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Sternzeit

Von Revolutionäres geschieht in diesen Tagen im Weltraum. Vielleicht erfahren wir Neues über unseren Ursprung.
Was haben Giacobini-Zinner, Halley, 19P/Borelly, Wild 2, Tempel 1 und Tschurjumow-Gerasimenko gemeinsam? Es sind alles kurzperiodische Kometen, die zudem noch Besuch von der Erde bekommen haben. Der bekannteste von ihnen dürfte sicher der Halleysche Komet sein, der vom englischen Astronomen Edmund Halley im 18. Jahrhundert als wiederkehrender Komet erkannt wurde. Etwa alle 76 Jahre kommt der Halleysche Komet auf seiner stark elliptischen Bahn der Sonne und somit auch der Erde sehr nahe und ist dann sehr gut zu beobachten. Seine Bahn weicht sehr stark von der Kreisbahn ab, das bedeutet, dass sein Abstand von der Sonne im Laufe eines Sonnenumlaufs zwischen 35 Astronomischen Einheiten im sonnenfernsten Punkt und 0,6 AE im sonnennächsten Punkt schwankt. (ein 1AE entspricht ca. 150 Millionen km).
 
Wenn solch ein mehrere Kilometer großer Brocken aus Gestein und Eis der Sonne nahe kommt, wird er durch die Sonnenstrahlung aufgeheizt, und es bildet sich eine als Koma bezeichnete Gashülle, ein Gasschweif, sowie ein aus Staub und kleinen Gesteinsbrocken bestehender Staubschweif. Solch eine Erscheinung ist für jeden Sternenfreund ein besonderer Genuss. Zumal die Bruchstücke, wenn die Erdbahn die Kometenbahn kreuzt, als Sternschnuppen in der Erdatmosphäre aufglühen und mit etwas Glück als Meteoriten auf der Erde gefunden werden können.
 
Solche Sternschnuppen oder Meteore lassen sich Mitte November wieder besonders zahlreich beobachten. In der zweiten Nachthälfte ist der Sternschnuppenstrom der Leoniden zu sehen, deren Ursprung im Kometen Tempel-Tuttle liegt und die alle 33 Jahre besonders stark auftreten. Dass dieser Meteorstrom etwas Besonderes ist, hat schon der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt zu berichten gewusst. So berichtet er von seiner Südamerika-Reise, wie er in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1799 von Cumana, Venezuela aus den Sternschnuppenfall beobachtet hat. Das Maximum des Leoniden-Stroms wird am 17. November erreicht werden.
 
Doch zurück zu den Kometen und ihrer Erforschung. Die Kometen sind für die Erforschung des Sonnensystems und der Frage nach seiner Entstehung von besonderer Bedeutung. Das liegt daran, dass die Kometen seit ihrer Entstehung vor beinahe 5 Milliarden Jahren unverändert sind. Ganz anders unsere Erde, sie hat sich in den vergangenen 5 Milliarden Jahren sehr stark verändert. Daher findet man auf ihr kein Material mehr, dass der Urmaterie aus dem das Sonnensystem entstanden ist, gleicht. Ganz anders bei den Kometen. Nicht nur, dass sie Bereichen des Sonnensystems entstammen, die hinter dem Planeten Neptun und noch weiter entfernt liegen. Sie unterliegen auch keiner geologischen Veränderung. Sie enthalten das Urmaterial des Sonnensystems. Daher sind sie für die Astronomen von großem Interesse.
 
Vor dem Raumfahrtzeitalter konnte man Kometen aber nur begrenzt von der Erde aus mit großen Teleskopen erforschen. Das hat sich vor gut 28 Jahren unter anderem mit der europäischen Kometensonde Giotto geändert, die im März 1986 bis auf 500 km an den Kometen Halley heran flog und faszinierende Bilder des Kometenkerns lieferte. Es war wohl ein Wink des Schicksals, dass dieser Vorbeiflug mit meinem 17. Geburtstag zusammenfiel.


Und jetzt, 28 Jahre nach Giotto, versucht die Europäische Weltraumorganisation ESA mit Rosetta die Kometenforschung zu revolutionieren. Zehn Jahre ist sie nun schon unterwegs im Sonnensystem, ist mehrfach an der Erde vorbeigeflogen, hat den Mars und zwei Asteroiden besucht und hat einen über zweijährigen „Winterschlaf“ gut überstanden. Seit dem „wake up“ der Rosetta-Sonde im Januar hält sie uns in Atem und zeigt uns ein überraschendes Bild des Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerasimeko, der liebevoll auch Tschuri genannt wird. Seit August begleitet Rosetta den Kometen Tschuri auf seiner Bahn um die Sonne und fotografiert.
 
Ziel der Mission ist es, den Kometen bei seinem Flug durch den sonnennächsten Punkt seiner Bahn zu erforschen und zu ermitteln, woraus dieser Komet besteht. Unter anderem wollen die Wissenschaftler wissen, ob das Wasser auf der Erde durch Kometen auf die junge Erde gebracht wurde und ob organisches Material durch Kometen auf die Erde gelangte, aus denen dann das Leben und letztlich wir Menschen entstanden sind.

Doch Rosetta ist nicht allein. Mit ihr ist der kleine Lander Philae unterwegs. Und Philae wird am Mittwoch, den 12. November, etwas Einmaliges versuchen. Er soll auf dem Kometen landen und die Rosetta-Sonde bei ihrer Forschung unterstützen. Denn es ist von der ESA geplant, dass beide, Rosetta und Philae den Kometen begleiten und bis Ende Dezember 2015 untersuchen.

Wird das gelingen? Ich wünsche es den Kollegen des Rosetta-Teams, allen Astronomen, Sternenfreunden und natürlich auch mir. Diesen kleinen Schritt für Philae werde ich im europäischen Houston, dem ESOC in Darmstadt, verfolgen und mitfiebern. Wenn Sie auch mitfiebern wollen oder die Rosetta-Mission weiter mitverfolgen wollen, können Sie die Webseite der Rosetta-Mission besuchen und sich dort Bilder, Berichte und Filme ansehen; www.esa.int/rosetta
 
Drücken Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit mir die Daumen, dass Philae gut auf dem Kometen ankommt und er zusammen mit Rosetta viele spannende Dinge über Kometen herausfindet. Natürlich erzähle ich Ihnen hier, wie es war, und gebe Ihnen einen Blick hinter die Kulissen.
 
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