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Ich bin kein Astrologe

Nein, ich kann die Zukunft nicht vorher sagen und den Charakter eines Menschen nicht am Geburtstag ablesen. Will ich auch gar nicht.
Astrologen spielen sich immer wieder nach Unglücken wie den Anschlägen auf den Boston Marathon auf. In Debus' Augen ist das Leichenfledderei. (Foto: dpa) Astrologen spielen sich immer wieder nach Unglücken wie den Anschlägen auf den Boston Marathon auf. In Debus' Augen ist das Leichenfledderei. (Foto: dpa)
Es ist mal wieder passiert. Etwas ganz Schreckliches. Eigentlich bin ich es ja gewohnt, da es leider immer wieder geschieht. Meist nehme ich es mit Humor, doch diesmal hat es mich wieder sehr getroffen. Sicher fragen Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser, was so furchtbar Entsetzliches vorgefallen ist. Nun, vor einigen Tagen wurde ich den Schülerinnen und Schülern einer Grundschule als Astrologe mit einer Astrologieschule vorgestellt.

Ja, ich weiß was Sie jetzt denken und Sie haben recht damit. So schlimm ist es doch auch wieder nicht, wenn ein Astronom mit einem Astrologen verwechselt wird, oder etwa doch? Aber klar ist das schlimm, wirklich schlimm, so schlimm, dass ich mich immer wieder darüber aufregen könnte! Gerade jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, schwillt mir der Kamm an. Aber bevor ich hier jetzt hyperventiliere, will ich etwas Aufklärung betreiben, um anderen Astronomen und Amateurastronomen solche furchtbare Erlebnisse zu ersparen.

Die Astronomie, volkstümlich auch als Sternenkunde bezeichnet, ist eine der ältesten Naturwissenschaften. Astronomen interessieren sich für den Aufbau und die Zusammensetzung der verschiedenen Gestirne wie Monde, Planeten, Sterne und Galaxien. Die Entstehung und Entwicklung der Himmelskörper und des gesamten Universums wollen die Forscher entschlüsseln und verstehen. Die Astronomie hat unser Weltverständnis enorm verändert.

Die Astrologie, allgemein auch als Sterndeutung bekannt, versucht aus der Stellung von Sonne, Mond und der Planeten des Sonnensystems in den zwölf Tierkreiszeichen etwas über die Zukunft auszusagen oder den Charakter eines Menschen zu bestimmen. Ursprünglich glaubte man im Horoskop den Willen der eigenen Götter, symbolisiert durch die Planeten, zu erkennen. Nun, der Glaube an die antiken Götter ist längst verschwunden. Ob man mit Hilfe der Gestirne in die Zukunft sehen kann, ist unter Astrologen umstritten, genauso wie sich die Astrologen uneins sind, welche Himmelskörper für ein Horoskop wichtig sind.

Die heutige Astrologie gibt vor, aus dem Geburtshoroskop, das die Stellung der Planeten zum Zeitpunkt der Geburt zeigt, etwas über den Charakter eines Menschen sagen zu können. Astrologen geben vor damit den Menschen eine Hilfestellung in der Bewältigung des Alltags geben zu können. Wie die Planeten den Charakter eines Menschen beeinflussen soll und warum die Geburt und nicht der Zeitpunkt der Zeugung wichtig ist, darüber geben die Astrologen keine Auskunft. Peinlich für Astrologen ist auch, dass in allen bisher angelegten wissenschaftlich durchgeführten Versuchen unter anderem auch durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP, www.gwup.org), die getesteten Astrologen versagt haben.

Sie sollten verschiedenen Personen aus dem Geburtsdaten ein Horoskop erstellen und es richtig zuordnen. Auch, wenn sich die Testpersonen in dem erstellten Horoskop selbst zu erkennen glaubten, war den Beteiligten nicht bewusst, dass sie das Horoskop eines Massenmörders lasen. Nicht mal die am Test beteiligten Astrologen erkannten dies. Die Astrologie hat also mit Wissenschaft nichts zu tun.

Richtig zornig werde ich allerdings, wenn sich, wie vor kurzem wieder geschehen, Astrologen nach einer Katastrophe hinstellen und uns mit Horoskopen erklären wollen, warum es so kommen musste. So wie jetzt wieder nach dem schrecklichen Attentat in Boston am 15. April.          

Schon interessant, dass es den Astrologen nicht gelingt, solch eine Tat vorher zu sagen, obwohl sie doch nach dem Ereignis nicht müde werden, zu erklären, wie man mit Hilfe der Astrologie auch diese Taten hätte verhindern können. In meinen Augen ist diese von solchen Astrologen betriebene Leichenfledderei widerlich, denn Astrologie ist Unsinn und ich bin kein Astrologe. (Oliver Debus)
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