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Sternengucker: Sternzeit

Von Wir werden den Mond besiedeln. So lautet der Plan eines einflussreichen Visionärs. Auch das Rhein-Main-Gebiet würde davon profitieren.

Neuer General-Direktor, neue Visionen: Die Weltraumforschung erlebte in den vergangenen Monaten viele Höhepunkte und Meilensteine. Die europäische Rosetta-Mission zum Beispiel, die nicht nur zum Ersten mal in der Raumfahrtgeschichte einen Kometen, 67P Churyumov-Gerasimenko, auf seinem Weg um die Sonne begleitet, sondern mit Philae erstmalig eine kleine Sonde weich auf einem Kometen absetzte.

Nach mehrmonatiger Funkstille hat sich Philae in den letzten Wochen immer mal wieder kurz von seinem Landeplatz auf Tschuri gemeldet und sendet neue Forschungsergebnisse.

Ein weiterer unglaublich erscheinender Meilenstein ist der Vorbeiflug der amerikanischen Raumsonde New Horizon am Zwergplaneten Pluto Mitte Juli 2015 gewesen. Vor neun Jahren gestartet, damals wurde Pluto noch zu den Planeten gezählt, erreichte die Sonde den Zwergplaneten und machte erstaunlich detaillierte Aufnahmen dieses beinahe 6 Milliarden Kilometer von der Erde entfernten Himmelskörpers.

Doch nicht nur Pluto wurde fotografiert, sondern ebenfalls sein großer Begleiter Charon und seine kleinen Möndchen.

Für einen Weltraumbegeisterten wie mich ist es faszinierend zu sehen, wie wundervoll eine weit entfernte Welt aussieht, die in meinem größten Teleskop nur als schwach leuchtendes Pünktchen erscheint.

Die Forscher der NASA müssen nun noch fast 1,5 Jahre warten, bis alle Daten auf der Erde ankommen, die während des Vorbeifluges aufgezeichnet wurden. In den Daten werden sicher noch einige Überraschungen auf die Forscher warten. Aber was kommt danach? Wie geht es weiter?

Sicher, den Weltraumforschern geht so schnell der Stoff nicht aus. Es gibt noch so viele Fragen zu klären, dass es noch für viele Missionen reicht. Die äußeren Bereiche unseres Sonnensystem sind immer noch nahezu unerforscht. Aber soweit muss man gar nicht gehen, fliegen oder blicken, um noch weitgehend unerforschtes Terrain zu erreichen.

Daran erinnert Johann-Dietrich Wörner, der neue General-Direktor der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Am 1. Juli 2015 hat Wörner, der viele Jahre als Direktor dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR vorstand, den Vorsitz über die ESA von seinem Vorgänger Jean-Jacques Dordain übernommen. Und gleich zu Beginn seiner Amtszeit formuliert Wörner eine ambitionierte Vision, die er angehen möchte.

Der neue ESA General-Direktor möchte zurück zum Mond. Aber nicht mit einer europäischen Sonde, auch nicht mit einzelnen bemannten Mondflügen á la Apollo. Nein, Wörner möchte eine Siedlung auf der Rückseite des Mondes bauen. Dort sollen dauerhaft Menschen leben und forschen. Das klingt nicht nur in meinen Ohren nach Science Fiction.

Der Mond, vor allem seine Rückseite, ist ein idealer Standort für astronomische Forschungen. Hier könnten größere optische Teleskope als auf der Erde gebaut werden, die ungestört durch eine Atmosphäre viel weiter ins All blicken können, als von der Erde aus. Hier könnten auch Radioteleskope entstehen und Teleskope, die den Himmel in Bereichen des elektromagnetischen Spektrums beobachten können, die unsere Erdatmosphäre nicht durchdringen.

Der Mond, so denkt Wörner weiter, kann auch als Sprungbrett zum Mars und darüber hinaus dienen. Alles was man für bemannte Marsmissionen benötigt, könnte man auf dem Mond erproben. Eine bemannte Mondstation hätte aber noch eine ganz andere, eine politische Dimension.

Solch eine Mondsiedlung mit einer funktionierenden Infrastruktur kann von einer Nation, von einer Weltraumagentur nicht alleine aufgebaut werden. Eine internationale Kooperation, die über eine Kooperation, wie die auf der ISS hinausgeht, wäre notwendig, solch ein Projekt umzusetzen.

Auf lange Sicht kann diese Zusammenarbeit friedensstiftend sein. Auch die Rhein-Main-Region könnte von solch einem Projekt profitieren, ist doch mit dem Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt, eines der wichtigsten Zentren der ESA hier ansässig.

Sicher wird das ESOC der Ort sein, an dem ich bei nächster Gelegenheit Herrn Wörner treffen werde und ihn genauer nach seiner Vision befragen werde. Der Weltraum und die Weltraumforschung bleiben also spannend und ein Blick an den Himmel lohnt sich immer. Und wer weiß, vielleicht erreichen mit der Mondrückseite bald einige Astronauten einen Bereich, wo noch kein Mensch gewesen ist.

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