um die Stadt Sapa. Allerdings schläft man nicht wirklich bei den Menschen zu Hause. Das wäre für die meisten Touristen auch viel zu unkomfortabel, auf dem Boden in einem Raum mit der ganzen Familie neben der Feuerstelle und ohne fließendes Wasser...
 
Ein „Homestay“ ist ein für Touristen errichtetes, einfaches und traditionelles Haus aus Bambus oder anderem Holz mit traditioneller Einrichtung aber gutem Standard. Meistens wird vor Ort ein typisches Gericht von den Reiseleitern gekocht, manchmal kommt jemand, um im Homestay für die Reisenden zu kochen oder es gibt ein kleines Restaurant mit regionaler Küche. Auch wenn man nicht direkt bei der Familie zu Hause schläft, so ist homestay doch trotzdem eine einmalige Erfahrung.


Auf die Frage, welche Orte man in Vietnam bereisen sollte, gibt es eigentlich keine klare Antwort. Überall gibt es etwas Spannendes zu erleben. Die typische Touristenorte wie das Mekongdelta, die Städte Hue, Hoi An, Danang, Hanoi, Saigon sowie Sapa und die Halong Bucht bieten viele Sehenswürdigkeiten, sind aber natürlich in der Trockenzeit (November-April) auch mit Touristen überlaufen. Auch viele Vietnamesen leisten es sich zu reisen und wollen die kulturellen Sehenswürdigkeiten ihres Landes erkunden.
 
An diesen Orten sind die Vietnamesen den Ausländern gegenüber aufgeschlossener als überall sonst, weil dort auch viele Menschen Englisch sprechen. Viele junge Menschen sind stark in Richtung Westen orientiert, würden gerne mal im Ausland studieren, obwohl oder gerade weil es so schwer ist, ein Visum für Europa zu bekommen. Sie nutzen daher jede Gelegenheit, mit Ausländern in Kontakt zu kommen. Ist man offen gegenüber den Vietnamesen, kann man sich hier und da mit ihnen unterhalten, ihnen die Chance geben, ihr Englisch zu anzuwenden und dabei selbst viel über die vietnamesische Kultur und die Einstellung der Menschen erfahren.


Als Vietnamreisender sollte man sich auf jeden Fall auch trauen, sich abseits der Touristenpfade zu bewegen und das „wirkliche Leben“ zu entdecken. Die Kleinstädte und Dörfer Vietnams sind sich alle sehr ähnlich. Kleine Hotels gibt es überall. Und die Menschen freuen sich über den Besuch von Ausländern. In einem kleinen Dorf in der Provinz Ha Tinh im zentralen Norden war ich laut Aussage einiger Einwohner die erste Ausländerin überhaupt. Natürlich hatte ich auch das Glück, dort von Einheimischen eingeladen worden zu sein. So wie überall auf der Welt ist es auch hier am schönsten und interessantesten, das Leben der Einwohner ganz authentisch zu erleben. In Ha Tinh fühlte ich mich um 100 Jahre zurückversetzt in eine Welt voller Landwirtschaft, Hausleben und Familienzusammenhalt.

Obwohl Vietnam sich über 1000 km an der Küste entlang schlängelt, ist es nicht das absolute Strand-Paradies. Die Küste ist größtenteils bebaut, und viele Küstenorte sind von Touristen überschwemmt - so wie die typischen Russen-Reiseorte Nha Trang und Mui Ne. Die Strände sind zwar wirklich schön, aber im Zentrum sehr voll und fern der Touristenorte oft sehr verschmutzt. Wunderschöne, ruhige, verlassene und saubere Strände habe ich nur auf der Insel Phu Quoc am bereits erwähnten „Junglebeach“ und um die Kleinstadt Tuy Hoa herum gefunden, es gibt aber bestimmt noch mehr, schließlich bin ich auch noch kein Vietnam-Experte. ;)


Vietnam bietet unzählige Naturerlebnisse. Meine Highlights waren dabei der See Ho Lak in der Provinz Dak Lak, die Reisterassen in den Dörfern um Sapa, die Halong Bucht und das Gegenstück zu ihr im Landesinneren, die sog. „trockene Halong-Bucht“ bei Ninh Binh im Norden. Es gibt auch viele Nationalparks zu besuchen, in denen man im Dschungel übernachten kann. Das habe ich dieses Jahr leider nicht geschafft. Es ist aber sicher nicht meine letzte Reise nach Vietnam gewesen. Nach allem, was ich hier erlebt habe und den Menschen, die ich hier kennengelernt habe, möchte ich auf jeden Fall wieder hierher zurückkehren und noch viele weitere Orte entdecken.
Na, schon überzeugt von einer Vietnam-Reise? Für konkrete Hinweise stehe ich natürlich gerne zur Verfügung! Dazu einfach einen Kommentar mit E-Mail-Adresse hinterlassen und ich melde mich.
 
Meine letzten Wochen in Vietnam stehen bevor. Die Arbeit als Freiwillige an der Uni ist beendet. So habe ich noch viel Zeit, Saigon zu genießen, mich von allem hier gebührend zu verabschieden und mich mental auf meine Rückkehr vorzubereiten. So sehr ich Vietnam vermissen werde, so sehr freue ich mich auch auf die Rückkehr nach Deutschland, das Wiedersehen mit meiner Familie, meinen Freunden, meinem Schatz und den Start in einen neuen Lebensabschnitt.
Viele Grüße und bis bald in Deutschland.
Eure Milena
 
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