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Sternengucker: Sternzeit

Von Was das Masernvirus auch anrichtet: Statt 100.000 Euro von einem Impfgegner gibt es Morddrohungen.

Der Glaube an das Übernatürliche, Außerirdische und UFOs, Hellseher, Spukerscheinungen, Alternativmedizin, Impfgegner, Verschwörungstheorien, uvm. Das sind die Themen, die sich die Skeptiker von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften e.V. (GWUP) genau ansehen. Menschen mit scheinbar übersinnlichen Fähigkeiten, werden von den Skeptikern in speziellen Tests untersucht, denn es winkt ein Preisgeld für all die Menschen mit besonderen Fähigkeiten, wenn sie denn ihre Fähigkeiten belegen können.

Auch sonst schauen die Skeptiker bei außergewöhnlichen Behauptungen genau hin und prüfen, ob und wie weit solche Behauptungen mit den Naturwissenschaften in Einklang stehen. Gut möglich, dass solche Behauptungen unser Bild von der Welt erweitern könnten.

Einmal im Jahr, an Christi Himmelfahrt, kommen die Skeptiker aus dem deutschsprachigen Raum zur GWUP-Konferenz Skepkon zusammen. Dieses Jahr fand die Skepkon 2015 in der Frankfurter Goethe Universität statt. An drei Tagen konnte man sich Vorträge zu verschiedenen Themenbereichen anhören und sich mit anderen Skeptikern über das Neueste aus der Welt des Wahnsinns austauschen.

Für mich als Mitglied der Regionalgruppe Skeptiker Rhein-Main war es etwas Besonderes, waren wir doch für die Organisation und teils auch für das Programm verantwortlich. In einer kleinen Reihe möchte ich über den ein oder anderen Vortrag erzählen.

Anfangen möchte ich mit einer wahren Begebenheit, über die man lachen kann, bei der einem aber auch gleichzeitig die Tränen kommen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben es sicher in den Medien mitbekommen: den Ausbruch der Masern in Berlin. In einigen Schulen und Kitas grassierte die Kinderkrankheit, und das nur, weil viele nicht gegen die Masern geimpft sind (Die FNP berichtete). Dabei könnte man die Masern längst besiegt haben, wenn nur flächendeckend geimpft würde.

Es scheint aber immer mehr Impfgegner zu geben, die den Impfungen die Wirkung absprechen, der Pharmaindustrie dunkle Machenschaften nachsagen und Ängste vor Impfungen verbreiten. Speziell bei den Masern gehen einige sogar soweit zu behaupten, dass es keinen Masernvirus gibt, sondern die Krankheit ganz andere Ursachen habe. Die Krankheit selber und ihre möglichen Folgen werden verharmlost oder sogar verschwiegen.

Einer dieser Impfgegner ist der Biologe Stefan Lanka, der sich in seiner kruden Überzeugung, dass es den Masernvirus nicht gäbe, dazu hinreißen, ließ 100.000 Euro als Preisgeld auszuloben, wenn ihm jemand den Beweis erbrächte, dass es den Masernvirus gibt.

Das ließ sich der in Schweden lebende Arzt Dr. David Bardens nicht entgehen und berichtete davon in seinem Vortrag „100.000 Euro für den Beweis der Existenz des Masernvirus im Ernst?". Zunächst zeigte er an zwei Fällen sehr drastisch die möglichen Spätfolgen einer Masernerkrankung. So ist ein Kind, das mit nicht mal zwei Jahren an Masern erkrankte, viele Jahre später an den Spätfolgen gestorben. Eines leidet heute noch an den Spätfolgen und ist zum Pflegefall geworden.

Sicher, Impfungen versprechen keinen 100-prozentigen Schutz und nicht alle können geimpft werden, weil sie entweder zu jung sind oder Impfungen nicht vertragen. Daher ist es um so wichtiger, wenn das Umfeld geimpft ist und eine Übertragung der Krankheit verhindert werden kann.

David Bardens, so berichtete er weiter, versicherte sich bei dem Impfgegner Lanka, ob denn sein Angebot ernst gemeint sei und ließ sich das bestätigen. Das war 2012, damals studierte Bardens noch Allgemeinmedizin. Er stellte daraufhin einige Arbeiten zusammen, die den geforderten Nachweis lieferten und die Existenz des Masernvirus belegten.

Bardens übersendete Herrn Lanka die Arbeiten mit einem Dankschreiben und der Bitte, die 100.000 Euro auf sein Konto zu überweisen. Das Geld möchte Bardens der Masernforschung spenden.

Die Reaktion von Lanka ist eigentlich typisch für Impfgegner, die gerne die Realität anzweifeln und sogar leugnen. Er zahlte natürlich nicht und behauptete, dass die Arbeiten mitnichten ein Beweis für den Masernvirus seien. Seine Anhängerschaft reagierte sogar noch heftiger, und es gibt mittlerweile Morddrohungen gegen Dr. Bardens, der zum Vortrag nach Frankfurt mit Personenschutz anreisen musste.

Das war der Punkt, an dem mir persönlich, aber auch anderen Zuhörern das Lachen verging. Bardens zog vor Gericht und Lanka wurde im März 2015 zur Zahlung der 100.000 Euro verurteilt (Die FNP berichtete). Selbst nach diesem Urteil glaubt der Biologe Lanka, im Recht zu sein und verweigert die Zahlung des Geldes und kündigte Berufung an.

Die Zuhörer im Saal bewunderten den Mut von David Bardens diesen Prozess bis zum Ende zu führen, trotz der Folgen für ihn. Dieses sehr drastische Beispiel zeigt, wie Impfgegner, aber auch viele Anhänger der so genannten Alternativmedizin, der Esoterik etc. auf Kritik reagieren und versuchen, Kritiker zum Schweigen zu bringen. Diffamierungen sind da nur das kleinste Übel, dass einem Skeptiker oder Kritiker droht. Für Fakten und sachlichen Argumenten sind diese Menschen nicht mehr zugänglich.

Solch eine Entwicklung finde ich besorgniserregend und gefährlich. Wir Skeptiker werden diesen Fall weiter beobachten und uns weiter für Impfungen einsetzen. Wer mit uns Rhein-Main Skeptiker über Impfungen oder andere Themen diskutieren will oder uns einfach nur kennen lernen möchte, der ist ganz herzlich zu unserem monatlichen Stammtisch eingeladen.

Infos und Termine der Skeptiker Rhein-Main: http://skeptiker-rhein-main.de/

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