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Sternengucker: Sternzeit

Von Eine sensationelle Entdeckung - oder doch nicht? Die Suche nach dem neunten Planeten geht weiter.

„Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.“ Diesen Merksatz, mit dem man sich die Zahl, die Namen und Reihenfolge der Planeten unseres Sonnensystems merken kann, kennt wohl fast jeder. Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto, so heißen die neun Planeten.

Aber Moment einmal, Pluto ist doch seit Sommer 2006 kein Planet mehr, sondern, nach Beschluss der Internationalen Astronomischen Union, nur noch ein Zwergplanet. Und das nach der neuen Planetendefinition nur, weil der unordentliche Pluto seine Umlaufbahn nicht aufgeräumt hat.

Die in den letzten Jahren hinter dem Neptun entdeckten Himmelskörper - manche kleiner als Pluto, einige aber auch größer als er, aber alle dort, wo er seine Bahn um die Sonne zieht - haben Pluto den Planetenstatus gekostet. Seit Sommer 2006 haben wir also nur noch 8 Planeten, sehr zum Leid aller Pluto-Freunde.

Jetzt aber könnte das Sonnensystem wieder aus 9 Planeten bestehen und vielleicht sogar noch aus vielen mehr. Denn, so ging es durch die Medien, amerikanische Astronomen hätten einen neunten Planeten entdeckt. Eine Sensation, so prangte es von vielen Titelseiten mancher Boulevardmagazine. Diese Meldung begeisterte auch viele Anhänger der sogenannten Paläoastronautik um Erich von Däniken oder Szecharia Sichtin. Ja, mancher sah in der Meldung den Beleg dafür, dass es den ominösen Planeten Nibiru doch gäbe.

Nibiru soll nach Sichtin die Heimat der Hochzivilisation der Anunnaki sein, die uns Menschen als Arbeitssklaven erschaffen haben sollen. Dieser Planet soll alle 3600 Jahre in Erdnähe erscheinen und wurde schon Ende 2012 von vielen UFO-Fans vergeblich erwartet. Jetzt sahen sich viele Nibirufans bestätigt.

Puuh, das ist mal wieder sehr heftig. Zumal an der „Entdeckung“ gar nicht soviel dran ist und in der Gemeinschaft der Weltraumforscher gar keine so großen Wellen schlägt.

Also, jetzt mal ganz langsam:

Die beiden amerikanischen Astronomen Konstantin Batygin und Mike Brown vom California Institut of Technology (CalTech) haben die Bahnen einiger Himmelskörper im Kuipergürtel - dem Bereich hinter Neptun, in dem auch Pluto sich um die Sonne bewegt - analysiert und mit Hilfe von Computersimulationen deren Bewegung berechnet. Dabei fanden sie heraus, dass deren Bahn wohl von einem recht großen Himmelskörper beeinflusst wird. Danach vermuten sie, dass es einen neunten Planeten weit hinter Neptun geben könnte, der die beobachteten Bahnstörungen der Kuiperobjekte erklären würde. 10 Erdmassen soll er haben, und in der 600-fachen Entfernung der Erde zur Sonne soll er unser Zentralgestirn in gut 20.000 Jahren einmal umrunden.

Beobachtet hat diesen neuen Planeten bisher aber noch keiner, und es wird auch schwierig sein, den Planeten aufzuspüren.

Aber warum ist es so schwierig, einen Planeten unseres Sonnensystems zu finden, wenn wir doch bei anderen Sternen massenhaft Planeten aufspüren können?

Nun, wenn wir bei anderen Sternen nach Planeten suchen, dann untersuchen wir das Licht des Sterns. Periodische Schwankungen in der Helligkeit des Sterns können auf Planeten hinweisen, genauso wie periodisch auftretende Frequenzverschiebungen im Spektrum des Sternenlichts. Sie kennen das als Dopplereffekt beim Krankenwagen, der mit Martinshorn an ihnen vorbeifährt. Kommt der Krankenwagen auf sie zu, ist der Ton höher, entfernt er sich, wird der Ton tiefer.

Bei den extrasolaren Planeten schauen wir immer zu dem Stern, den die Planeten umkreisen.

Die Planeten unseres Sonnensystems können wir am besten sehen, wenn sie einen möglichst großen Winkelabstand von der Sonne entfernt haben. Steht der Jupiter in Opposition zur Sonne - von der Erde aus gesehen steht er dann am Sternhimmel genau gegenüber von der Sonne und sein Winkelabstand beträgt 180° -, dann ist er die ganze Nacht über zu beobachten, ohne störendes Sonnenlicht. Die nahe an der Sonne stehenden Planeten sehen wir als helle Lichtpunkte am Himmel, da sie viel Sonnenlicht reflektieren. Je weiter sie von der Sonne entfernt sind und je kleiner die Planeten werden, desto weniger Sonnenlicht können sie reflektieren und sind dunkler. Die Planeten Uranus, Neptun und der Zwergplanet Pluto konnten nur mit größeren Teleskopen entdeckt werden. Pluto verriet sich nur, weil er sich vor dem Sternhintergrund langsam bewegte. 
 
Der mögliche neue neunte Planet ist weiter von der Sonne entfernt als alle bisher bekannten Planeten und sogar weiter als Pluto. Wegen seiner großen Entfernung erhält er nur noch wenig Sonnenlicht, das er reflektieren könnte. Er wäre wohl weit dunkler als Pluto. Zudem bewegt er sich wegen seiner gewaltigen Entfernung von beinahe 90 Milliarden Kilometern (Entfernung Erde-Sonne ca. 150 Millionen Kilometer) nur sehr langsam vor dem Sternhintergrund. Täglich würde der Planet gut 77.300 Kilometer oder 6 Erddurchmesser auf seiner Bahn zurücklegen. Im Vergleich dazu legt die Erde pro Tag gut 2,6 Millionen Kilometer zurück.

Um das noch besser zu verdeutlichen. Der Mond hat am Himmel einen scheinbaren Durchmesser von ½ Winkelgrad. Pro Tag legt die Erde entlang ihrer Bahn eine Strecke von gut 1 Winkelgrad oder zwei Monddurchmesser in Winkelgrad zurück. Der neue Planet ist so langsam, dass er pro Tag nur 1/10.000 des Monddurchmessers am Himmel zurücklegt. Für die gleiche Strecke gemessen in Winkelgrad vor dem Sternhintergrund, die die Erde täglich zurücklegt, braucht der vermutete neue Planet 20.000 Tage oder gut 55 Jahre.

Wir suchen also nach einem sehr lichtschwachen und äußert langsamen Planeten, von dem wir zudem nicht wissen, wo er zur Zeit im Bereich der Tierkreissternbilder steht. Um ihn zu finden, müssten wir mit lichtstarken Teleskopen gleichzeitig den gesamten Tierkreis absuchen. Ein Aufwand, der sich aber lohnen könnte, da die Astronomen noch weitere Planeten dort draußen vermuten.

Es bleibt spannend.
 
 

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